Paul Hindemiths "Mathis der Maler" gehört für mich zu den größten Meisterwerken der Opernliteratur und begegnet etwa Monteverdis "Orfeo", Mozarts "Don Giovanni", Verdis "Maskenball" und Bergs "Wozzeck" ohne weiteres auf Augenhöhe. Warum erhält Hindemiths Oper über das Malergenie Matthias Grünewald trotzdem nicht die Popularität, die sie verdient? Vielleicht, weil sie sich für die Liebhaber schöner Klänge und eingängiger Melodien zu modern und ungewohnt, für die Verfechter der Neuen Musik aber zu traditionell anhört? Dabei passt Hindemiths Mischung aus Spätromantik, Neoklassizismus, neuer Sachlichkeit und Archaismen hervorragend zu der in der Oper geschilderten Reformationszeit. Dass Hindemith Lieder aus dem 16. Jahrhundert einarbeitet, erhöht die stilistische Einheitlichkeit und Überzeugungskraft der Musik.
Ebenso meisterlich wie die Oper ist deren Darbietung in einer Besetzung hervorragender Sänger unter der Leitung von Simone Young. Ein Klangerlebnis, das sich kein Opernfreund und kein Liebhaber klassischer Musik entgehen lassen sollte. Bedauerlich ist zwar, dass der Box kein Textbuch beigefügt ist. Aber man kann eben nicht alles haben, und dank Hindemiths transparentem Kompositionsstil und wegen der großartigen Sängerleistungen versteht man den Text ohnehin auch so.