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Das Mathe-Gen oder wie sich das mathematische Denken entwickelt und warum Sie Zahlen ruhig vergessen können
 
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Das Mathe-Gen oder wie sich das mathematische Denken entwickelt und warum Sie Zahlen ruhig vergessen können [Gebundene Ausgabe]

Dietmar Zimmer , Keith Devlin
3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 330 Seiten
  • Verlag: Klett-Cotta; Auflage: 2., Aufl. (2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 360894320X
  • ISBN-13: 978-3608943207
  • Größe und/oder Gewicht: 21,6 x 13,2 x 2,7 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 743.008 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Keith J. Devlin
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Produktbeschreibungen

Spektrum der Wissenschaft

Wenn es ein Gen für Mathematik-Begabung gäbe, würden die vielen Menschen, denen Mathematik eine Quälerei ist, das vielleicht als Trost empfinden. Dann wären sie ja nicht selbst für ihre schlechten Noten verantwortlich …

Pech gehabt, sagt der Mathematiker, Wissenschaftsjournalist und Sachbuchautor Keith Devlin. Es gibt nämlich gar kein Mathe-Gen. Die Eigenschaften, die den Menschen zum Betreiben von Mathematik befähigen, sind dieselben, die ihm auch Sprechen und abstraktes Denken ermöglichen. Ohne Sprache keine Mathematik.

Zur Begründung führt er den Leser auf eine Gedankenreise durch Mathematik, Sprachwissenschaft und Evolutionstheorie. Auf der ersten Station dieser Reise fasst er zusammen, was er bereits in "Muster der Mathematik" (Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 1998) ausgebreitet hat: Mathematik ist die Wissenschaft von den Mustern - realen oder vorgestellten. Es kann sich um geometrische, logische oder auch grammatische Muster handeln. In einem eigenen Kapitel erläutert Devlin das mit Beispielen aus Geometrie und Gruppentheorie.

Zahlen sind nur ein Aspekt unter vielen, und Mathematik beginnt erst da, wo der Zahlensinn aufhört. Darauf bezieht sich der zweite Teil des Untertitels. Und da für Devlin das menschliche Gehirn keine Rechenmaschine ist, sondern ein Apparat zur Mustererkennung, ist es bestens für die Beschäftigung mit Mathematik geeignet. Professionelle Mathematiker denken zwar zweifellos anders als andere Menschen, aber sie haben keine anderen Gehirne.

Numerische und algorithmische Kompetenz, die Fähigkeit zu abstrahieren und Bezüge herzustellen, der Sinn für Ursache und Wirkung und damit die Fähigkeit, eine längere Kausalkette zu konstruieren und zu verfolgen, logisches Denken und räumliches Vorstellungsvermögen sind nach Devlin die Fähigkeiten, die den Menschen in die Lage versetzen, Mathematik zu betreiben. Lässt man den ersten und den letzten Punkt dieser Aufzählung fort, dann wird klar, wie Devlin zu seiner Kernaussage von der gemeinsamen Wurzel von Mathematik und Sprache gelangt.

offline-Denken Dazu zitiert Devlin ausgiebig Fachleute auf den Gebieten der biologischen und der Sprachevolution und gibt dann seine eigene Interpretation, die von den Erkenntnissen der Fachleute nicht gerade erzwungen, aber doch plausibel gemacht wird. Sprache ist für ihn mehr als bloße Kommunikation. Im Gegensatz zu Protosprachen wie dem - durchaus Information vermittelnden - Schwänzeltanz der Bienen hat sie eine Struktur, eine Grammatik. Nach den Forschungsergebnissen des Linguisten Noam Chomsky und seiner Nachfolger ist die Grundstruktur dieser Grammatik in allen menschlichen Sprachen im Wesentlichen dieselbe. Damit ist belegt, dass allen Menschen eine Fähigkeit zur Musterbildung gemeinsam ist - und damit auch eine Fähigkeit zur Mathematik.

Devlin geht noch einen Schritt weiter. Im Gegensatz zur gängigen Ansicht sei Kommunikation nicht die evolutionäre Triebkraft der Entwicklung zur grammatisch strukturierten Sprache, sondern deren Neben- oder Folgeeffekt, ein "Nebenprodukt der Fähigkeit unserer Urahnen, die Welt, in der sie lebten, mehr und mehr zu verstehen - sowohl ihre physische Umgebung als auch ihre zunehmend komplexer werdende soziale Welt".

Der entscheidende Entwicklungsschritt zum Verstehen der Welt ist in seinen Augen die Fähigkeit zum "offline-Denken". Gemeint ist die Fähigkeit, äußere Reize zu simulieren, sich eine Vorstellung von - etwa - einem Mammut zu machen, ohne es leibhaftig vor Augen zu haben. In der Folge kann das Gehirn Strukturen, insbesondere eine Grammatik, in der Vorstellung selbst bilden.

An diesem Punkt der Evolution trennen sich die Wege von Mensch und Tier, und es taucht die Frage auf, wieso der Mensch als einziges Tier diesen Weg gegangen ist. Zunächst stellen ein großes Gehirn und die Fähigkeit des offline-Denkens keinen besonderen Selektionsvorteil dar. Erst als diese Fähigkeit innerhalb einer evolutionsgeschichtlich kurzen Zeitspanne vor ungefähr 200000 bis 75000 Jahren zur Bildung von Sprache und zu komplexeren Denkstrukturen führte, begann der Mensch die Welt zu erobern.

Zum Schluss bezieht Devlin seine Interpretation der Sprachevolution auf die Frage, worin sich in Mathematik erfolgreiche Menschen von den erfolglosen unterscheiden. Worüber kommunizieren Menschen am meisten? Nach Devlin sind es Klatsch und Tratsch. Wo liegt hier der Selektionsvorteil? Dem Klatsch liegt ein Interesse am Mitmenschen zu Grunde. Er trägt zum Zusammenhalt der Gruppe bei und war daher ein Überlebensvorteil. Wer ist erfolgreich in Mathematik? Derjenige, der sich für Beziehungen zwischen mathematischen Strukturen interessiert und darüber klatscht. So wie sich andere für die Fußball-Bundesliga interessieren und die Spielergebnisse der letzten zehn Jahre auswendig wissen. Jeder besitzt im Prinzip die gleiche Fähigkeit, Mathematik zu betreiben, wie auch fast jeder an einem Marathonlauf teilzunehmen fähig ist. Entscheidend ist, ob man es will.

Dieses nach über 350 Seiten überraschend simple Ergebnis erinnert stark an das amerikanische Glaubensbekenntnis, dass man den Erfolg nur wollen muss. Und genau das hat sich der geplagte Mathematiklehrer, mit desinteressierten Schülern konfrontiert, eigentlich schon immer gedacht.

Der eigentliche Gewinn beim Lesen dieses Buches liegt woanders: Man erfährt sehr viel über die Entwicklung des menschlichen Gehirns und seiner Fähigkeit, zu denken und Sprache zu entwickeln. Darüber hinaus lernt man eine originelle Interpretation bekannter Tatsachen der menschlichen Evolution kennen. Dieses Buch bietet mehr, als der Titel verspricht.

Rezensent: Stefan Welke

Pressestimmen

Das ›Mathe-Gen‹ von Keith Devlin (dtv) ist nicht, wie man aufgrund des Titels vermuten kann, eine biologische Abhandlung über ein Gen, durch das unser mathematisches Verständnis bestimmt wird. Ziel des Buches ist es, zu zeigen, dass diejenige Eigenschaft des Gehirns, die mathematisches Denken ermöglicht, dieselbe ist, die uns zur Sprache befähigt. Ein guter Aufbau sowie detaillierte Erläuterungen lassen dies gelingen.

Eine feurige Liebeserklärung an die Mathematik ist das Buch allemal. Wer es liest, kann ahnen, was sie für ihre Adepten so faszinierend macht.

An Devlins Buch besticht auch die wissenschaftliche Redlichkeit. Obwohl er durchaus eigene Gedanken und Wertungen einbringt, versäumt er es nie, die Urheber von Argumenten zu nennen und versteckt auch seine Zweifel nicht.

Man erfährt sehr viel über die Entwicklung des menschlichen Gehirns und seiner Fähigkeit, zu denken und Sprache zu entwickeln. Darüber hinaus lernt man eine originelle Interpretation bekannter Tatsachen der menschlichen Evolution kennen.

Das Buch ist von einem freundlichen und optimistischen Grundton durchzogen, der keine Ängste gelten läßt und klarmachen soll, daß jeder das ›Mathe-Gen‹ besitzt und mit seiner Hilfe über eine angeborene Fähigkeit verfügt, Mathematik zu betreiben. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Nicht Mathematik sondern Geisteswissenschaft, 14. Mai 2002
Von 
Peer Sylvester "peerchen" - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das Mathe-Gen oder wie sich das mathematische Denken entwickelt und warum Sie Zahlen ruhig vergessen können (Gebundene Ausgabe)
Bei diesem Buch handelt es sich NICHT um eines der vielen populärwissenschaftlichen Mathematikbücher (auch wenn man auf einigen Seiten anderes lesen kann), sondern um die Theorie des Autoren, wie das menschliche Bewusstsein die Fähigkeit zur höheren Mathematik entwickeln konnte.
Dies ist sehr interessant aber (allen Bemühungen des Autoren zum Trotz) stellenweise sehr trocken und auf der Grenze zum Fachbuch. Trotzdem: Wer sich für die Entwicklung des menschlichen Geistes interessiert, findet hier eine hervorragende Abhandlung. Mathedidaktiker und Mathematiklehrer sollten sowie zur Lektüre angehalten werden.
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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Inspirationen für einen neuen Mathematikunterricht, 18. September 2002
Rezension bezieht sich auf: Das Mathe-Gen oder wie sich das mathematische Denken entwickelt und warum Sie Zahlen ruhig vergessen können (Gebundene Ausgabe)
Einfach Genial! Mit sehr vielen Beispielen, die man seinen
Schülern -mal so nebenbei- erzählen oder ausprobieren lassen
kann. Meine Schüler (5. Klasse) kamen aus dem Staunen nicht
mehr heraus: z.B. woher kommen die Ziffern 1,2,3? Was hat
Mathe mit Mustern zu tun? Auch Lehrer beginnen wieder zu
staunen; Zwischen bloßem Rechnen und der Schönheit der
Mathematik liegen Welten - dies veranschaulicht Devlin auf
eindrucksvolle Weise!
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Mathematik-Genesis statt Gen wäre der richtige Titel., 4. Oktober 2004
Rezension bezieht sich auf: Das Mathe-Gen oder wie sich das mathematische Denken entwickelt und warum Sie Zahlen ruhig vergessen können (Gebundene Ausgabe)
Als der Rezensent vor 35 Jahren von seinem alten Professor die Aufgabe erhielt, eine Dissertation über mathematische Hochbegabung und ihre mögliche Vererbung zu schreiben, war eine der ersten Feststellungen, als die Daten von den über 1000 leistungsfähigsten Schüler der damaligen DDR und ihrer über 20000 Verwandten vorlagen, daß es kein spezielles „Mathe-Gen" geben konnte, sondern statt dessen eine hohe Allgemeinbegabung bzw. einen sehr hohen Grad von allgemeiner Intelligenz, der seinen Ausdruck in sehr guten Leistungen in Mathematik finden konnte, aber sehr oft auch in Spitzenleistungen in technischen und naturwissenschaftlichen Disziplinen. Mathematiker und ihre Verwandten sind auch weit überdurchschnittlich sprachbegabt, oft gute Organisatoren und Manager. Es ist auch aus der menschlichen Evolution heraus nicht vorstellbar, daß es Gene speziell für Mathematik geben könnte, sondern statt dessen für Denken und einen hohen Grad von gesundem Menschenverstand. Der Referent kann damit Devlin bestätigen, der (auf S. 13 des Buches) feststellt, daß es „kein Mathe-Gen gibt, sondern eine angeborene Fähigkeit zum mathematischen Denken. Natürlich gibt es Gene, die diese Fähigkeit beeinflussen." Diese Unterschiede zwischen den Menschen, die der eigentliche Forschungsgegenstand der Humangenetik, der Psychometrie und von IQ-Tests sind, sind aber dann im weiteren kein Gegenstand des Buches. So gesehen ist die Titelwahl sogar völlig irreführend. Statt dessen befaßt sich das Buch mit den Eigenschaften des menschlichen Denkens, wie sie allen Menschen gemeinsam sind (und dadurch nicht Gegenstand der Genetik sind!). Was diese eigentliche Zielsetzung des Buches betrifft, so hat sich der Verfasser seinen guten Ruf und die Auszeichnungen redlich verdient. Der Text ist populärwissenschaftlich. Dem Rezensent selbst ist das Wesen des mathematischen Denkens vor allem durch „Where Mathematics Comes from" von George Lakoff und Rafael Nunez deutlich geworden, das nicht einer deutschen Übersetzung vorliegt, aber auch andere geistige Ansprüche stellt (und wer die erfüllen kann, kann heutzutage auch fließend Englisch lesen).
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