Was ist materielle Kultur? Kultivierte Materie? Welche Bedeutung messen wir diesem Produkt
unseres geistigen Ausdrucks bei, wie gehen wir damit um und was macht materielle Kultur mit oder
an uns? Solche Fragen stellen sich die Menschen schon lange. Der Autor gibt dem einen Rahmen, in
dem er viele Antwortsuchende und ihre Aussagen vorstellt, und sie versucht übereinander zu legen.
Seine Gliederung teilt dabei in drei Hauptkapitel; 'Die Materialität und ihre Wahrnehmung',
'Zum Umgang mit Dingen' und 'Bedeutung der Dinge'. In der nächsten Gliederungsstufe stellt er
verschiedene Aspekte der Herangehensweise vor, indem er einige Wissenschaftler zu Sprache
kommen lässt. Dazu zählen Definitionen, Kapitel wie; 'Lebensstile und Motive des Konsum' oder
'Objektkategorien und Stil als Bedeutungsträger' aber auch philosophische und künstlerische
Formen des Ausdrucks. Besondere Aufmerksamkeit lenkt der Autor dabei auf die Konsumkritik,
angefangen bei Marx gibt er viele verschiedene kritische Gedanken wieder, wobei er sich jedoch
merklich distanziert und die Ansichten differenziert betrachtet in einen Kontext stellt. Obwohl er
noch feiner eingrenzt gibt er für die dritte Gliederungsstufe keine weiteren Nummerierung mehr an,
was zuerst ein wenig unübersichtlich wirkt, sich jedoch beim lesen als sehr zutreffend herausstellt,
da die Grenzen der Thematik zunehmend fließende Übergänge bilden, je feiner man sie erschließt.
Dies liegt vor allem daran, dass sich vieles im Zusammenhang mit materieller Kurlur auf einer
metaphysischen Ebene bewegt, die sehr schwer zu fassen und wissenschaftlich zu erschließen ist.
Beispiele, die er dafür gibt wären zum einen die Biographien von Gegenständen oder zum anderen
deren individuelle oder kollektive Bedeutung, die sich nur bedingt am Objektkörper ablesen lässt.
Um hier überhaupt allgemeingültige Aussagen treffen zu können, stellt der Autor verschiedene
Herangehensweisen gegenüber, so zum Beispiel Vergangenes mit der Gegenwart und vor allem
Kulturen mit weniger materiellem Besitz der unserer äußerst materialistisch, auf Konsum
ausgerichteten Kultur. Um es dem Leser leichter zu machen malt der Autor mit seinen Beispielen
anschauliche Bilder, davon jedoch so unheimlich viele, da sich vieles nicht anders abstrahieren lässt.
Dem Verständnis hinderlich ist außerdem noch, dass man als Leser stets das Gefühl haben muss, der
Autor bleibe immer an der Oberfläche und gehe den Dingen nicht tiefer nach, um letztendlich zu
unbefriedigenden Faziten zu kommen. Vor allem sind es Erkenntnisse, wie, dass nichts von dem
gesagten uneingeschränkt gültig und alles irgendwie widerlegbar ist, oder solche, die man ohne
darüber nachgedacht zu haben eigentlich sowieso weiß (z.B. das ich durch Gegenstände ö.ä. auf
verschiedene Weise mit anderen kommunizieren kann). Wenn man als Leser nach jeder
vorgestellten Idee dann immer wieder lesen muss, dass die Idee im Grunde genommen
unvollkommen sei und man eigentlich nichts genau sagen kann, trägt das nicht gerade dazu bei den
Leser an das Buch, und die darin Enthaltenen Gedanken zu fesseln. Um den Inhalt abzurunden,
führt der Autor an einigen Stellen, vor allem am Anfang auch die Forschungsgeschichte mit an, oder
beschreibt noch verbleibende, weiterführende Forschungsfelder. Solche kurzen Ausführungen
erwecken aber eher den Eindruck, als würde es einfach auch noch Erwähnung finden müssen, in
einem Buch, welches sich mit dem dem unheimlich weiten Thema der materiellen Kultur befasst.
Nimmt man dann noch die groben Rechtschreibfehler, die hier wohl auf fehlende Konzentration
beim Schreiben und Korrekturlesen hindeuten, und die Tatsache, dass es sich dabei um ein
Taschenbuch welches nicht ganz 170 Seiten umfasst handelt, hinzu, kann man sich berechtigterweise
die Frage stellen, ob die Intention des Autors tatsächlich darin lag, das Thema materielle Kultur
endlich einmal unter einen Hut zu bringen, oder ob er einfach nur sein täglich Brot verdienen wollte.
Doch selbst wenn es so wäre, stünde dies nicht zu Debatte, da der Autor kein zu hoch gestecktes
Ziel verfehlt hat. Denn es ist als Einführung gedacht und kann auch so genutzt werden. Sicherlich ist
es kein Buch für jedermann, auch wenn man interessante Erkenntnisse über die Dinge die uns
umgeben erlangen kann. Es ist da für Menschen, die einen Überblick über dieses Themenfeld der
ethnologischen Forschung bekommen möchten und vor allem für die, die damit weiterarbeiten
wollen, denn es strotzt nur so von Zitaten und Verknüpfungen zu weiterführender Literatur.
Somit kann das Buch ein Einstieg sein, auch wenn es den Anschein erweckt, dass es vor der
Gewaltigkeit der Thematik kapitulieren müsste.