Dieser Band ist außerordentlich wichtig, da er sich der unglaublichen Schwierigkeit des de Manschen Spätwerks stellt. Er ist aus dem 1998 Colloqium an University of California mit dem monströsen Titel "Culture and Materiality: A post-millenium conference a propos of Paul de Man's Aethetic Ideology - to consider trajectories for 'materialist thought in the afterlife of theory"Viele namhafte Autoren unter anderem auch Jacques Derrida in seinem Vortrag " Typewriter Ribbon: Limited Ink (2)" (p. 277-360), der nach langer Zeit wieder die Auseinandersetzung mit Rousseau/de Man/ aufnimmt, legen interessante Deutungen vor. Hillis Miller geht in seinem Essay "Paul de Man as Allergen" (p.183-204) dem allergischen Potential nach, das de Man bei Lesern auslöst. Tom Cohen - wie immer mäandern und komplex - liest Hitchcock/Benjamin/de Man in seinem Essay "Political Thrillers: Hitchcock, de Man, and Secret Agency in the "Aesthetic State" (p. 114-152)Interessant sind auch die Versuche von Laclau ("The Politics of Rhetoric", p. 229-254), der vor allem mit seinem Arbeiten über den Hegemonie-Begriff und sein "radical democracy"-Projekt bekannt wurde, und Judith Butler, der Politik von de Man nachzuspüren.
Beeindruckend ist auch die Auslegung von de Mans Interpretation der kantischen "Kritik der Urteilskraft" durch Andrzej Warminiski mit dem Titel "As the Poets Do it": On the Material Sublime" (p 3-31) . Lawrence Rickels schließlich geht dem de Manschen Widerstand nach: "The resistance to theory" und die Psychoanalyse (p 153-182).
Fazit: ein wichtiger Band über den leider vollkommen unbegriffenen de Man. Wichtig für Leser, die - nach der de Man-Affäre - nach Wegen jenseits von Zeitungsgeschwätz und Denkverboten suchen, die immer nur die Denkfaulen geschützt haben. 5 Sterne.