Ich bin mittlerweile ein großer Estampie-Fan, und kann die Alben "Ondas", "Fin Amor", "Crusaders", "Ave maris stella" und "Ludus Danielis" jedem nur wärmstens Empfehlen. Aber mit der vorliegenden Bingen-Hommage bin ich auch nach dem dritten oder vierten Anhören noch sehr zwiespältig. Diese Musik ist doch sehr anders als man es von Estampie gewohnt ist, eigentlich auch anders als alles, was ich bisher gehört habe. Die Gesänge der Hildegard werden hier auch nicht in meditativer Form (wie etwa auf der überragenden CD "Celestial Stairs" vom "Ensemble für frühe Musik Augsburg") dargeboten, sondern auf eine merkwürdig pulsierende Weise. Das mehrstimmige Zirpen von Frauenstimmen, unterlegt mit Ethno-Rhythmen, fasziniert mich mal, mal nervt es mich (meist eher letzteres). Ich bin nicht sicher, ob dieser gewiss interessante Zugang den Gesängen der heiligen Hildegard gerecht wird. Jedenfalls bin ich für mein Teil froh, dass Estampie diesen stilistischen Ansatz nicht weiter verfolgt hat.