Wohl kaum jemand würde den ruhigen, präzis konstruierten und spannenden 2004er Film "Match Point" für ein Werk von Woody Allen (70) halten - aber man sagt, es sei so. Eine weitere Besonderheit besteht darin, dass Allen seinen 39ten Film komplett in England drehte - allerdings wenigstens mit einer Hauptdarstellerin aus New York. Damit gelang ihm ein bemerkenswerter Kassenerfolg, der seine Produktionskosten rund 6-mal einspielen konnte.
Allen betrachtet das Phänomen des kleinen, unscheinbaren Moments, in dem eine Laune des Schicksals Weichen für das Leben stellt - beispielhaft gezeigt an einem Netzhänger beim Tennis.
Der aus kleinen Verhältnissen aufgestiegene irische Tennisprofi Chris (Jonathan Rhys Meyers, 28) kann den Reizen der attraktiven Nola (Scarlett Johansson, 21) nicht widerstehen - sein Aufstieg in die bessere Gesellschaft läuft allerdings unausweichlich über die liebe Chloe (Emily Mortimer, 34) von allerliebstem Geldadel. Doch die Einbindung in die Upper Class hält Chris nicht davon ab, ein wildes Verhältnis mit Nola zu beginnen, das nicht ohne Folgen bleibt. Und Nola will sich nicht mehr mit der Rolle der diskreten Geliebten zufrieden geben ...
Vieles an diesem Film ist außergewöhnlich, nicht nur die eingangs erwähnten Punkte. Es ist in Teilen ein Thriller, ein Kriminalfilm, eine Dreiecks-Liebesgeschichte, ein Familiendrama und eine Aufsteiger-Story, dennoch wirkt nichts aufgesetzt, alles entwickelt sich natürlich, ohne besondere Aufregung und weitgehend nachvollziehbar. Die Allen-typisch ausgeprägten Dialoge fehlen zwar keineswegs, stellen aber eher eine ruhige Demonstration guter Erziehung dar als das aufgeregte, überdrehte Geschnattere, das man aus seinen New Yorker Produktionen kennt.
Der Film wurde auf 35 mm im Format 1,85:1 gedreht. Bild- und Tonqualität - wenn auch mono - sind souverän, die Darsteller überzeugen absolut, die Bandbreite von Scarlett Johansson ist geradezu atemberaubend, und die immer wieder eingespielten, alten Caruso-Aufnahmen unterstreichen das angedeutete Konzept der Kontemplation.
Die Handlung entwickelt sich nach dem oben skizzierten Eingang durchaus dramatisch und spannend, aber ohne all die üblichen Features von Action- oder Suspense-Filmen. Nichts wirkt auch nur annähernd spekulativ - dafür aber der Blick in die bessere Gesellschaft erstaunlich echt. Aber am Ende atmet man aus und sagt: Wow! Einen derart gelungenen Plot sieht man nicht alle Tage!
film-jury 4* A0651 5.6.2012eg Genre: Krimi | Drama | Romanze | Sport | Thriller
Scarlett Marie Johansson (* 22. November 1984 in New York City)
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1998 -* R0000 Der Pferdeflüsterer
....... R+D: Robert Redford D: Kristin Scott Thomas, Scarlett Johansson
2002 5* A0586
Lost in Translation....... R: Sofia Coppola D: Scarlett Johansson, Bill Murray
2003 4* A0410
Das Mädchen mit dem Perlenohrring [Blu-ray]
....... R: Peter Webber D: Scarlett Johansson, Colin Firth
2004 5* A0461
Lovesong für Bobby Long....... R: Shainee Gabel
....... D: Scarlett Johansson, John Travolta, Gabriel Macht, Deborah Kara Unger
2005 4* A0409
Die Insel....... R: Michael Bay D: Scarlett Johansson, Ewan McGregor
2006 4* A0651
Match Point (Einzel-DVD)....... R: Woody Allen D: Scarlett Johansson, Jonathan Rhys Meyers, Emily Mortimer