Herr Collas kam in Besitz bis dahin unveröffentlichter Protokolle des Gerichtsfalls "Mata Hari". Sein Urgroßvater war der vorsitzende Richter des Prozesses, der Mata Hari zu eine der berühmtesten Frauen des frühen 20 Jhrd. machte.
Gerade angekommen in Paris und ohne einen Groschen nimmt sich die junge Frau im besten Hotel am Platz eine Suite. Sie lebt auf großen Fuss, sucht sich ihre Liebhaber nach Rang und Namen aus und wird schon bald zur Aufsehen erregensten Attraktion über die Grenzen hinaus. Denn Margarethe, so wie sie früher hieß, nennt sich jetzt Mata Hari und ist die erste Frau, die sich beim Tanzen entblößt.
Soviel Einblick gewährt uns der Autor zu anfangs. Nun beginnt er in die Vergangenheit abzutauchen und geht chronologisch rückwärts. Vom Jahr Mata Haris Aufstieg bis in ihre früheste Jugend zurück. Er versucht dem Mythos dieser sonderbaren Frau näher zukommen, indem er sich in sie hineinversetzt, in ihr Seelenleben abtaucht. Warum hat Mata Hari Zeit ihres Lebens in einer Scheinwelt gelebt und alle in ihrem Umfeld, ja sogar sich selbst, belogen und getäuscht? Wie wurde sie eine Geheimagentin und warum war gerade das dass Schlimmste, was dieser Exzentrikerin passieren konnte. Übersteigertes Selbstvertrauen, Größenwahn, zwei Personen in einer? Man weiß es nicht und so mutet Collas Versuch eben als das an, was er ist: Nur ein Versuch. Dabei strengt er sich jedoch gehörig an, spart nicht mit pathetischen, manchmal schwülstigen Sätzen und viel eigener Meinung. Dennoch muss man dem Autor zu Gute halten, dass er sich viel Mühe mit der Recherche gab und weitläufig glaubwürdig erscheint. So kommt ein verschwommenes Bild einer Frau ans Licht, die einsam und für ihre Zeit wohl zu modern war.