Zur Zeit des Ersten Weltkriegs (keine Nazis also, dem offiziellen Werbetext zum Trotz) gerät Mata Hari (Sylvia Kristel) zwischen die Fronten. Weil sie als Tänzerin Auftritte in Paris wie Berlin hat, wollen sowohl Deutsche als auch Franzosen sie als Spionin gewinnen, die dem Gegner genügend den Kopf verdrehen kann, um ihm Informationen zu entlocken.
Wenn der Film in der heutigen Zeit, knapp ein Vierteljahrhundert später also, ein Remake erleben würde, sähen wir Mata Hari wahrscheinlich mit zwei Degen beidhändig vier Gegner zerschnetzeln, während sie auf einem Drahtseil über einem Abgrund tanzt, alles vor der Greenscreen gefilmt und im Computer erzeugt. Frühere Verfilmungen der 20er und 30er Jahre wirken heute im Gegensatz dazu natürlich zu brav. Insofern erscheint mir der Film von 1985 als der beste Mittelweg. Kostüme, Bauten und Produktionsaufwand sind echtes Kino, eine Mühe, die man sich heute für einen erotischen Film nicht mehr machen würde. Der Gegensatz zwischen Salons und Schützengräben erzeugt einen Eindruck, der weit mehr hängenbleibt als die Erinnerungen an Kristels vorangegangene "Emmanuelle"-Bilderbögen.
Zuvor war der Film nur von MGM auf US-DVD mit Regionalcode 1 erhältlich, und zwar als "Flipper" mit der 16:9-Fassung auf der einen, der 4:3-Vollformat-Fassung auf der anderen Seite. Die Blu-ray von Koch Media verzichtet auf solchen Unfug und bringt nur die Widescreenversion, uncut (108 min.), allerdings leider ohne neues Bonusmaterial und anscheinend von demselben Master gezogen, denn sowohl die mäßige Schärfe als auch kleinere Verschmutzungen sind identisch mit der US-DVD und somit macht die Blu-ray vom Bild her keinen nennenswerten qualitativen Unterschied.