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Masuren: Ostpreußens vergessener Süden
 
 
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Masuren: Ostpreußens vergessener Süden [Broschiert]

Andreas Kossert
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 432 Seiten
  • Verlag: Pantheon; Auflage: 4 (12. Juni 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3570550060
  • ISBN-13: 978-3570550069
  • Größe und/oder Gewicht: 19,6 x 12,6 x 3,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 34.382 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Andreas Kossert
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Eine grandiose historische Arbeit." (Klaus Bednarz/DIE ZEIT )

»Ein faszinierendes Geschichtspanorama.« (Frankfurter Allgemeine Zeitung )

»Andreas Kossert widerspricht sowohl den polnischen als auch den deutschen Nationalisten.« (Die Welt )

Kurzbeschreibung

Andreas Kossert erzählt vom historischen und kulturellen Erbe der preußischen Grenzlandschaft zwischen Deutschland und Polen. Er erzählt von ihren Menschen, von der masurischen Sprache, dem harten Lebensalltag der Bauern, ihrem Los während der zahllosen Kriege. Und er erzählt von Flucht und Vertreibung, von den Erinnerungen an Masuren und der Faszination Ostpreußens.


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
24 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ulf Borkowski VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Mit seinem Werk "Masuren - Ostpreußens vergessener Süden" hat Andreas Kossert ein Lücke in der wissenschaftlichen Betrachtung dieses Landes geschlossen. Während bisherige Darstellungen von polnischer, wie auch von deutscher Seite, Masuren jeweils als urpolnisch bzw. urdeutsch reklamierten, bemüht sich Kossert eine neutrale Haltung einzunehmen und die Masuren in ihrer ethnischen Eigenart als preußische Deutsche mit polnischer-masurischer Mundart, slawisch klingenden Nachnamen und deutschen Vornamen darzustellen.

Dadurch, dass Kossert sich sowohl polnischer als auch deutscher Quellen bedienen konnte, erfährt der kundige Leser zum ersten Mal mehr über die Hintergründe der polnischen Masurenpolitik.

Die Kritik an der deutschen Germaniesierungpolitik seit 1872 überwiegt meines Erachtens allerdings ein wenig, da hier der Blick auf das große Ganze vernachlässigt wird. Deutschland begann erst mit der Reichsgründung ein Nationalstaat zu werden, während andere europäische Staaten, auch Polen, schon Nationalstaaten waren bzw. - im Falle Polens - ein nationale Identität hatten. In Deutschland musste sich der Nationalstaat gegen einen starken Regionalismus durchsetzen, wobei insbesondere die ethnisch gemischten Grenzregionen ins Augenmerk des neuen zentralistischen Nationalstaates fielen.
Auch die Kritik, die masurische Sprache und Kultur sei untergegangen, weil die alten auschliesslich deutschsprachigen Eliten diese vernachlässigt hätten, verkennt die Situation der Masuren nach dem Krieg. Wer sollte denn nun noch masurisch sprechen, wo man über ganz Deutschland verteilt lebte, keiner wollte doch als "Pollack" beschimpft werden und vor allem sprach doch die zuletzt in der masurischen Heimat geborene Generation ohnehin kein masurisch mehr. Darüber hinaus stellt Kossert selbst fest, dass praktisch die Gesamtheit der Masuren niemals polnisch sein wollte, dass wurde 1920 im Abstimmungsverhalten, ab 1933 leider auch im Wahlverhalten und ab 1944 an der überwiegenden Flucht der Masuren in Reichsgebiet deutlich.

Die masurische Ethnie ist in der deutschen Kulturgemeinschaft aufgegangen und hat sicher auch ihre Spuren hinterlassen - und wenn es auch nur noch die Erinnerung an dieses unbeschreiblich schöne Land und seine Menschen ist.
Ich jedenfalls bekenne gerne, selber Masure zu sein und erkenne auch als Nachgeborener noch einige masurische Eigenarten in mir. :-)

Auch wenn Kosserts Werk an einigen Stellen durchaus kritikwürdig ist, so ist es doch ein absolutes Muß für jeden, der sich näher mit der Geschichte Ostpreussen und Maurens befasst.

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51 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Andrea Kossert: Masuren. Ostpreußens vergessener Süden, Siedler Verlag, Berlin 2001.

Der Untertitel des Buches verwundert: Warum soll gerade Masuren, eine Region, die zunehmend von Touristen bereist und ob ihrer landschaftlichen Schönheit gepriesen wird, vergessen sein? Andreas Kossert geht es in seiner großartigen Studie um die vergessene Geschichte der Region und vor allem der Bewohner Masurens, denen ein Platz eingeräumt werden soll, den sie in der Geschichte nie einnehmen durften: sie erscheinen als eigenständige Subjekte, nicht als Objekt nationaler Interessen. Kossert zeigt die Auswirkungen der „großen Politik“ auf die Menschen in Masuren, lässt sie durch Einbeziehung verschiedenster Quellen - etwa Literatur oder zeitgenössische Kirchenlieder der - lebendig werden.
Die Geschichte der Masuren wird vom Mittelalter bis in die Gegenwart erzählt, ohne sie auf den Konflikt um die nationale Zugehörigkeit der Region zu Polen oder Deutschland zu reduzieren. Kossert gelingt dabei eine glänzend geschriebene Gesamthistorie des südlichen Ostpreußens, die durch ihre Themenvielfalt besticht. So finden die Rolle der Religion, Schulen in Masuren, die wirtschaftliche Lage, Traditionen und Sagen Eingang in die scharfsinnige Darstellung der wechselvollen Geschichte dieser Region, die mit ihrer spezifischen ethnischen Struktur eine Brücke zwischen polnischer und deutscher Kultur hätte bilden können. Diese Chance wurde aber begraben von den Versuchen der jeweils Herrschenden, Masuren „rein deutsch“ oder „rein polnisch“ werden zu lassen. Bei aller Sensibilität nennt Kossert die Dinge hier beim Namen: „Im nationalistischen Geschrei stand die polnische Seite der deutschen indes in nichts nach.“
Heute versuchen immer mehr junge Polen, Ukrainer und Litauer in Masuren die Geschichte ihrer Heimat zu erkunden und wollen an das Gewesene erinnern. Dies stimmt optimistisch nach einem eher traurigen Fazit der Geschichte, die Kossert vom 13. Jahrhundert an nachzeichnet: „Ohne Verständnis für die besondere Lage, die in dieser Grenzregion über Jahrhunderte entstand, walzten deutscher und polnischer Nationalismus alles nieder, was masurisch war ‘Germanisierung’ oder ‘Polonisierung’, das waren die Alternativen, die den Menschen offen standen. Ein eigener masurischer Weg blieb ihnen verwehrt.“

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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von ludwigwitzani TOP 500 REZENSENT
Format:Broschiert
Masuren - das klingt nach Tragik und Geheimnis, nach Verlust der alten Heimat und zugleich auch ein wenig nach deutschem Sibirien. Was aber bedeutet es? Und wie sieht es dort aus? Wen diese Fragen interessieren, der ist mit dem vorliegenden Buch von Andreas Kossut gut bedient. In 11 Kapiteln entfaltet der Autor die Geschichte dieses Grenzlandes zwischen Deutschland und Polen, angefangen bei den Sudauern und Galinden bis zum Untergang Masurens nach dem 2. Weltkrieg, und was es dort zu lesen gibt, reicht gleich für ein halbes Dutzend Reisen in die Seenlandschaft des südlichen Ostpreußens.
Als dieses südliche Ostpreußen um das Jahr 1000 zaghaft in des Licht der Geschichte trat, waren im heutigen Masuren nicht weniger als elf slawische Stämme ansässig, lauter kriegerische und wenig entwickelte agrarische Clangesellschaften, die insgesamt etwa 220.000 Menschen zählten und die konsequent jeden Missionar, der sich in ihr Land verirrte, den Garaus machten. Diese altmasurischen Stämme bekamen es allerdings bald mit dem deutschen Ritterorden zu tun, den der polnische Herzog Konrad von Masowien 1226 zur Missionierung dieses Heidenlandes nach Ostpreußen gerufen hatte. Bekanntermaßen hat der Deutsche Ordensstaat diesen Auftrag so gründlich erfüllt, dass ein großer Teil der Pruzzen und masurischen Stämme entweder ausgerottet oder in die Knechtschaft getrieben wurde. Allerdings blieb der Zustrom deutscher Siedler ins karge Land spärlich. Eine polnische Zuwanderung im größeren Stil setze erst nach 1411 ein, als der der Ordensstaat seine ersten vernichtenden Schläge durch das polnische Königtum bereits erhalten hatte. Als Albrecht von Brandenburg, der letzte Hochmeister des Ordens, den Ordensstaat 1525 im Zuge de Reformation säkularisierte, wurde schließlich ganz Ostpreußen und damit auch Masuren offiziell ein Lehen der polnischen Krone. ( 1525) - auch das eine wegweisende politische Entwicklung, denn im Jahre 1618 erbte die kurfürstliche brandenburgische Linie nach dem Aussterben der brandenburgischen Seitenlinie Ostpreußen als Lehen, ein Unterwerfungsverhältnis, das die Brandenburger schon wenige Jahrzehnte später im Zuge der schwedisch-polnischen Kriege abstreiften. (1660)
Nun wurde Masuren Teil eines souveränen brandenburgisch-preußischen Staates unter der Herrschaft der ehrgeizigen Hohenzollerndynastie. Verheerende Pestepidemien führten aber immer wieder zu Bevölkerungseinbrüchen in der ländlichen Bevölkerung, die durch polnische Zuwanderung ausgeglichen wurde. Bedeutend für das Verständnis der masurischen Besonderheit wurde, dass die zugewanderten Polen durch die von protestantischen Pfarrern betriebene Missionierung überwiegend zum Protestantismus übertraten, so dass damit das Grundmuster des alten Masurens entstand: polnisch in der Sprache, evangelisch im Glauben, preußisch in der Obrigkeit. Eine immer deutlicher sich ausprägende Zweiteilung Masurens begann ab dem 18. Jhdt.: die Städte wurden deutscher, das Land polnischer, ohne dass dies in der vornationalen besonders wichtig gewesen wäre. Alle waren Preußen, was sich auch darin zeigte, dass in den Befreiungskriegen Deutsche wie Polen gleichermaßen zu den Waffen griffen, um Preußens Stellung gegen Napoleon wiederherzustellen.
Mit der Reichsgründung 1871 trat das tolerante Preußische dann endgültig zugunsten eines eifernden deutschen Nationalismus zurück, der sich in Gestalt der Ostmarkenvereine ausdrücklich die Zurückdrängung des Polentums auf die Fahne geschrieben hatten. Die Deutschen verwandelten das Land mit Eisenbahnen, Straßenbau und Verbesserung der Verkehrswege immer stärker in ihr Land und empfanden das Polnische mit seinen hohen Geburtenrtaten als langfristige Bedrohung.
In dieser Phase der zunehmend national definierten deutsch-polnischen Entfremdung bricht der erste Weltkrieg aus, der 1914/15 Masuren schrecklich verwüstet, vor allem nachdem die Russen nach den beiden ersten Niederlagen bei Tannenberg und den masurischen Seen zurückkehren und im masurischen Winterkrieg wieder aus dem Land gerieben werden mussten. Bekanntermaßen ging der Weltkrieg für Deutschland verloren, so dass die siegreichen Alliierten 1920 in Masuren eine Volksabstimmung darüber anordneten, ob Südostpreußen polnisch oder deutsch werden solle. Obwohl die Mehrheit der Masuren polnisch spricht, stimmen sie mit überwältigender Mehrheit für Deutschland, ein Befund, mit dem dien Polen überhaupt nicht zurechtkommen und den sie den Masuren nach dem Ende des 2 Weltkrieges heimzahlen sollten.
In der Weimarer Republik entwickelt sich Masuren zum wirtschaftlichen Sorgenkind. Die Produktivität der kargen Böden ist so gering, dass immer mehr Menschen ins Ruhrgebiet abwandern ( diese Migration hatte schon im 19. Jhdt. begonnen ).die Verschuldung der Höfe nimmt überhand, Zwangsversteigerungen sind an der Tagesordnung, die Arbeitslosigkeit steigt ins Astronomische, und als die Brüningsche Sparpolitik beginnt, schwenkt ganz Masuren in dass Lager der Nazis ein. Überall in Masuren sind die Wahlerfolge der Nazis sogar noch höher als im Reich, am höchsten dort, wo arme polnischsprachige Masuren leben Gedankt haben die Nazis dies den Masuren nicht, denn nun bald beginnt eine rigorose Germanisierungspolitik, massenhaft werden die Orte umbenannt, und mit dem Beginn des 2. Weltkrieges wird Masuren schließlich Aufmarschgebiet zum Großen Ostkrieg Als dieser verloren geht und die russischen Truppen Masuren erobern, versinkt das Land in Blut und Chaos (siehe dazu die erschütternden Details auf S. 354).Das ist das Ende des alten Masurens, die Menschen werden zwangspolonisiert oder wandern, wann immer sie können, nach Deutschland, namentlich ins Ruhrgebiet aus.
Es ist eine packende und am Ende tragische Geschichte, die der Autor mit großer Sachkenntnis und Stilgefühl entfaltet. Zahlreiche Abbildungen, ein umfangreiches Register und eine Bibliographie runden dieses Meisterwerk der Regionalgeschichtsschreibung ab. Für jeden, dem das deutsch-polnische Verhältnis am Herzen liegt, ein unverzichtbares Leseerlebnis.
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