Es ist perfid und gleichzeitig genial, was Gregorian seit dem Jahre 2000 in immer neuen Variationen veranstalten: Internationale Pop- und Rocksongs der letzten fünf Dekaden werden, nicht unkreativ, in eine Sound-Wiederaufbereitungsanlage gesteckt und kommen - mit allem möglichen Brimborium arrangiert - als 'gregorianische Mönchsgesänge' verkleidet wieder zum Vorschein. Dieses Konzept hat den Machern inzwischen millionenfache CD-Verkäufe beschert und funktioniert auch im sechsten Anlauf wieder einmal großartig.
Pink Floyds unfassbares "Comfortably Numb" aus dem legendären Album THE WALL ist das beste und gelungenste Beispiel auf diesem Album. Gänsehaut pur, inklusive eines großartigen Gitarrensolos. "Lady In Black", melodischer Singalong-Klassiker von Uriah Heep aus dem Jahre 1970, wird ebenfalls kongenial neu interpretiert. Das längst vergessene "Send Me An Angel" der obskuren One-Hit-Wonder-Gruppe Real Life erstrahlt nach 22 Jahren in gänzlich neuem Licht und beweist seine Qualität als Pop-Evergreen.
Auch "Silent Lucidity" von Queensryche, "Lucky Man" von ELP, "The Unforgiven" von Metallica, "Stop Crying Your Heart Out" von Oasis (!) und selbst das höchst aktuelle "Boulevard Of Broken Dreams" von Green Day funktionieren in diesem klosterhaften Paralleluniversum Aufsehen erregend gut.
Lediglich drei Mal geht es dann doch ein wenig in die Hose: Der Opener "Heroes" von David Bowie, "We Love You" von den Rolling Stones und vor allen Dingen der fröhliche Popsong "I Feel Free" von Cream müssten hier nun wirklich nicht unbedingt sein - doch selbst aus diesen eigentlich völlig unpassenden Nummern vermögen es Heusmann, Soltau, Kohrs und Peterson irgendwie, noch halbwegs glaubhafte eigene Versionen zu zaubern.
Leider sind auch auf diesem Album die typischen, kurzen Instrumental-Intermezzi nicht getrennt von dem jeweils davor laufenden Song anwählbar. Das nervt vor allem dann, wenn man sich den einen oder anderen Titel gerne auf eine Compilation-CD brennen würde.
Alles in Allem aber ist auch dieses Album meisterhaft gelungen. Der melancholisch-bombastische Sakralpop von Gregorian berührt nun einmal die romantische deutsche Seele zutiefst und sorgt zum wiederholten Male für lauter dunkel eingefärbte Glücksgefühle.