Y. Kissin, ein musikalisches Wunderkind und zum Zeitpunkt der CD-Aufnahme gerade 19 Jahre alt, bringt in Schuberts großer C-Dur Fantasie eine Klangfülle zum Ausdruck, als wäre ein ganzes Orchester in zwei Händen vereint. Schubert entwickelt hier aus dem Thema seines Liedes "Der Wanderer" ein viersätziges Werk, das nahezu mit einem Klavierkonzert vergleichbar ist. Kissin zeigt dies durch kraftvolle Akkorde und brillante Laufpassagen in den schnellen Sätzen. Im Adagio lässt er den sehnsuchtsvollen Geist der Romantik spüren. Das zentrale Thema aller Sätze wird dabei wie ein roter Leitfaden durch das Werk gezogen.
Vier weitere Schubertlieder schließen sich an: Hier als Transkription für Klavier. Was F. Liszt auf geniale Weise "bearbeitet" hat, wird durch Kissins Interpretation verdeutlicht, nämlich die kantable Weise einer Gesangsmelodie auf das Klavier zu übertragen.
Geradezu bewundernswert ist das Einfühlungsvermögen des sehr jungen Pianisten in das Werk eines alten Mannes: Johannes Brahms, der mit seinen Fantasien op. 116 bereits am Ende seines Lebens stand. Den drei wild auftrumpfenden Capriccios, in denen dunkle Leidenschaft und erregte Bitterkeit hörbar werden, stehen vier elegisch-weiche Intermezzi gegenüber, die den melancholischen Seelenzustand des alten Brahms widerspiegeln.
Liszts Ungarische Rhapsodie Nr. 12 lebt von den abwechslungsreichen Charakteren ihrer Teile: ein äußerst pathetischer langsamer erster Satz und lebhafte Zigeunerweisen, die in rauschhafter Raserei enden.
Man weiß, dass der Komponist auch ein hervorragender Klaviervirtuose war. Für Kissin eine Herausforderung, die auf geniale Weise gemeistert wird!