Einstieg:
Der Einstieg ist genau so, wie ich mir das erhofft habe. Das Buch beginnt mit den familiären Hintergründen von John Romero und John Carmack. Welche Probleme sie in der Jugend zu überwinden hatten und wie sie dadurch zu ihrer Passion gefunden haben. Gleich hier merkt man, was diese beiden Charaktere ausmacht. Der ausgeflippte John Romero als Hans-Dampf-in-allen-Gassen, dem nichts wichtiger scheint als der Rekordhalter in Asteroids in allen Arcade-Hallen der Gegend zu sein. Und auf der anderen Seite, der zurückgezogene "Nerd" und ruhige Tüftler John Carmack.
Wie zufällig die Begegnung der Schaffer von Doom in Shreveport, diesem pissigen Kaff In Louisiana, bei der kleinen Spieleschmiede Softdisk abgelaufen ist, ist schon echt faszinierend. Besonders unter Berücksichtigung der Tatsache, was die beiden Johns eigentlich dorthin verschlagen hat. Doch hier beginnt die Geschichte der kreativsten Spielemacher der damaligen Zeit. Ein Genie und ein Meister der Kreativität machen sich daran die Welt der PC-Spiele mal gründlich aufzumischen.
Story:
Die Story ist wirklich sehr gut wiedergegeben. Der Autor hat merklich sehr viel zeit in die Recherchen zu den damaligen Geschehnissen eingeholt. Dabei war er zwangsweise auf Erlebnisberichte der beiden Johns und später auch der anderen ID Mitarbeiter angewiesen. Dabei reflektieren die Interviewten die Geschehnisse nicht nur in einem positiven Licht. Im gegenteil. Sehr häufig wird deutlich welche Barrieren durch die unterschiedlichen Charaktere aufgebaut wurden und wiederum überwunden werden mussten. Hemmungslos berichtet John Romero über seine Fehler, die dazu führten, dass seine Firma Ion Storm und das revolutionäre Daikatana letztlich so elend scheiterten.
Besonders beeindruckend finde ich die Schreibweise des Buches. Es ist alles andere als eine Geschichtsdokumentation. Diese Erlebnisberichte aus dem Tagesablauf der id Mitarbeiter sind stellenweise so gut wiedergegeben, dass man sich förmlich vorstellen kann, wie skuril die Arbeitsatmosphäre gewesen sein muss. In einer sehr bildlichen Darstellung wird immer wieder dargestellt, wie John Romero mit seiner wirren und ausgeflippten Art alle im Studio genervt hat, außer John Carmack, der jenseits jeder Wahrnehmung einfach nur mit Coding und Programmierung beschäftigt war und tagelang nichts um sich herum wahrgenommen hat.
Besonders gut dargestellt finde ich auch die technische Neuerungen, die die Entwickler geschaffen haben. Hier wird nicht nur gesagt, was denn jetzt neu entwickelt wurde, sondern auch warum das ein absoluter Meilenstein war. SO z.B. die 1:1 Portation von Super Mario Bros auf den PC, die als erstes Spiel Side Scrolling auf dem PC ermöglichte. Heutzutage kann man sich einfach gar nicht vorstellen, dass das mal eine echte Herausforderung war.
Die Story ist durchweg schlüssig und mit einem roten Faden durchzogen. Selbst nach der Trennung von John Romero und John Carmack kann man gut der unterschiedlichen Berichterstattung zu id Software und Ion Storm folgen.
Die Personen:
Zu den Personen muss ich nicht viel sagen. Alle wichtigen und nicht so wichtigen Mitarbeiter und Vertragspartner etc. die id Software auf ihrem Weg (auch vor der Zeit von id) begleitet haben werden genannt. Selbst eine interessante Geschichte über Bill Gates kommt vor, die ich so noch nicht kannte. Die Hauptcharaktere John Carmack und John Romero werden wirklich sehr gut dargestellt. Der Leser erfährt sehr interessante Details über deren Charaktereigenschaften, die so nicht wirklich präsent sind und sowohl schockierend als auch einfach skuril witzig sind.
Zudem werden die Konflikte zwischen allen Beteiligten wirklich detailliert berichtet. Z.B. welche Probleme Adrian Carmack, der Gore Fetischist, mit den Haititaiti Graphics von Commander Keen hatte, etc.
Bewertung:
Eines der besten Bücher, dass ich je gelesen habe. Eine neue Auflage, die die Geschichte nach 2003 fortsetzt wäre wünschenswert. Einen halben Punkt Abzug gibt es nur, weil ich zum Schluß den Eindruck hatte, dass die Geschichte etwas abflaut und eher einer Aufzählung von Fakten gleicht. Dieser EIndruck bezieht sich aber nur auf die letzten 10 bis 15 Seiten. Alles davor ist wirklich Lesespaß pur.