Ich finde es ganz großartig, dass der Bühnen-erfahrene Profi-Slide-Gitarrist Richard Köchli seine praktischen Fertigkeiten einerseits und die forschenden Vertiefungen in die Geschichte der Blues-Musik andererseits nicht nur für seine eigenen Auftritte verwendet, sondern sie großzügig mit einem Gitarren-Lehrbuch so aufarbeitet, dass es nun unzähligen anderen Gitarristen vom Anfänger bis zum Profi sich auf schnellste Weise erschließt, wie man einen authentischen Blues-Sound aus jeder beliebigen Gitarre hervorzaubert.
Wer vom "Open Tuning" noch nichts gehört hat, kann es sich schnell anlesen, wer bei verschiedenen Rhythmus-Varianten noch unsicher war: die beigelegte CD unterstützt sowohl durch Audio-Beispiele (für den CD-Player) wie auch durch mp3 Trainingsstücke (für die Computer-Besitzer).
Köchli, der zuvor schon sehr erfolgreiche Gitarrenschulen zur Country- und Bottleneck-Technik herausbrachte, hat sich mit großer Ehrfurcht in das jeweilige Lebenswerk der berühmten Väter des Blues versenkt. 1880 wurde Blind Blake geboren, 1891 Charley Patton, 1897 Blind Willie Johnson - er starb übrigens 1945 - genau in dem Jahr, in dem ich geboren wurde. Richard Köchlis Geschichts-Buch ist für mich die schönste denkbare Zusammenfassung von dem, was "vor meiner Zeit" war: Zuviele Unterrichtsstunden in meinem Leben handelten von Kriegen und anderen Unmenschlichkeiten: Hier wird endlich einmal ausschließlich der Blick gelenkt auf das Tröstliche.
Eine praxisnahe, nachspielbare Geschichte der Bluesmusik (und die somit nach-erlebbaren emotionalen Erfahrungen dieser Welt) ist allemal erhebender als die Betrachtung, wer sich in einem Krieg am elendigsten aufgeführt hat.
Ich hoffe, viele, die dieses Buch kaufen, erleben es genauso wie ich, wenn sie beginnen, die Stücke nacheinander einzuüben: Es eröffnet sich mit diesem Buch nicht nur ein neuer Horizont des Finger-Gebrauchs, sondern eine neue Welt des Fühlens.