In der Geschichte des Heavy Metal gibt es einige Scheiben, die sooo großartig sind, dass man sie mit einfachen Worten unmöglich beschreiben kann. Einer dieser wegweisenden Genre-Klassiker ist zweifellos der METALLICA-Drittling "Master of puppets". Selbst 25 Jahre nach Veröffentlichung ist jeder Versuch, den magischen Spirit dieses 8-Trackers auch nur ansatzweise in Worte zu fassen, letztlich zum scheitern verurteilt. Als Kritiker kann man sich nur um Kopf und Kragen reden - und wird dem künsterlischen Input von "Master of puppets" (auch musikgeschichtlich!) in keinster Weise gerecht werden. Es kann sein, dass die beiden Album-Vorgänger "Kill 'em all" und "Ride the lightning" vielleicht sogar die wichtigeren Scheiben waren, die die Band - quasi über Nacht - zur größten Hoffnung seit IRON MAIDEN werden ließ. Der vollkommene Durchbruch sollte den Herren James Hetfield , Kirk Hammet , Lars Ulrich und Cliff Burton erst im Jahre 1986 gelingen, als "Master of puppets" die Szene mit einem Paukenschlag in ihren Grundfesten erschütterte. In diesem Jahr wurden die Leben tausender Metalheads welttweit verändert - und die neuen Könige des Heavy Metal konnten nur METALLICA heißen. Jawoll: Hier wurde Geschichte geschrieben !!!
Noch heute ist "Master of puppets" unbestritten das Metal-Album, dass die meisten Superlative in sich vereint. So beginnt der rasende Thrash-Opener "Battery" mit dem wohl mitreißendsten Akustik-Intro der Musikgeschichte, das selbst nach 25 Jahren keinen einzigen Deut seiner Gänsehaut-Atmosphäre eingebüßt hat. Mit dem überlangen, vielschichtig arrangierten Titelsong folgt im Anschluss der wohl legendärste Song der gesamten Band-Historie, dessen eingängiger "Master, master"-Mitgröhlchorus bis heute zum Highlight jedes METALLICA-Konzertes gehört. Das Gitarrenduo Hetfield/Hammet schoss hier reihenweise Riffsalven ab, hatte gleichzeitig aber auch einige der genialsten Melodiemomente parat, die im Laufe der Jahrzehnte die Herzen aller Metalfans (weltweit!) niemals verlassen würden. Und eines war auch klar: Wenn vorher jemals tatsächlich daran gezweifelt hatte, ob diese vier ehemaligen College-Jungs überhaupt erstzunehmen seien, denen wurde in dieser Sekunde entgültig der Riegel vorgeschoben.
Mit dem subtil-depressiven Stampfer "The things that should not be" folgte sogleich der nächste Oberhammer, ehe mit "Welcome home (Sanatarium)" der legitime Nachfolger von "Fade to black" (vom Vorgänger "Ride the lightning") nachgeschickt wurde. Der vor Verzweiflung schreiende Text ging hier Hand in Hand mit dem musikalischen Grundaufbau des Songs, welcher als Halbballade recht gefühlvoll beginnt, sich aber von Minuten zu Minute immer mehr zum reinrassigen METALLICA-Banger entwickelt. Um Himmels Willen - wenn das nicht Weltklasse ist, was denn dann ???
Das anschließende "Disposable heroes" bot erneut hochklassiges Thrash-Futter aus dem Lehrbuch, für das die meisten Bands heutzutage töten würden. Und doch, wenn an dieser Scheibe überhaupt ein Ansatz von Kritik erlaubt ist, dann wohl die, dass "Disposable heroes" unterm Strich vielleicht doch etwas zuuu lang ausgefallen ist. Who cares ?! Mit "Leper messiah" kam denn direkt der wohl unterbewertetste Song des damaligen Band-Katalogs, der es leider nie zum Live-Abräumer geschafft hat...und das, obwohl das brilliante Melodie-Break im Mittelteil selbst heute noch jeden Kenner zum sofortigen Kniefall zwingt. Flankiert wurde der musikgewordene Orkan durch das virtuose Bass-Spiel von Cliff Burton (R.I.P.) , der seinen großen Auftritt aber erst im nachfolgenden "Orion" haben sollte. Tja, und auch hier muss erneut der Superlativ herhalten: Denn mit dem 8-Minüter "Orion" gelang METALLICA das wohl beste Metal-Instrumental aller Zeiten, wenn gleich es in spielerischer Hinsicht bestimmt anspruchsvollere Stücke gibt. Aber die sich stetig steigernde Atmosphäre, der unbeschreibliche Verlauf , der magische Geist...nichts beschreibt die musikalische Entwicklung dieser Band besser, als die Riffing/Melodie-Wundertüte "Orion", die in ihrer Machart bis heute alle Vorzüge des Heavy Metal in sich vereint. Tja, und als dann der brutal galoppierende Rausschmeißer "Damage Inc. " (quasi als Konterpart des Openers "Battery") diesen Meilenstein nach knapp 50 Minuten beendete, war das Leben absolut auf den Kopf gestellt, So viel Blut, Schweiß und Tränen wurden vergossen. So viele Gefühle hatten sich gegeneinander ausgespielt. Musik MUSS garnicht immer hundertprozentig perfekt sein...manchmal IST sie es einfach.
Fazit: Wenn man heute eine repräsentative Umfrage machen würde, welche Scheibe wohl als "Bestes Album aller Zeiten" zu bewerten sei: Der Klassiker "Master of puppets" würde dabei garantiert unter den Top-3 zu finden sein. Weil kein Album die euphorische Aufbruchstimmung und den wahren Spirit der Achziger Jahre besser verkörpert. Der Explosionsartige Donnerschlag dieses Metal-Meisterwerks hallt selbst nach einem Vierteljahrhundert noch nach, was allein schon die Tatsache beweist, dass längst etablierte Acts wie TRIVIUM , SLIPKNOT , DREAM THEATER oder MACHINE HEAD das Machwerk als größte Inspirationsquelle über den grünen Klee loben.
Ironischerweise muss ich gestehen, dass mein persönlicher METALLICA-Favorit immer noch "...and justice for all" ist. Weil es das erste Metal-Album war, das ich jemals gehört habe, und welches mein Leben somit (als einer der größten Schätze) entscheidend mitgeprägt hat. Ganz nüchtern betrachtet ist "Master of puppets" aber wahrscheinlich das bessere Album. Entscheidet selbst, wenn ihr es nicht schon längst getan habt.