Das Auge schmerzt, der Leser windet sich. Wir befinden uns in Masserberg in der DDR. Mel ist sehr krank, sehr traurig und sehr provozierend. Schrill ist diese junge Frau mit langen grünen Fingernägeln, hautengen Klamotten, schillend geschminktem Auge (das zweite Auge ist verbunden), dick gepudert die Haut. Mel wird mit Spritzen und Kortison behandelt, kämpft gegen die Erblindung, gegen den Schmerz, gegen die Angst, die Resignation der uralten Patientinnen, die sie umgebn, und die Gleichgültigkeit der Ärze, die in ihr nur einen Fall sehen. Sie ist ordinär und obszön, kalt und abgebrüht, von verstörender Offenheit. Dieses Buch schont niemanden, gebeutelt eilt man durch die Seiten, unfähig, aufzuhören, sich dem Schmerz und der Wicht des Textes zu stellen. Mel öffnet der Leserin, dem Lser den Blick in eine Trostloswelt, aufgehellt nur durch Auflehnung, Wut und hemmungslose Jugend, die den Alten zeigt, was sie nie waren, aber gerne gewesen wären. Und plötzlich die Liebe. Masserberg kann auch schön sein und Heimat. Der Text wird drängend und verliert seine absolute Aggressivität. Dieses Buch ist großartig, schrecklich und glaubwürdig zugleich, und sehr, sehr anrührend.