Ich sah den Film im TV und wollte das Buch dazu lesen, von dem ich vor dem Film noch nicht gehört hatte (man möge mir verzeihen!)
Die Autorin:
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Else Buschheuer wurden in Sachsen, genau gesagt in Eilenburg, geboren.
Man kennt sie auch als TV-Moderatorin und natürlich als Schriftstellerin. In den Jahren 2001 bis 2005 lebte sie in New York. Sie berichtete über die Anschläge vom 11. September.
Momentan lebt sie in Leipzig. Sie ist für den mdr tätig und für den "Spiegel", aber auch für die "Süddeutsche" und den "Tagesspiegel".
"Ruf! Mich! An!" aus dem Jahr 2000 ist vielleicht dem ein oder anderen von euch bekannt. "Masserberg" stammt aus dem Jahr 2001. Weiterhin aus ihrer Feder stammen: "Der Koffer" (2006) und "Venus" (2005)
Inhalt:
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Es geht um Mel eine 17jährige junge Frau, die krank ist und 1984 ettliche Wochen in Masserberg in der Kurklinik verbringt.
Der Ort befindet sich auf dem Lerchenberg (Thüringen). Es ist eine Klinik, die sich auf Augenleiden spezialisiert hat, in der Mel sich befindet.
"EINMAL MASSERBERG IMMER MASSERBERG" ist der Spruch, mit dem die Neuankömmlinge begrüßt werden. Es sind dies zumeist alte Menschen, die hier kuren.
Mel will sich aber nicht unterbuttern lassen, sie hat sich geschworen zu kämpfen, gegen die Krankheit einerseits und vor allem aber gegen die negativen Aussichten, die Prognosen, dass sie nicht gesund werden kann. Sie möchte sich nicht abschreiben lassen.
Dieser Kampf äußerst sich bei ihr, indem sie sich von alten Menschen abheben will, indem ihr das System egal ist, indem sie bezüglich ihrer Kleidung provokativ auftritt und auch in Hinblick auf ihr Äußeres überhaupt und ihre Äußerungen.
Sie ist einfach ein Ärgernis - besonders für die Ärzte der Klinik, die sich diesen "Fall" - wie auch alle anderen - so einfach wie möglich machen wollen. Die nicht alles tun, was zur Gesundung beitragen würde.
Mel zeigt Überlebenswillen unter den vielen alten Menschen, mit denen sie auch ihr Zimmer teilen muss. Einige unter ihnen wachsen ihr auch ans Herz.
Sanchez ist ein Arzt aus Kuba, der in der DDR die Chance bekommt, seinen Beruf auszuüben, hier studiert hat und als IM Skalpell eigentlich über Mel berichten müsste.. Mel verliebt sich in ihn und eine Romanze beginnt, die aber nicht ganz einfach ist.
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Mehr möchte ich nicht verraten, um nicht alles vorwegzunehmen.
Meine Meinung:
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Der Lebenshunger der 17jährigen Mel kommt wunderschön rüber. Sie ist krank, sie könnte bald erblinden, aber sie gibt sich nicht geschlagen, sie kämpft und das beschreibt die Autorin in sehr eingängigen Details.
Das Else Buschheuer eine Romanze mit einem kubanischen Arzt einbezieht, der noch dazu zur Stasi gehört, ein Mitarbeiter ist und der DDR sooooo viel zu verdanken hat macht diese Liebe zu einer gefährlichen Sache.
Man liest und schüttelt mit dem Kopf. Man kann sich nicht vorstellen, das es wohl wirklich mal so gewesen sein könnte, aber es gab sicher 1000e solcher oder ähnlicher Schicksale, die in der damaligen DDR passierten.
Das Mel ein junges Mädchen ist, welches zur selbstbewußten Frau wird, diese "Verwandlung" kommt im Roman sehr gut rüber.
Ich finde, dass die Autorin einen perfekten Schreibstil für dieses Buch wählt. Man spürt, dass sie sich intensiv mit dem Thema Stasi beschäftigt hat, das sie im Ort und in der Umgebung recherchiert hat und das sie die DDR kennt. Zahlreiche Ausdrücke bekunden die DDR-Kenntnis.
Einerseits humorvoll geschrieben, aber mit nicht nur zaghafter, sondern großer ironischer Art und Weise, beschreibt dieser Roman einen Abschnitt im Leben der Protagonistin Mel in einer Zeit im Sozialismus in der DDR - in den 80 Jahren - die noch in vielen Köpfen von uns "Ossis" ist.
Ich finde es großartig, wie die Autorin die Liebe der beiden Menschen Sanchez und Mel zeigt ohne kitschig zu wirken. Sie lockert die Handlung auf und gibt Mel in all ihren schweren Momenten, die sie durchleben muss, die Kraft weiterzumachen.
Sanchez dagegen hat es nicht leicht, er sitzt sozusagen zwischen zwei Stühlen, die Stasi ist ihm auf den Fersen .....
kurze Leseprobe:
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Der Bus war voll und stank wie ein Raubtierhaus. Mels Blutarmut rächte3 sich. Ihr wurde übel. Doch die Kombination aus Augenverband und schwappendem Flaschenblut verschaffte ihr in kürzester zeit einen Sitzplatz. Nur ein Fahrgast kapierte nicht gleich und raunte: "Gibts Ketchup?"
Sie klemmte die lauwarme Flasche zwischen die neonbestrumpften Beine, setzte die Ameisenbrille auf, kramte das braunrote Nagellackfläschchen aus der Tasche und schickte sich an, ihre Nägel nachzupinseln.
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Man merkt hier, dass die Autorin mit zahlreichen erklärenden und bildhaften Adjektiven arbeitet, um Mel - die Hauptperson - zu beschreiben. Ebenso bildhaft kann man alle Details und Geschehnisse und die Gefühle der handelnden Personen nachvollziehen.
Das Buch liest sich von der ersten bis zu letzten Minute äußerst spannend. Eine sehr zu Herzen gehende Geschichte, die nicht positiv endet, wie es das Leben ja auch nicht immer (meist nie !) tut. Also ein Buch - wie es das Leben geschrieben haben könnte....
Ich empfehle das Buch sehr.