Originaltitel: Apache
Deutscher Titel: Massai, der große Apache
Produktionsland: USA
Premiere: 1954
Actors: Burt Lancaster, Jean Peters, John McIntire, Charles Bronson, John Dehner u. A.
Regie: Robert Aldrich
Bild: Farbe ok
Das ist ein sehr guter Film. Er steht auf der Seite der Indianer, weil er auf der Seite Massais steht.
Der Apache Massai, sowie Scout-Führer Al Sieber (John McIntire) haben wirklich gelebt, obwohl deren Geschichte im Film von der Realität abweicht. Trotzdem greift der Film tatsächlich geschehene Elemente aus dem Leben Massais auf, wie seine Flucht aus dem Deportationszug der nach Florida deportierten Apachenkrieger Geronimos, oder die Verschleppung des Indianermädchens, welches er sich zur Frau nahm.
Die Hauptbotschaft des Films besteht in der Aussage, dass ein bewaffneter Kampf, der keine Chance auf Erfolg hat, sinnlos ist, so mutig und couragiert er auch aussehen mag. Es müssen unbedingt andere Alternativen gefunden werden, damit man überlebt. Bei dem Film geht es um die Frage, wie zu überleben ist, in Würde und sozialer Integration.
Im Jahre 1886 ergibt sich Geronimo mit seinen letzten Kriegern der übermächtigen Armee. Einzig Massai (ein Bronco-Chiricahua-Apache) reitet selbstmörderisch den Gewehren der Soldaten entgegen. Dabei erschießt er einen Volksgenossen, der neben Geronimo die weiße Fahne in der Hand trägt. Dieser Mord zeigt deutlich, wie brutal und unerbittlich Massai anfangs eigentlich ist. Er setzt seine Brutalität auch später fort, indem er ein Indianermädchen entführt, von dem er sich irrtümlicherweise verraten wähnt. Jedoch ist ihm dieses Mädchen treu ergeben und sogar bereit, mit ihm zu sterben. Jean Peters in der Rolle der Indianerin spielt eindrucksvoll und trägt im Drama entscheidend bei zu einem langsamen, jedoch konsequenten Umdenken Massais. Diese weibliche Seite in der Frage nach einer guten Lebens-Alternative ist im Film sehr wesentlich und wandelt geduldig den kriegerischen Ingrimm Massais in einen sanften, schönen Charakter um.
Sein abgrundtiefer Hass gegen Weiße, wie auch die Verachtung gegen die domestizierten Indianer im Reservat, oder indianischen Armee-Scouts, weichen einer tieferen Einsicht in das Höhere, Existenzielle. Bemerkenswert die authentische Darstellung der Natives in der Reservation. Die Kamera fährt entlang der erbärmlich zusammengeflickten Hütten und zeigt die tiefe Armut und Trostlosigkeit der Indianer, wie kaum ein anderer Film jemals. Der Häuptling der Indianer im Reservat ein lethargischer Schatten seiner selbst, der den Halt nur im Griff zur Flasche sucht. Selbst die Indianerscouts haben durchlöcherte, rissige Lendenschurze, die man eher als Fetzen bezeichnen sollte. Die Stirnbänder zerfranst, notdürftig zusammengebunden... Darunter ein verhaltener Charles Bronson als Hondo, der in diesem Film eine äußerst undankbare und demütigende schauspielerische Aufgabe hat, da er einzig als passiver, angepasster Mitläufer agiert, ohne Profil, was jedoch wiederum der Authentizität jener Zeit nahe kommt.
Burt Lancaster ist großartig - glaubenswürdig vermittelt er den um eine Alternative ringenden Indianer, der sich zunächst mit der kollektiven Niederlage seines Volkes nicht abfindet und den Tod im Kampf sucht.
Er spielte ausgezeichnet einen Native bereits drei Jahre zuvor in dem biographischen Film - Jim Thorpe - All American (mehrfacher Olympiasieger in Athletik).
Auf seiner Flucht in seine Heimat begegnet er zunächst einem Cherokee-Farmer, der ihm anratet, ein friedliches Leben zu führen als Farmer und ihm ein Säckchen Saatgut zum Maisanbau mit auf den Weg gibt.
Später nach der Entführung seiner zukünftigen Frau, lernt er durch ihr Beispiel zu erkennen, dass sein Kampf nicht nur aussichtslos, sondern sinnlos ist. Winters in der Wildnis zurückgezogen jagt er mühsam mit Pfeil und Bogen, weil ein Gewehrschuß die Verfolger anlocken könnte. Er muß mit seiner schwangeren Frau hungern und darben, wissend, dass er so nicht überleben kann. Die Auszehrung nagt an ihm, die Tatsache, dass er ein ewig Verfolgter und Flüchtender ist. Er begreift, dass er so nicht weiterleben kann.
Nach dem Winter bringt seine Frau ein größeres Säckchen Saatgut für Maisanbau, das sie bei einem Handelsposten entwendete und zeigt es dem überraschten Massai. Zunächst zögert er, sich damit zu befassen. Immer ist es die Frau, die ihn für friedliche Innovationen gewinnt. Dann bastelt er einen Pflug und zieht ihn mit eigener Kraft. Die erste Furche ist gelegt. Schließlich legen er und seine Frau die Samenkörner in die Furchen. Der Mais wächst hoch, doch die Weißen haben die Spur aufgenommen, die ihnen von Massais Frau unabsichtlich gelegt wurde. Mutig stellt er sich zum Kampf, wird verwundet und schleppt sich zum Maisfeld, in dem er sich versteckt. Als er das erste Weinen seines Neugeborenen hört, wendet er sich nach der Hütte und geht ihr hypnotisiert entgegen. Die Soldaten lassen ihn unbehelligt in ein neues, friedliches Leben schreiten, wissend, dass ein Maispflanzer keinen Krieg im Sinn haben kann.
Der gute, schöne Schluß hat Sinn. Er stellt gleichsam die Frucht von Massais Wandlung dar. Da er innerhalb der ganzen Geschichte eine heilsame Katharsis erfährt, ist es schlüssig, dass ihm das Ende einen friedlichen Lebensfortgang schenkt.
Es gibt in dem Film tolle, rührende Szenen, die ihn eher zu einem historischen Drama, denn zu einem Action-Western machen, wie zB. die Meute der Indianerkinder, welche dem davongefahrenen Zug mit den gefangenen Indianern nachlaufen. Eine kurze Szene, jedoch sehr berührend.
So gesehen ein würdiger, humaner, sozial und ethnisch engagierter Beitrag zur Völkerverständigung.