Mass Effect (ME) ist eines der besten Spiele, das ich je gespielt habe und der erste Teil einer absolut süchtig machenden Trilogie. Wer nicht alles lesen will, ich werde am Schluss die wichtigsten Pros und Kontras zusammenfassen.
== Story, Graphik und Sound ==
Man kann die Story von ME eigentlich nur mit einem Wort beschreiben: genial. BioWare hat ein sehr detaillreiches und -verliebtes Universum erschaffen, das in sich logisch ist: 2148 entdeckt die Menschheit unter dem Südpol des Mars Überbleibsel der längst vergangenen Zivilisation der Prothean. Diese waren technologisch viel weiter fortgeschritten als die Menscheit und so lernt selbige von der Existenz des bis dato unbekannten Elements "Element Zero" (auch Eezo genannt). Mit diesem Element und dem durch die Prothean-Artefakte gefundenen Mass Relay, das die Menscheit zuvor für Plutos Begleiter Charon gehalten hat, weil es völlig von einer Eisschicht überzogen war, können gigantische Distanzen in kürzester Zeit überwunden werden. Und so findet die Menschheit heraus, dass sie nicht allein in der Galaxie ist...
ME spielt nun 34 Jahre nach diesen Ereignissen und nachdem die Menschheit so ihre Schwierigkeiten hatte, sich in der galaktischen Gesellschaft zurecht zu finden, geht es zwar friedlich zu, völlig vertraut wird den "Neulingen" in der Galxie aber noch nicht. Commander Shepard soll die Gelegenheit nutzen, die der Council der Citadel (die übergeordnete Regierung einiger Rassen, die sich zusammengeschlossen haben, so ähnlich wie die EU) anbietet, und ein Kandidat für die Spectre werden, die Eleiteeinheit des Council. Das würde dem Ansehen der Menschheit gut tun. Bei der Mission, die seine Eignung für diese Truppe prüfen soll, geht aber so ziemlich alles schief und Shepard wird in einen Konflikt hineingezogen, dessen Auswirkungen und Hintergründe für Shepard lange im Dunkeln bleiben, das einzige was er sicher weiß: es hat mit den Prothean und ihrem plötzlichen, unerklärlichen Verschwinden vor 50.000 Jahren zu tun...
Die Story ist perfekt erzählt: rudimentäre Hintergründe um die Entdeckung des namensgebenden Mass Effect und der galaktischen Gesellschaft werden erläutert, das wird aber schön kurz (und kurzweilig) gehalten, wer aber mehr wissen will, kann den sich im Laufe des Spiels füllenden Codex zu Rate ziehen, der sehr ausführlich ist. Es gibt einige unerwartete Wendungen in der Geschichte und man fiebert richtig mit und will wissen, was als nächstes passiert. Ich war völlig an den Bildschirm gefesselt, das Universum und die Story haben mich einfach komplett in ihren Bann gezogen, das habe ich wirklich nur selten erlebt, einfach phantastisch. Auch die Integration der biotischen Fähigkeiten (so zu sagen die "Magie" dieses Universums) wird durch Element Zero sinnvoll erklärt.
Da ME nun schon 4-5 Jahre auf dem Buckel hat, sollte man natürlich keine Skyrim-Graphik erwarten, aber sie ist trotzdem noch sehr schön. Damals fand ich die Graphik ausgezeichnet. Toll ist auch der Charaktereditor, mit dem das Aussehen und Geschlecht seines Shepards bestimmt werden kann, wem das zu aufwendig ist, wählt einfach das Standardaussehen.
Der Soundtrack ist einfach super und sorgt genau für die richtige Stimmung. Zu dem Gänsehautgefühl von ME trägt aber auch die ausgezeichnete englische (!) Synchronisation bei, die deutsche ist meiner Meinung nach zu monoton und gefühlsarm.
== Dialoge und Crew ==
DAS herasuragendste Merkmal von ME ist die Entscheidungsfreiheit, die mit einem ausladenenden Dialogsystem daherkommt. Wenn man denn will, kann man sehr viel mit vielen Leuten reden und so viel über das Universum, aber auch die einzelnen Personen erfahren. So wachsen einem seine Crewmitglieder, die man im Laufe der Geschichte rekrutiert, richtig ans Herz (außer vielleicht Ashley, die war mir immer unsympathisch :-)). Es kann zwischen drei Grundausrichtungen gewählt werden - Paragon, Renegade oder neutral - oder einfach wild alles miteinander kombinieren. Als Paragon ist man der Held, der kein Unrecht duldet, als Renegade ist nur das Ziel wichtig, wer zwischendurch auf der Strecke bleibt, ist Kollateralschaden. Dadurch kann man seinen Shepard schön individualisieren und baut so eine gewisse Beziehung zu "seinem" Shepard auf. Weitreichende Entscheidungen, ob man jemanden tötet oder hilft, jemanden vertraut oder nicht, sind so an der Tagesordnung und beschert einem ein sehr persönliches ME. Absolut genial. Die Dialoge dabei sind sehr gut geschrieben und sehr unterhaltsam, das hat BioWare sehr gut gemacht. Die Interaktion mit der Crew geht so weit, dass man mit bestimmten Mitgliedern sogar Romanzen anfangen kann.
Dadurch ist auch der Wiederspielwert sehr hoch, da man andere Entscheidungen ausprobieren möchte.
== Ausrüstung und Inventar ==
Ach ja, das Inventar... das hat mir nicht gut gefallen an ME1. Man findet wirklich sehr, sehr viele Waffen und Modifikationen für selbige, das Inventar ist aber irgendwann voll, was dafür sorgt, dass man meistens 90% des Zeugs einfach verkaufen muss oder es in Omnigel umwandelt, mit dem man hauptsächlich irgendwelche Sachen repariert oder überbrückt (s.u.). Das ist sehr nervtötend, denn das Zeug, was man findet, ist meistens deutlich schlechter, als die Waffen und Rüstungen, die man schon hat. Sie kommen nämlich gelevelt daher (I bis X) und wenn man schon ne Waffe Level VIII hat und dann die gleiche auf Level III findet... nicht so toll. Außerdem sehen die Waffen bis auf die Farbe alle gleich aus, egal welcher Hersteller und die meisten sind auch ziemlich schlecht. Zudem sind die Specrtewaffen, die man kaufen kann, mit Abstand die besten Waffen, Abwägen zwischen Vorzügen der einen oder der anderen Waffe gibt es nicht. Ab der Hälfte des Spiels hatte ich die für Shep, dann hab ich nur noch alles verkauft. Shotguns sind in ME auch viel zu stark, die machen auf jede Entfernung sehr viel Schaden und treffen auch sehr genau. Somit war jeder Spieldurchgang recht ähnlich ab dem Zeitpunkt, ab dem man die Spectre-Shotgun hatte, egal welche Klasse: einfach draufhalten. Etwas langweilig.
Dafür kann man seine komplette Truppe ausrüsten: je nach Rasse kann entweder light, medium oder heavy Armor ausgerüstet werden, bei Sheprad abhängig von der Klasse. Jeder kann alle Waffen ausrüsten, aber unterschiedlich gut benutzen. Bioten und Techniker können zusätzlich Biotic Aps oder Omni-Tools ausrüsten, um ihre Fähigkeiten zu verbessern.
== Händler, Manufacturers und Spectre-Waffen ==
Man findet aber nicht nur tonnenweise Items, man kann sie auch kaufen. In jedem der drei Häfen, in denen man landen kann, gibt es einen oder mehrere Händler und auf der Normandy (Shepards Raumschiff) selber auch einen. Deren Inventar ist leider zufällig, was die Suche nach einem bestimmten Item ziemlich aufwendig macht, es wird aber durch bestimmte Bedingungen wieder neu bestückt.
Die Wahrscheinlichkeit, mit der ein bestimmtes Item erscheint, kann aber etwas beeinflusst werden und zwar durch die Wahl der Manufacturers. Bei verschiedenen Händlern kann ich Lizenzen für Verschiedene Waffen- und Rüstungshersteller (das sind die Manufacturers) erwerben, deren Items dann im Inventar des Normandy Requisition Officers (= NRO, der Händler der Normandy) auftauchen. Je weniger von diesen Lizenzen ich erwerbe, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, Items von einer der erworbenen Lizenzen angeboten zu bekommen. Deswegen sollte man sich gut überlegen, welche Hersteller man haben möchte. Lizenzen können erst ab verschiedenen Leveln gekauft werden, daher ist die Qualität der in der Lizenz erhaltenen Items sehr unterschiedlich (Eine Lizenz, die ich erst mit Level 36 haben kann, hat natürlich bessere Items als eine, die ich schon auf Level 5 haben kann). Lizenzen werden nicht übertragen, wenn ich ein New Game + starte, also kann man im ersten Durchgang etwas rumprobieren. Die Items, die in der Lizenz enthalten sind, werden nämlich leider nicht angezeigt. Im New Game + kann man dann besser sortieren: ich persönlich erwerbe immer nur 3 bestimmte Lizenzen.
Die Spectre-Waffen kann man nur an zwei Orten erwerben, beim NRO und beim C-Sec Requisition Officer in der Citadel (beides erst durch das Achievement „Rich“). Diese Waffen sind immer auf Level VII, erst ab Level 50 hat man Zugriff auf Level X Spectre-Waffen, die mit Abstand die besten Waffen im Spiel sind.
== Klassen und Skills ==
Shep kann zwischen 6 Klassen wählen: die drei Grundklassen Soldier (Kämpfer), Adept (Biot) und Engineer (Techniker) und deren Mischungen Infiltrator (Kämpfer + Techniker), Sentinel (Techniker und Biot) und Vanguard (Biot + Kämpfer). Shepard kann dadurch unterschiedliche Rüstungen ausrüsten, verschiedene Waffengattungen unterschiedlich gut benutzen und andere Fähigkeiten einsetzen. Durch die oben angesprochenen Spectrewaffen-Thematik, spielen die sich aber nicht sooo unterschiedlich. Schade. Gut ist aber, dass durch eine bestimmte Quest diese Klassenfähigkeit nochmals individualisiert werden kann.
Biotische und Tech-Fähigkeiten sind nicht sehr zielgenau und deswegen teilweise nicht so gut oder sehr unterschiedlich gut. Pro Klasse gibt es 8 Fähigkeiten plus 4 allgemeine Skills, die Shepard immer hat: Spectretraining, Intimidate, Charm und die passive Klassenfähigkeit.
Lesen Sie weiter... ›