Einen Monat nach dem Untergang der Normandy und dem Ende Commander Shepards hat sich dessen ehemalige Crew scheinbar zerstreut und neuen Aufgaben zugewandt. Doch einer lässt Shepards "Tod" keine Ruhe. Liara T'Soni hat sich deshalb auf den Weg nach Omega begeben, um dort Informationen über den Verbleib von Shepards Leichnam zu sammeln. Doch schon kurz der Ankunft auf Omega muss Liara feststellen dass in den Terminus Systemen nach anderen Regeln gespielt wird. Und als sich ihr und ihrem Informanten schließlich auch noch Blue Suns Söldner an die Fersen heften ist klar dass Liara ins Visier größerer Mächte geraten ist. Der Shadow Broker hat ein Auge auf Commander Shepards Überreste geworfen und verfolgt Liaras Suche mit Argwohn. Nicht jedoch aus originär eigenem Interesse, sondern weil ihm die Kollektoren ein Angebot unterbreitet haben, das er nicht ausschlagen kann. Um das was von Shepard noch übrig ist retten zu können muss sich Liara schließlich sogar mit Cerberus und dem "Unbekannten" zusammentun...
Als Tie-in zu Mass Effect 2 kommt ERLÖSUNG gewiss etwas spät, doch tatsächlich noch rechtzeitig für den DLC Versteck des Schadow Broker (original "The Lair of the Shadow Broker"). ERLÖSUNG erzählt nämlich wie Liaras Vendetta mit dem wohl mächtigsten Informationsbroker und Hehler der Galaxis ihren Anfang nahm. Des weiteren soll ERLÖSUNG auch die Lücke zwischen Mass Effect 1 und 2 schließen, indem geklärt wird wie Shepards Leichnam in den Besitz von Cerberus gelangen konnte. Nun hätte man annehmen können Cerberus wäre einfach schneller als alle anderen zur Stelle gewesen, doch ERLÖSUNG zeigt dass dem nicht der Fall war und auch die Kollektoren durch Mittelsmänner am Kampf um Shepards Überreste bereits aktiv teilgenommen haben.
Doch Erlösung beschäftigt sich nicht bloß mit einer actionreich ausstaffierten Schnitzeljagd nach Shepards Körper, sondern auch damit wie aus der Archäologin Liara die verbitterte Informationsmaklerin werden konnte, die in Mass Effect 2 ihren Kleinkrieg gegen den Shadow Broker führt. Hier liegt sie also vor uns, diese offene Rechnung, die Liara zu begleichen versucht. Sind sich Mac Walters, von dem die Idee zur Handlung stammt, und Drew Karpyshyn, der in den Mass Effect Romanen schon Hinweise auf die Handlung des nächsten Spiels versteckt hat, in ihrem Denken ähnlich, so könnte Erlösung enthüllen dass die Reaper es in Mass Effect 3 auf Shepard abgesehen haben könnten.
Der Comic für sich begeistert vor allem dank der Zeichnungen von Omar Francia (Star Wars: Legacy) und dem temporeichen Skript John Jackson Millers (Star Wars: Knights of the old Republic, Knight Errant, Lost Tribe of the Sith). Millers Wahl mag dabei kein Zufall sein, denn er war es der die 50 Hefte umfassende Comic-Serie zur Vorgeschichte von Knights of the old Republic (beim gleichnamigen Game war Mac Walters Mass Effect-Kollege Drew Karpyshyns der Senior Writer) geschrieben hat, währenddessen ist sein Zeichner-Kollege Omar Francia bei der in den USA höchst erfolgreichen Reihe Star Wars Legacy zeitweise als Vertretung der legendären Jan Duursema eingesprungen.
Aber um auf den Comic zurückzukommen, Erlösung hätte für deutlich mehr Aufsehen gesorgt wäre der Band vor Mass Effect 2 veröffentlicht worden. Denn aktuell ist trotz des Versprechens Teil 3 noch in der aktuellen Konsolengeneration nachzuliefern, am Horizont noch kein neuer Mass Effect-Titel absehbar. Zudem ist die Handlung deutlich auf Mass Effect 2 bezogen, während Drew Karpryshyns dritter Mass Effect Roman VERGELTUNG eindeutig dem Brückenschlag zum großen Finale im Kampf gegen die Reaper dient. Dafür bekommt man erstmals einen Eindruck vom Shadow Broker, den Verstrickungen der Kollektoren und schlussendlich wie sich die durch sie die Reaper mit manchen kriminellen Organisationen eingelassen haben, um unentdeckt ihren Masterplan zu verfolgen. Interessante Details am Rande sind wohl die Gastauftritte Omegas, Arias, des Unbekannten und Mirandas. Freilich, nach den kinoreifen Animationen des Spiels kommen die Zeichnungen Omar Francias nicht mehr ganz an diesen Glanz heran, doch der Legacy-Zeichner beweist dass er sich davon nicht abschrecken lässt. Irritierend ist da höchstens dass das "Afterlife" mit "Jenseits" übersetzt wurde. Kleine ärgerliche Übersetzungsfehler, die nicht hätten passieren dürfen weil das Spiel ja längst veröffentlicht ist. Preislich lohnt sich hier auch der Griff zur deutschen Ausgabe, denn das US-Original ist nur unwesentlich günstiger zu haben.
Wem ERLÖSUNG bereits gefallen hat der darf sich 2011 auch auf EVOLUTION freuen, wo Mac Walters, John Jackson Miller und Omar Francia sich in einem Prequel dem Vorleben des Unbekannten widmen werden und ausgehend vom Erstkontaktkrieg dessen Entwicklung nachzeichnen wollen.
Fazit:
Für Fans eindeutig empfehlenswert.