Mass Effect 2 (im weiteren ME2 benannt) ist für mich eines der besten und fesselndsten Spiele, die ich bisher gespielt habe. Ich liebe Mass Effect auch, aber Teil 2 ist einfach etwas besser, weil BioWare viele Kritikpunkte ausgemerzt hat. Wer keine Lust hat alles zu lesen, am Schluss werde ich die Pros und Kontras zusammenfassen. Ich habe das Spiel mit der englischen Sprachausgabe gespielt, weil diese einfach viel besser ist als die deutsche, deswegen verwende ich auch die englischen Namen.
== Story und Graphik==
Eine Zusammenfassung befindet sich ja bereits bei der Produktbeschreibung von Amazon, darauf werde ich also nicht weiter eingehen.
Die Geschichte ist toll erzählt und packend in Szene gesetzt, es entsteht eine fesselnde, dichte Atmosphäre, nicht zuletzt auch durch den tollen Soundtrack und die sehr gelungene Synchronisation (zumindest im englischen :-)). Kenner des ersten Teils sind dabei im Vorteil, "Neulinge" werden wohl einige Begebenheiten wie den Angriff der Geth auf die Citadel im Codex nachlesen müssen, auf den über das Menü zugegriffen werden kann. Aber keine Angst, auch diese Leute werden ME2 verstehen und ihre Freude daran haben. Ein Endspielstand von ME1 kann importiert werden (Aussehen, Entscheidungen etc. werden übernommen), was mehrere Anspielungen (größere und kleinere) oder geänderte Dialogoptionen zur Folge hat. Dies ist meiner Meinung nach eines der besten Features, die sie in ME2 eingebaut haben. Dadurch sind die beiden Teil richtig miteinander verwoben und die Leute erinnern sich in ME2 was man in ME1 gemacht hat, positive und negative Entscheidungen.
Der Nachteil ist, dass die eigentliche Hauptstory insgesamt wesentlich kürzer ist als in ME1, da man zu 70% damit beschäftigt ist, sein Team aufzubauen. Die einzelnen Charaktere sind aber sehr liebevoll und die Rekrutierungsmissionen so ansprechend und abwechslungsreich gestaltet, dass ich - obwohl man nicht viel Neues über Reaper und Protheans erfährt - trotzdem an den Bildschirm gefesselt war. Außerdem ist die Story, die nichts mit Rekrutierungen zu tun hat, genauso packend wie im ersten Teil, nur eben leider weniger. Das Ende ist gewohnt episch. Dabei ist sogar das Timing wichtig, davon möchte ich jetzt aber nichts spoilern.
Graphisch kann man über das Spiel kaum meckern, sowohl Mimik und Gestik der Charaktere sind ausgezeichnet, als auch die Inszenierung. Während man sich mit seinen Leuten unterhält, bewegen sie sich, wenn sie z.B. gerade aufgeregt sind, laufen sie herum, oder rutschen sich auf dem Stuhl zu Recht, die "Kameraperspektive" ändert die Winkel etc. Dadurch wirkt alles sehr lebendig und realistisch. Zudem wurden auch unterschiedliche Baustile für die verschieden Rassen eingeführt. In ME1 sahen alle Bunker und Raumschiffe gleich aus, egal wem sie gehörten.
Einzig zu bemängeln gäbe es, dass in ein paar wenigen Dialogen ein schwarzer Rahmen um die Untertitel war. Deswegen waren sie immer noch einwandfrei zu lesen, störten aber etwas das Gesamtbild. Aber das kam nur selten vor.
== Dialoge und Paragon/Renagade-System ==
Wie bereits erwähnt ist die englische Synchronisierung ausgezeichnet und trägt so viel zum Vergnügen der Dialoge bei.
Die Texte an sich sind toll geschrieben, besonders die Dialoge mit Joker sind unglaublich lustig, daneben gibt es aber auch sehr ernste und traurige z.B. mit Thane oder Samara. Diese Mischung ist BioWare sehr gut gelungen. Praktisch ist auch, dass Dialoge mit der Leertaste übersprungen werden können. Wenn man also mal geladen hat, muss man nicht, wenn man nicht will, den kompletten Dialog nochmal anhören.
Neu ist das Unterbrechungssystem, das in bestimmten Dialogen vorkommt, dabei gibt es sowohl Paragon- also auch Renegade-Unterbrechungen. Sie sind optional, ich kann das Gespräch also einfach weiter fortführen, oder abkürzen. Gut ist, dass diese Aktionen nicht vom Paragon- oder Renegade-Wert abhängen, man kann also als Paragon auch Renegade-Aktionen machen v.v. Weitere Abwechslung und Personalisierung seines Charakters sind so möglich. Spezielle Paragon- (in ME1 Charm) und Renegade-Antworten (in ME1 Intimidate) können jedoch nur abhängig vom jeweiligen Paragon/Renegade-Wert gegeben werden, es gibt nur kein extra Skill mehr dafür (s. Skills) wie in ME1.
Die Entscheidungsmöglichkeiten haben dabei zum Teil große persönliche Auswirkungen sowohl für NPCs als auch die eigenen Crewmitglieder, man hält oft das Leben (wörtlich und bildlich) seines Gegenübers in der Hand. Dies führt dazu, dass der Wiederspielwert sehr hoch ist, da man andere Entscheidungen ausprobieren möchte.
== Inventar, Waffen und Rüstungen ==
Wahrscheinlich einer der größten Streitpunkte. Es gibt kein Inventar mehr. Ich sammle gern Sachen auf und bin absolut für ein Inventar, aber in ME1 hat's einfach nur genervt. Es war chronisch voll mit viel schlechteren Waffen und Mods als man ohnehin schon hatte, so dass man ständig den ganzen Schmodder verkaufen musste. Da ist mir keins wie hier lieber. Man sammelt Upgrades auf und wertet auf der Normandy dann alle Waffen eines Typs damit auf. Ich hätte eine Mischung gut gefunden: kleineres Inventar, dafür keine Kessler III finden, wenn man schon eine Volkov VII hat.
Upgrades gibt es jetzt auch für die Normandy, manche sind sogar essentiell, wenn man ME2 überleben möchte, ein sehr nettes Feature.
Es gibt keine Omnitools mehr zum Ausrüsten, das ist mir aber egal, ich konnte in ME1 nie einen echten Unterschied zwischen den Tools feststellen. Die Crew und Shepard können insgesamt weniger Waffen ausrüsten, aber letztendlich haben die Teammitglieder in ME1 auch nur mit 2 Waffen geschossen. Nur die Soldierklasse kann weiterhin alle Waffen benutzen. Man findet nur ca. 3 - 5 verschiedenen Waffen von einem Typ und rüstet dann auf der Normandy oder an Waffenschränken, die über die Level verteilt sind, die Waffen aus, die man will. Sie unterscheiden sich in Schussanzahl bis zum Nachladen, Präzision und Schaden, also wie in ME1. Es gibt aber keine Zahlenanzeige mehr für diese Werte, man muss die Waffen ausprobieren. Ich finds gut, es macht Spass rauszufinden, welche Waffe zu seinem Spielstil passt, als einfach nur langweilig die Zahlen abzulesen. Das kann ja jeder :-). Die Waffen sehen dafür auch viel unterschiedlicher aus und haben nicht einfach nur eine andere Farbe. In ME1 brauchte man nur die Spectrewaffen, die auf lächerlich weite Entfernungen unglaublich viel Schaden gemacht haben. Langweilig. Ein paar mehr unterschiedliche Waffen wären aber trotzdem schön gewesen.
Rüstungen gibt's für die Crew keine mehr, dass finde ich sehr schade, ich rüste meine Truppe gerne aus, was Miranda und Jacob und v.a. Jack in den Kampf tragen ist nicht grad eine Rüstung. Es kann nur zwischen zwei Farben für deren Klamotten gewählt werden, nachdem sie loyal sind (s. unten). Dafür kann man die Rüstung von Shepard schön verändern. Sie ist unterteilt in Arme, Beine, Torso, Schultern und Helm. Die einzelnen Teile dafür, die man kaufen kann, können dann frei kombiniert werden und die Rüstung sieht trotzdem gut aus, weil ein allgemeines Aussehen eingestellt werden kann (Farbe, Muster, Material...). Zudem kann ich so mehrere Effekte stärken, hier etwas mehr Schilde, da etwas mehr Extramunni etc. Sehr individuell.
== Klassen, Skills und Erfahrung ==
Es gibt sehr viel weniger Skills als in ME1, Shepard hat 5 plus eine passive Fähigkeit der Klasse plus eine Loyalitätsfähigkeit seiner Mitglieder also 7. Die Crewmitglieder haben nur 2 plus eine passive persönliche Fähigkeit plus eine Fähigkeit, die freigeschaltet wird, nachdem die Loyalitätsmission abgeschlossen wurde, also 4. Völlig wegrationalisiert wurden die Skills Decrypt und Electronics. Das finde ich sehr gut, weil es mich in ME1 genervt hat, gezwungen zu sein, nicht nur Punkte in diese Skills zu setzten, die ich lieber in Kampffertigkeiten gesteckt hätte, sondern man musste dann ja auch dieses entsprechende Mitglied immer mitnehmen. Hier kann das Shepard selber, es ist kein Skill nötig. Es gibt 2 unterschiedliche Minigames, eins für Hacking und eines für Bypass, die ich ganz nett finde. Ebenfalls fehlen die Skills für Intimidate und Charm, da diese in ME2 einfach direkt proportional mit dem Paragon/Renegade-Wert zusammenhängen. In ME1 konnte man auch nur so viele Punkte reinstecken, wie hoch der jeweilige Paragon/Renegade-Wert war. Die Waffenskills fallen auch weg, das ist etwas schade.
Die Skills, die da sind, können viermal aufgewertet werden, auf der vierten Stufe kann zwischen 2 Versionen entschieden werden.
Warum ist es jetzt eigentlich nicht unbedingt ein Schaden, dass es so wenige Skills gibt? Weil im Unterschied zu ME1 die Skills nur abhängig voneinander benutzt werden können: benutze ich eine Fähigkeit, kann ich die anderen ebenfalls für die Dauer des Cooldowns der benutzen Fähigkeit nicht anwenden. In ME1 war das nicht so. Man muss sich also besser überlegen, welche Fähigkeiten man benutzt und kann nicht einfach wahllos alles raushauen was geht. Da muss man schon mehr den Kopf einschalten.
Die biotischen Fähigkeiten wurden aufgewertet, sie sind jetzt stärker und haben teilweise ein Zielsuchverhalten. In ME1 gingen sie oft daneben, so dass ich irgendwann einfach nur noch mit meiner Waffe geschossen habe.
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