Celi scheidet meist die Geister: natürlich sollten strenge "Historiker" diesen Mitschnitt besser meiden, hier wird natürlich im Stil der 50er/60er Jahre ohne jede Kenntnisnahme musikwissenschaftlicher Erkenntnisse der -damals- zurückliegenden 25 Jahre gespielt, dazu das meiste recht langsam - aber wie ! Solche Perfektion in Phrasierung und Intonation hört man sonst wirklich selten, vorbildlich der Münchner Philharmonische Chor, hier scheint sehr intensiv geprobt worden zu sein ! Außerdem wird hier eine geistige Durchdringung erreicht, die den Hörer immer wieder fast "hineinsaugt" in das Werk. Hochinteressant, wie Maestro C. z.B. das Crucifixus als Trauermusik, als Memento schockierten Mitleidens auffasst, so etwa das Gegenteil z.B. zu Fasolis, der das Entsetzen der Kreuzigung illustriert - schwer zu sagen, wer da "recht" hätte.
Die Solisten: Die Damen ausgezeichnet, Schreier ok, Scharinger und Windmiller unterdurchschnittlich und teilweise wirklich schlampig. Untypisch für Celi: Die Soloinstrumente sind meist viel zu laut, grob und teilweise schreiend forciert, und das liegt hörbar nicht nur an der Tontechnik. Auch die insgesamt eher einförmige Artikulation ist man eigentlich von Celibidache nicht gewöhnt, aber in der Reihe der "traditionell" musizierten Aufnahmen ist diese sicher eine der bedeutendsten, so bekenntnishaft ist sonst nur Richter, so perfekt niemand anders. Schön dass man hier des Meisters Wunsch nicht Folge geleistet hat und die Konserve veröffentlicht hat, gegen die er im Allgemeinen so wetterte. Hier hört man auch durch die Zeiten seine Größe - und die Bachs. Vielleicht hätte er ja doch knurrend zugestimmt, wie manchmal, wenn man ihn zur Inkonsequenz verleitete.