Aralorn, uneheliche Tochter des mächtigen Löwen von Lambshold, ist nicht bereit, das beengte Leben einer Adligen zu führen. Sie verläßt das Königreich Reth und verdingt sich im nahen Sianim als Söldnerin und Spionin. Während eines Einsatzes befreit sie einen Wolf aus einer tödlichen Falle. Der verschlossene Einzelgänger läßt sie nur langsam an sich heran, taucht aber immer wieder auf, wenn es für sie brenzlig wird. Als der Prinz von Reth von einem machtgierigen Magier bedroht wird, steht mehr auf dem Spiel, als Aralorn geahnt hätte...
Aus dem Vorwort geht hervor, daß die ursprüngliche Fassung von "Masques" das erste Buch der Autorin darstellt, das vor etwa 20 Jahren veröffentlicht und in geringer Auflage verkauft wurde. Die überarbeitete Version trägt inmitten des traditionellen Fantasy-Settings mit Zauberern, Drachen, bedrohten Prinzen und mythischen Waffen durch die Gestaltwandler, die im Mittelpunkt der Handlung stehen, deutlich die Handschrift der Autorin. Die Hauptfiguren sind gut gezeichnet und überzeugen durch ihre Charakterisierung: Aralorn fällt ihre eigenen Entscheidungen, verabscheut die Oberflächlichkeit und Verlogenheit des Hoflebens, und ist bereit, für ihre Überzeugungen zu kämpfen und ihr Leben zu riskieren - auch wenn ihre Fähigkeiten als Schwertkämpferin eher durchschnittlich sind. Sie liebt Geschichten und nimmt sich auch inmitten eines Rebellenlagers die Zeit, Kindern etwas zu erzählen, um sie von ihrem Kummer abzulenken. Wie sie das Vertrauen des verschlossenen, von seiner Vergangenheit gezeichneten Wolf gewinnt und ihn ohne großes Aufhebens auch mit seinen dunkleren Seiten akzeptiert, ist wunderbar erzählt und übt seinen ganz eigenen Zauber auf den Leser aus. Von Wolf mit seiner geheimnisvollen Vergangenheit, den Masken, hinter denen er sich verbirgt, und seinen geheimgehaltenen Fähigkeiten, seinem Zurückschrecken vor Nähe und wie er doch nicht länger von Aralorn fernbleiben kann, kann man gar nicht genug bekommen.
Die Geschichte wird von der sich entwickelnden Beziehung der beiden Hauptfiguren und ihren Kämpfen miteinander und umeinander getragen, so daß manche vorhersehbaren Wendungen und Elemente des Plots nicht wirklich ins Gewicht fallen.
Wer Briggs' Gestaltwandler-Geschichten mag, könnte an "Masques" ebenfalls Gefallen finden. Allerdings sollte man keine frühe Mercy Thompson erwarten; die Fantasy-Elemente erinnern manchmal eher an "Dragon Bones", was mir gut gefallen hat.
Die Fortsetzung "Wolfsbane" soll diesen Herbst erscheinen.