The Masquerade Overture
(1996 - Barrett, Gee, Nolan, Smith)
Das Album beginnt mit recht ungewöhnlichen Tönen - nämlich sehr opernhaft. Ein synthetisches Orchester spielt und dann setzt der italienische Chorgesang ein. Ein wunderbar anders gestalteter Einstieg in ein großartiges Album.
Nick Barrett komponiert auch hier gefühlvolle Lieder, die Refrains sind sehr eingängig - Härte gibt es wieder mal nicht - aber die Virtuosität der Musik und Arrangements sind einfach ein Genuß.
Mir gefällt das unverzerrte Gitarrenspiel von Barrett sehr und Clive Nolans Keyboardsolos klingen zwar anders als bei "Arena" sind aber sehr schön geraten.
Refrains zum mitsingen gibt es bei "Good as gold", es klingt sehr fröhlich und frisch und verbreitet eine gute Laune dabei. Progressiver geht es dann bei "Paintbox" zu, das in der Mitte einen größeren, keyboarddominierten Instrumentalteil hat.
Wirklich mißlungen hingegen (genauso wie die anderen Lieder gelungen sind) ist dagegen das sehr kurze "Pursuit of excellence", wo Barretts Gesang einfach übefordert wirkt, auch klingt das ganze Lied recht schräge. Einfach wegprogrammieren und man hat ein wundervolles Album...
"Guardian of my soul" läßt einen auch ganz schnell wieder den vorherigen Horrorpart vergessen, es beginnt diesmal überraschend rockig, dann setzt die eher gefühlvolle Tonart von Barrett ein und es gibt ein ca. 13-minütiges Lied mit vielen Stimmungswechseln und eingestreuten Instrumentalparts, die mal die Gitarre, mal Nolans Keyboard bestreiten.
"The Shadow" ist zumeist eher sinnlich, stellenweise auch leise. Es beginnt allein mit Piano und synthetischen Geigentönen, dazu Barretts weicher Gesang, um dann allmählich leidenschaftlicher zu werden. Es fehlt auch ein schönes Gitarrensolo nicht.
Der Höhepunkt für mich auf diesem Album ist aber "Master of Illusion", es beginnt mit einer sehr netten, schwungvollen Melodie in bekannter Pendragon-Manier, bietet aber über die gesamte Länge auch viel musikalische Abwechslung dabei, so daß bei den knapp 13 Minuten des Liedes immer etwas neues geboten wird. Und am Ende gibt es ein dreiminütiges Gitarrensolo von Barrett, das mir bisher am besten von all seinen Soli gefällt, durchaus leidenschaftlich, nicht so hart und mitreißend wie z.B. bei Arenas "The Visitor" aber mit ebensoviel Gefühl und Hingabe gespielt und einfach ein Genuß.
Bei der Erstauflage des Albums gab es auch eine Bonus-CD mit vier Liedern, die ersten beiden davon Singleversionen von "As good as gold" und "Master of Illusion" - beide sind nicht weiter erwähnenswert, da die langen Versionen auf CD1 ja schon vorhanden sind. Radiotauglich sind beide Singles durchaus, aber die progressiven Elemente bleiben bei der Kürze natürlich auf der Strecke.
Erwähnenswert sind die beiden echten Bonustracks "Schizo" und "The King of the castle", das eine Fortsetzung zu "The Shadow" bildet und dabei ein wunderbarer "Entangled"-Clone geworden ist. Wer das Lied von Genesis kennt und dann den instrumentalen Schlußteil von "The King..." hört, weiß, was ich meine. Das Lied ist zwar keine Kopie, ähnelt aber doch sehr dem Original, es klingt dabei aber natürlich alles andere als schlecht und es gefällt mir sehr.
"The Schizo" ist ein netter Song, erreicht aber nicht ganz die Qualität der anderen Stücke auf dem Album.
Abschließend betrachtet ist "The Masquerade Overture" ein sehr gelungenes Progrock-Album mit netten Melodien, gefühlvollen Arrangements und komplexem Songwriting. Härte bzw. "Power" gibt es bei Pendragon zwar wie bei allen Alben auch hier so gut wie nicht, aber Nick Barrett beherrscht dafür wunderbar die zumeist etwas zarteren, filigraneren und manchmal auch etwas poppigen Klänge. Pendragon sind halt eine Progrockband, die eingängige Refrains durchaus in ihre Musik einfließen lassen. Mir gefällt es - wie schon bei "The Window of life" - sehr gut.