Diesen 1965 entstandenen Film halte ich persönlich für das beste Werk Godards. Er schafft es vortrefflich, die Stimmung der Jugend in den unruhigen Sechzigern einzufangen.
Interessante Charaktäre und eine dokumentarische Atmosphäre tragen den Film. Es wird sehr viel geredet, und das höchst anspruchsvoll, weswegen man schon ein wenig Geduld mitbringen muß, ehe sich der Film einem voll und ganz erschließt, aber das ist es wert.
Ist dies auch einer der ersten Filme Godards, die das typische Erzählkino zuweilen verlassen, mit sehr vielen politischen Bezügen, so darf man keine schwere Kost erwarten. Nein, der Film macht sogar Spaß.
Wie erwähnt, die ausgesprochen natürlich agierenden Darsteller wirken so wirklichkeitsnah, wie es nur eben geht, und es dreht sich um Politik, Philosophie, die Liebe, Musik und Kunst. Wunderbar.
Das dies so gut gelingt, liegt nicht zuletzt an den großartigen Hauptdarstellern, Jean-Pierre Leaud und Chantal Goya. Leaud, bekannt durch seine Rolle als Antoine Doinel in den Truffaut Filmen, ist in einer seiner besten Rollen zu sehen. Aber Chantal Goya ist eine große Entdeckung! Die damals erst 19 jährige Goya ist in ihrem Leinwanddebut zu sehen, ist eigentlich Sängerin und hat nur eine Handvoll Filme gemacht. Zum Superstar in Frankreich wurde sie, als sie ab den 70er Jahren Chansons für Kinder aufnahm. Dutzende ihrer Lieder kennt in Frankreich jeder! Vielleicht spielt sie gerade wegen ihrer schauspielerischen Unerfahrenheit die Rolle des Mädchens, das Sängerin werden will, so überzeugend. Alle Songs im Film singt sie selbst, und es sind Perlen des typischen 60er Jahre Pop-Chansons, die teilweise in seltsamen Kontrast zum Film stehen, aber dann doch wieder so gut passen.
Eingefangen wird der Film von einer kühlen, beobachtenden S/w Kamera, für die wie immer bei Godard Raoul Coutard zuständig ist.
"Maskulin - Feminin" ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie leicht und unbeschwert ein eher anspruchsvoller Film sein kann.