Der Stoff hätte für eine richtig gute Story gereicht: Ein Briefwechsel zweier (sich heimlich) Liebenden, beide in Venedig in sehr unterschiedliche Milieus eingebunden und später dann mit sehr eigenen, charaktervollen Entwicklungen - sie als Schriftstellerin, er als Politiker. Aus all dem wäre ein wunderbarer historischer Roman zu schaffen gewesen, statt dessen pure Langeweile anhand von Briefen, die in indirekter Rede oft zwei Mal erzählt werden, und außerhalb dessen bleibt das Leben der beiden blaß. Es ist wirklich schade darum!
Ein Minus-Sternchen geht auch auf die Ahistorie dieser pseudohistorischen Geschichte, wo man allerdings nicht weiß, ob es dem Autor oder den Übersetzerinnen zuzuschreiben ist: Die Brief-Sprache des 18. Jh. ist so abweichend von unserer, daß man sich etwas mehr Gespür dafür erwünscht hätte. Und immer von "Inquisitoren" zu reden, wo die römische Inquisition zu dieser Zeit in Venedig nichts und schon gar nichts mit irgendwelchen Bretterbudenaffairen zu tun hatte, und offenbar einfach "Ermittlungsbeamte" des consiglio gemeint waren, ist einfach peinlich.