Inhalt:
Die 17-jährige Pheytaner Ferin kann es kaum erwarten. Endlich steht der Tag der Maskierung vor der Tür! Seit Jahren sehnt sie diesen Tag herbei, denn er verspricht Freiheit und Unabhängigkeit. Sobald die Male, die ihren Körper und ihr Gesicht verunstalten und der Riss über ihrer Nase, endlich verdeckt sind, würde sie schön sein und das Leben führen, von dem sie schon so lange träumt. Doch etwas geht schief. Nach nur einem Tag zerfällt die Maske zu Staub und somit platzen nicht nur alle Träume von Ferin, sie wird gleichzeitig zu einer Gesetzlosen, die ihr Dasein als Arbeiter in einem Gefangenenlager fristen müssen.
Auf dem Transport in das Lager lernt Ferin die schnippische Jasta näher kennen, die sich tags davor die Maske von ihrem Gesicht riss und so ebenfalls zu einer Ausgestoßenen wurde. Mithilfe von Jastas Bruder Rhys gelingt Ferin die Flucht in den Dschungel, wo sie von nun an unter Rebellen leben sollte. Nun steht es ihr frei: Wählt sie den einfachen Weg, der ihren Tod bedeuten könnte? Oder nimmt Ferin ihr Schicksal an und lernt, mit ihrer Gabe umzugehen, um mit ihren neugewonnenen Freunden für Freiheit für ihr Volk zu kämpfen?
Einschätzung:
Mit "Masken: Unter magischer Herrschaft" präsentiert die österreichische Autorin Mara Lang ihren Debütroman und damit eine gelungene Mischung aus Fantasy und Abenteuer, mit einer romantischen, zarten Liebesgeschichte als Zugabe.
Bereits die Idee mit der Maske - die den Merdhungern als Unterdrückungsmittel dient, doch für das Volk der Pheytaner für Freiheit und Unabhängigkeit steht - fand ich richtig klasse und gleichzeitig erfrischend neu und anders. Ebenso gut fand ich, dass die Unterdrückung zuerst schleichend und ohne großes Blutvergießen dargestellt wird, denn genau aus diesem Grund versteht man Ferins unermesslichen Wunsch nach der Maskierung. Sie sehnt sich nach der Maske, die sie schön und die Konventionen, die all den Pheytanern ab der Geburt bis zu ihrem 17ten Lebensjahr auferlegt werden, hinfällig macht. Erst nach und nach erlebt der Leser, wie schrecklich sich gerade diese "milde, subtile" Form der Unterdrückung auf das Volk der Pheytaner und deren magische Gaben auswirkt und wie effektiv sie ist.
Mit Ferin hat Mara Lang eine großartige Heldin erschaffen. Ferins Sehnsucht nach Freiheit, ihre Träume und Wünsche, aber auch ihre Enttäuschung, als die Maske zu Staub zerfällt, kann man so gut nachvollziehen und mitempfinden, dass man sie des Öfteren gerne mal in den Arm genommen hätte, um sie zu trösten und ihr die Einsamkeit erträglicher zu machen. Ihre Entwicklung vom hilflosen, hoffnungslosen Mädchen, das sich erst selbst suchen und finden muss, bis hin zur reifen, starken Frau, die für ihre Ziele kämpft und für ihre neugewonnenen Freunde einsteht, fand ich wahnsinnig toll.
Aber nicht nur Ferin gewinnt von Seite zu Seite an Profil und macht im Laufe der Geschichte eine enorme Wandlung durch. Auch Jasta und die anderen Rebellen wurden sehr detailliert gezeichnet und so hat man bald das Gefühl, nicht nur mit Ferin, sondern mit vielen guten Freunden ein aufregendes Abenteuer zu erleben. Allen voran gefiel mir Rhys, der Läufer der Truppe. Mit seiner witzigen, liebevollen Art hat er sich schnell in mein Herz geschlichen. Aber auch Sobenio, der Magier, von dem man anfangs nicht ganz weiß, was man von ihm halten soll, spielt sich bald einige Pluspunkte ein. Um es hier kurz zu machen: Mara Lang versteht es, ihren Figuren enorm viel Leben einzuhauchen. Sie alle haben ihre Stärken und Schwächen, Ecken und Kanten und obwohl es wirklich eine ziemlich große Truppe ist, ist jeder unverwechselbar in seiner Art.
Die Liebesgeschichte, die sich zwischen Ferin und Martu - den ich übrigens auch richtig, richtig klasse fand - entwickelt, steht hier nicht im Vordergrund. Wer hier einen Romantasy Roman oder gar Erotik erwartet, dem sei gesagt, dass die Liebesgeschichte eine sehr zarte, sanfte, gefühlvolle ist, die sich erst nach und nach entwickelt, allerdings perfekt in das Gesamtbild des Romans passt.
Mara Langs Schreibstil ist angenehm flüssig, während sie einige Passagen immer wieder mit wunderschönen Formulierungen schmückt. Atmosphärisch schreibt die Autorin sehr, sehr dicht. Es gibt kein Geschehen, kein Ereignis, keine Abhandlung, die nicht ausführlichst beschrieben wird. Nicht mal der dritte Spaziergang durch den Dschungel wird nur gestreift, sondern detailliert ausgeführt, sodass man selbst auf dem Sofa im Wohnzimmer das Gefühl hat, mitten im Dschungel zu stehen; die Farben zu sehen; den Duft der verschiedenen Pflanzen zu riechen; das Wasser plätschern und die Vögel singen zu hören. Es ist reine Geschmackssache, ob man eine solche Ausführlichkeit mag. Grundsätzlich mag ich es eigentlich sehr, wenn während des Lesens Bilder im Kopf entstehen, doch mir persönlich war es hier an manchen Stellen dann doch etwas zu viel, sodass ich immer wieder kleinere Absätze überflogen habe, um schneller voranzukommen. Auch das erste Drittel des doch sehr dicken Schmökers hätte für mich um einiges straffer und spannender ausfallen dürfen. Nach dem sehr gelungenen Einstieg in die Story beginnt die Handlung erst wieder zur Mitte des Buches richtig an Fahrt aufzunehmen und spannend zu werden. Ab Martus auftauchen überschlagen sich die Ereignisse und von diesem Zeitpunkt an hätte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen können. Spannung ohne Ende und ein wahres Gefühlschaos - auch für mich als Leserin ...
Trotz meines Kritikpunktes muss ich sagen, dass Mara Lang einen tollen Fantasy Roman gezaubert und mich als Leserin für sich gewonnen hat. Ganz bestimmt werde ich mir auch das nächste Buch der Autorin kaufen und hoffen, dass ihr nicht so schnell die guten, neuen, erfrischenden Ideen ausgehen.
Fazit:
"Masken: unter magischer Herkunft" ist ein gelungener Fantasy Roman, der mit interessanten Ideen, gut gezeichneten Figuren und einer sehr zarten Liebesgeschichte zu überzeugen weiß. Kleine Abzüge gibt es von mir in den teilweise sehr ausführlichen Beschreibungen, die an manchen Stellen doch kürzer ausfallen hätten dürfen. Ich vergebe liebevolle 4 von 5 Punkten. (PH)