Wen würden Sie einladen, um über Magie zu philosophieren? Nun, Autor Robert Anton Wilson (Schöpfer der „Illuminatus!" -Trilogie) ließ sich nicht lumpen und bemühte eine Runde von Genies in seinen Roman „Masken der Illuminaten". Allen voran Albert Einstein und James Joyce. Im klassischen Dialog á la Platon bringen die beiden ihre Thesen und Antithesen vor, um daraus Synthesen zu schaffen. So ergibt sich gegen Ende des Buches eine überraschende wie amüsante Lösung des Plots. Die Hauptfigur, der gelehrige, aber etwas naive Sir John Babcock, ist eigentlich eine Projektion des Lesenden. Wenn Babcock die magische Initiation im Order of the Golden Dawn durchwandert, nimmt er uns mit auf eine Odyssee von Sackgassen und/oder Wegen zum Ziel. Wie der „Narr" im Tarot balancierte er an Abgründen vorbei, ohne es zu ahnen, steht vor „Buckelmännern" und „Soldaten". Per aspera ad astra - Über Steine zu den Sternen.
Einstein und Joyce - bei denen er Rat und Tat sucht - nehmen die Rollen C.G. Jung'scher Archetypen ein: rationaler Wissenschafter bzw. emotionaler Künstler, wobei die Grenzen verschwimmen. Der eine studiert die Physik mit kreativer Intuition, der andere schreibt Bücher mit scharfer Logik. Das Schwarze im Weißen, das Weiße im Schwarzen: Yin und Yang.
Über dem ganzen Roman hängt wie ein Damoklesschwert Aleister Crowley, berühmt-berüchtigster Magier des 20.Jahrhunderts. Ist Crowley nun gut oder böse, Genius oder Scharlatan, Wahrheitssuchender und Lügner? Ist er Führer des Geheimbundes der Illuminaten oder dessen inbrünstigster Feind? Die Antwort hängt irgendwo im Limbus, fordert den Leser stets auf, weiter zu fragen, weiter umzublättern.
„Masken der Illuminaten" ist eine zu Papier gebrachte Initiation in die Initiation; wobei das letzte Kapitel zum literarischern Drogentrip gerät. Kaum ist eine Maske entlarvt, offenbart sich ein neues Rätsel. Die Suche hört nie auf ... auf dem Pfad der Illuminaten.