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Maschinenwinter: Wissen, Technik, Sozialismus: Eine Streitschrift (edition unseld)
 
 
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Maschinenwinter: Wissen, Technik, Sozialismus: Eine Streitschrift (edition unseld) [Taschenbuch]

Dietmar Dath
3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Es bedurfte eines schmalen Bändchens in der von Suhrkamp neu ins Leben gerufenen edition unseld, um an die Anspruchshaltungen »linker« Gesellschaftsanalytik zu erinnern. Was an Dietmar Daths Essay Maschinenwinter. Wissen, Technik, Sozialismus. Eine Streitschrift erstaunt und ergötzt, ist der ungebrochene Optimismus: Geschichte ist machbar, Herr Nachbar!...Die Freisetzung von Produktivkräften wäre eine feine Sache: Je weniger die Menschen arbeiten müssten, umso eher besäßen sie die Chance, der »Muße« zu frönen und tolle neue Ideen zu entwickeln. Der Teufel stecke, so Dath, in der ungleichen Aneignung des produzierten Reichtums: Obwohl genug Überfluss erarbeitet wird, hüten die Monopolisten eifersüchtig die Werkzeuge des Fortschritts. ...Dath zieht eine der bestrickendsten Ideen des alten Marx aus dem Papierzylinder: Selbst in einer Gesellschaft, die planerisch und rational die Ungleichheit abgeschafft hätte, würde es weiterhin die Arbeitsteilung – und damit Elektrikerinnen und Köche geben. Wer aber sagt, dass man sein kurzes Erwerbsleben lang (bis einen die Freisetzung ereilt!) immer nur als Elektrikerin oder als Koch arbeiten muss? Der Gebrauchswert der Maschinen – und Dath ist ein geradezu schwärmerischer Technikfreund! – wäre als »sozialer« zu bestimmen. Arbeitsteilung ist etwas Schönes – nur muss sie eben kein Schicksal sein. Die Verfügung über Software wird über »Türhüter«-Lösungen eingeschränkt. Die transnationalen »Gemischtwarenkonglomerate« schlachten die erworbenen Wettbewerbsvorteile rücksichtslos aus: Geforscht wird einzig in ihrem Auftrag. Patente werden kostspielig entwickelt und aufgekauft. Daths Alternativvorschlag ist eben nicht schwärmerisch: Er verlangt, dass Gesellschaften ihre Regelungsbedürfnisse rational ausmachen. Er sagt: Das Interessanteste, was Menschen herstellen könnten, ist die Menschheit.« (Ronald Pohl Der Standard )

»Dass Dath ein lesenswertes Manifest geschrieben hat, hat damit zu tun, dass er sich nicht in empiriokritizistischen Abhandlungen verliert, sondern ein Wissen formuliert, aus dessen Anwendung etwas folgt: Die Menschheit gibt es noch nicht. Wir können sie aber erschaffen.« (Cord Riechelmann Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung )

»... der produktivste und radikalste Schriftsteller Deutschlands«

(Thomas Lindemann Die Welt )

Kurzbeschreibung

Es sind bekanntlich nicht die Maschinen, die Maschinen einstellen, sondern Menschen, die Maschinen bauen und einsetzen. Daher ist es nicht länger hinzunehmen, daß Maschinen die Lebensverhältnisse zunehmend verschlechtern, obwohl sie im Ursprung dazu gedacht waren, diese zu verbessern. Selbst in den reichsten Ländern ist von Lebenserleichterung durch Technik nicht mehr viel zu merken: Der kreative Computerdienstleister fristet das Dasein eines biblischen Tagelöhners; die High-Tech-Ärztin schreibt Gutachten über die Almosenberechtigung kranker Unterstützungsempfänger; jede Modernisierung der Produktion bedeutet Massenentlassungen statt Arbeitszeitverkürzung. Aber nicht einmal den Anschluß an diese noch vergleichsweise luxuriösen Formen des Jammers gönnt man den ärmeren Gegenden; dorthin wird bloß alles ausgelagert, was man mit den Lohnabhängigen des Westens einstweilen noch nicht machen kann. Wie soll man die Maschinen stürmen, um sie in Besitz zu nehmen? Kann man die moderne Arbeitsteilung beibehalten, aber die Hierarchien, Abhängigkeiten und das Unrecht loswerden, die an ihr kleben? Was haben die Industrie, der von ihr geschaffene Reichtum und der von ihr ausgeworfene Schmutz mit Freiheit zu tun? Der Essay Maschinenwinter riskiert eine literarische, politische, polemische und spekulative Phantasie darüber, wie man mit Technik Geschichte machen könnte.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
23 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von bestechender Logik 22. Juli 2008
Von Dietrich Marquardt TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
"Die Menschen müssen ihre Maschinen befreien, damit diese sich (bei den Menschen - dm) revanchieren können." Ein witziger Satz, der als Bildunterschrift ganz am Ende des Buches steht. Das so kommentierte Foto zeigt einen menschenähnlichen Roboter, der in Fesseln gelegt ist, und eine junge, etwas ratlos ihn betrachtende Frau.

Den Leser/die Leserin erwartet in diesem kurzen, gehaltvollen und originellen Büchlein ein Schnelldurchlauf durch Technik, Wissenschaft, Gesellschaft unter dem Gesichtspunkt des seltsamen Umstandes, dass Maschinen (im weitesten Sinne) die menschliche Arbeit erleichtern (faktisch oder potentiell), aber gleichwohl in vielfältiger Weise als (nicht nur eingebildete) Bedrohung empfunden werden.

In verblüffend klarer und überzeugender Argumentation, die viel mythischen Nebel fortpustet, arbeitet der Autor heraus, dass es die sehr spezifische Art der Verfügungsgewalt über diese Maschinen ist, die aus potentiellem Segen oft realen Fluch machen. Er macht klar, dass über eine andere Art der Verfügung, nämlich eine wirklich gesellschaftliche und planmäßige nachgedacht werden muss, wenn man aus den Mystifikationen und realen Widersprüchen der bestehenden, modernen oder pseudo-modernen Gesellschaften herauskommen will. Trotz kleiner Schwächen, wenn der Hebel gar zu grob angesetzt wird, ein ausgesprochen anregendes Buch.

Von dem orthodoxen Marxismus, ja Leninismus, dem der Autor in mehrfacher Hinsicht seine Reverenz erweist, trennt ihn die Ablehnung dessen Annahme von Zwangsläufigkeit in der geschichtlichen Entwicklung. Dath bringt diese Ablehnung in den bildhaften Satz, dass Noah eben die Arche auch tatsächlich bauen musste, als er Kunde vom großen Regen erhielt.

Überhaupt macht die Anschaulichkeit und Prägnanz, mit der Dath seine im übrigen durchaus abstrakten Thesen vertritt, das Buch gut lesbar. Ich verstehe das Buch als eine durchaus fundierte Provokation, die aus allzu billigen, eingefahrenen und nicht mehr fruchtbaren Denkschemata herauslocken will. Man darf sich die Argumente des Autors in einer ruhigen Minute, vielleicht in trauter Gesprächsrunde zu Gemüte führen. Antworten auf die Probleme, die er darlegt, werden sich nur bedingt in der Rückschau finden lassen, aber ganz auf Antworten verzichten zu wollen - das wäre der faule Noah.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Adam
Format:Taschenbuch
Dath setzt sich in dieser Schrift mit der kapitalistischen Gesellschaft auseinander. Kriterium ihrer Beurteilung soll jedoch nicht die zufällige Moral, sondern die notwendige Vernunft sein. Es geht Dath um eine vernünftige und funktionierende Gesellschaft. Was das für eine Gesellschaft ist, wird von ihm darauffolgend ausbuchstabiert.

Die Abhandlung ist in mit kurzen Stichworten gekennzeichnete Abschnitte unterteilt, die jeweils die Gedanken der Autors zu einem jeweiligen Problembereich ausdrücken. Ihr Stil ist dabei eher essayistisch-assoziativ als schulmäßig-deduktiv zu nennen. Die Kapitel enthalten Gegenwartsdiagnosen und -analysen, Forderungen, Zukunftsprophezeihungen und Begriffsdefinitionen und - deutungen. Über die Abhandlung verstreut werden Begriffe definiert wie "Geschichte" (S. 25), "Klasse" (S.27, S.122), "Klassenkampf" (S.27), "Klassenbewusstsein" (S.29), "falsches Bewusstsein" (S.29), "Aufklärung" (S.31), "Menschenwürde" (S.36), "Menschen" (S.70) und "Fortschritt". Den Gedankengängen ist nicht immer leicht zu folgen, die Ausführungen, vor allem mit ökonomischer Thematik, sind zuweilen für den Nachvollzug durch den (Laien-) Leser zu knapp gehalten.

Für Dath ist die Gegenwart dadurch gekennzeichnet, dass die bürgerliche Gesellschaft die Gewährung sozialer Sicherheit einschränkt und allein die Familie als soziales Sicherungssystem zurückbleibt. Viele Menschen werden heute durch so genannte Arbeitslosigkeit aussortiert, die Wirtschaft wächst ohne Arbeitsplatzgewinne, es besteht die Gefahr erneuter Durchsetzung direkter Herrschaft, die gesamtgesellschaftlichen Verhältnisse verlieren ihre Vertragsförmigkeit, der Sozialstaat stirbt, die Schulpflicht bröckelt, das Wahlrecht gerät auf die Abschußliste. Den Reichtum, den abstrakte Arbeit und freie Konkurrenz schaffen, zerstören sie wieder.

Das Charakteristische an der Moderne, die Dath verteidigt, ist, dass sie auf die Mittel reflektiert, mit denen Kunst und Wissenschaft arbeiten. Das Bewusstsein wird reflexiv, und zugleich werden ihm und der menschlichen Gestaltung neue Bereiche, so z.B. die Produktionsverhältnisse, zugänglich. Gegenstand der Bearbeitung werden nicht nur materielle Dinge, sondern auch politische Einheiten, Parteien und Verbände, die Werkzeuge des politschen Handelns. Die gemeinsame Lage, in der die meisten von uns stecken, ist die fehlende Teilhabe an der Entscheidung dessen, was und wie in der Gesellschaft produziert wird. Die gesamtgesellschaftliche Produktion ist noch nicht dem menschlichen Bewusstsein und von ihm bestimmter Planung unterworfen.

Das ist es auch, was Dath fordert. Ihm geht es um die demokratische Planung der Produktion und die Durchsetzung einer wissenschaftlichen Gesellschaftsordnung. Zu dieser Ermächtigung des menschlichen Bewusstseins gehört auch die Wahl der Produktivkräfte bzw. der Technik. Die ungeplante Welt soll in eine geplante verwandelt werden. Die maschinisierte Gesellschaft muß sich zur maschinenbeherrschenden Hochzivilisation fortbilden, den Maschinen soll eine Richtung gegeben werden. Dazu kann es u.U. nötig sein, just diese Maschinen zu zerstören, denn diese sind als Produktionsmittel in Produktionsverhältnisse eingebettet, die die Herrschaft der einen über die anderen beinhalten, die Teilung der Gesellschaft in Herren und Knechte. Auch wenn also Maschinen zerstört werden, so sollen die Bauanleitungen aufbewahrt werden.

In der Wirtschaftspolitik macht Dath also die liberale Scheidung nicht mit, die unterscheidet zwischen Dingen, die man nicht anrühren darf, die also "naturwüchsig" sind, und "unbewusst" gemäß unsichtbarer Hand funktionieren, und zwischen Dingen, die man gleichwohl manipulieren darf und soll und über die die Regulation der naturwüchsigen Dinge gewährleistet werden kann. (z.B. durch das Setzen von wirtschaftlichen Anreizen oder moralische Appelle). Die Wirtschaft ist nicht nur (liberal) zu regulieren, sondern (marxistisch) zu instruieren, Dath würde sagen: zu planen.

Es geht um nichts geringeres als die Bewusstseinswerdung der Menschheit. Auch der soziale Gebrauchswert ist bewusst zu setzen. Die Erzeugungskraft der Menschheit ist bewusst zu steuern, zu entwickeln und zu potenzieren durch die geschichtsbildende Macht der Arbeit. Der Reichtum soll bewusst gemehrt und gerecht verteilt werden, fixe Bedürfnisse befriedigt werden, die Menschheit vom Mangel erlöst werden. Die Menschen sollen ihre Gemeinsamkeiten erkennen, praktisch erfahren und konkret handeln. Herrschaft von Menschen über Menschen ist zu beseitigen.

Für die Zukunft prophezeit Dath, dass es dereinst eine Zeit geben könnte, in der unsere Nachfahren heutige Menschen gar nicht mehr als Angehörige derselben Gattung erkennen werden. Der Mensch wird vielleicht so genannte Evidenzspender sozialer Kategorien, wie Intelligenz, Phänotyp oder Geschlecht abstreifen. Allerdings besteht die Gefahr, dass eine hochtechnisierte Zivilisation, die nicht als freier Verein freier Produzenten nach wissenschaftlichen Einsichten plant, dann in das Grauen einer nachwissenschaftlichen Technik mündet, die von Magie nicht mehr zu unterscheiden wäre. Zur Bedienung der Technik benötigt man nach Dath kein Bewusstsein, nur zu ihrer Erfindung und Entdeckung.

Zuweilen scheint es so, als ob der essayistisch-assoziative Stil Daths allzu sprunghaft ist. Es gelingt dem Leser nicht immer, den Gedanken Daths zu folgen. Besonders bei der Beleuchtung ökonomischer Zusammenhänge wäre eine detailiertere und kleinschrittigere Auseinandersetzung in der Begründung seiner Thesen zu wünschen. So behauptet Dath, dass das Existenzgeld entweder eine Inflation oder eine Reallohnsenkung erzeugen würde. Oder, dass die Liberalen schummeln und die "unsichtbare Hand" gar nicht so unsichtbar ist. Und, was meint Dath, wenn er von der Beziehung zwischen Gebrauchs- und Tauschwert redet. Wieso erneuert die Konkurrenz ihre Voraussetzungen nicht unbegrenzt? Die Rechtfertigung dieser Thesen wird dem Leser durch Daths Ausführungen nicht klar.

Nicht zuletzt erheben sich Einwände gegen Daths Forderungen. So gegen die Umsetzbarkeit einer bewussten demokratischen Planung der Produktion. Es streitet sicher kein Liberaler ab, dass auch die Unternehmer ihre Produktion planen. Nur erfolgt diese Planung dezentral und "subsidär". Das Problem einer zentralen Planung ist wohl die Schwierigkeit der Erhebung der notwendigen Informationen über Quantität und Qualität der Produktion. Die Idee der unsichtbaren Hand ist es ja, dass die Unternehmer betriebswirtschaftlich ihre Produktion planen und die dafür benötigten Informationen erheben, während "hinter ihren Köpfen" durch ihr quasi unbewusstes Handeln ein optimales gesamtwirtschaftliches Ergebnis und gesamtgesellschaftliche Wohlfahrt erzielt wird. Nicht zuletzt stellen sich skeptische Fragen im Hinblick auf das Ausmaß der Innovations- und Risikofreudigkeit der unternehmerischen Entscheidungen bei einer bewusst und zentral geplanten Produktion. Und wie steht es mit der Effizienz der Produktion?
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14 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Es gibt doch noch Hoffnung 20. August 2008
Format:Taschenbuch
Seltsame Einwände provoziert dieses Buch: Ein Leser vergleicht den Autor Dath mit Bernstein, weil Dath ihm nicht leninistisch genug ist; der andere holt den alten Ludwig von Mises aus der Mottenkiste, weil er nicht gemerkt hat, dass Dath gerade dessen grobe und stumpfe Verteidigung des Kapitalismus in diesem Buch schön beiläufig vernichtet, ohne sich dabei freilich allzu ausführlich aufzuhalten. Und dass man einem Autor als Fehler vorwirft, er vertrete eine andere Vorstellung von Geldwert als die der VWL-Religion unserer Zeit, ist schon lustig, wenn doch gerade die Ablehnung dieser VWL-Religion im Mittelpunkt des Buches steht.
In Wirklichkeit ist 'Maschinenwinter' eine hervorragend geschriebene, sehr leicht zugängliche Abhandlung, klar genug, dass man sie leicht als Strandlektüre zum Badesee mitnehmen kann. Auf 130 Seiten bringt Dath seine Gedanken in 34 Kapiteln, die jeweils einen Kerngedanken umfassen, näher. Dass in diesem Text unbedingt eine Auseinandersetzung mit dem Thema Technik erfolgt, wie der Titel nahelegt, liegt nicht etwa an einem Hang des Autors zur Maschinenstürmerei. Dath will uns nicht erzählen: 'Maschine besser' und 'Leben schlechter', folglich 'Maschine schlecht'. Im Gegenteil, nicht die Maschinen sind die Ursache, nicht die Technik, die alles beschleunigt und den Menschen das Gefühl gibt, instrumentalisiert zu werden. Es sind Menschen, die die Maschinen besitzen. Es geht also nicht um die Abschaffung von Maschinen. Das Problem ist, dass die Autonomie, also die maschinelle Arbeitserleichterung als Versprechen für den modernen Menschen, aus der Hand gegeben wurde. Die Menschen sollen die Maschinen befreien, damit die wieder das tun, wozu sie erschaffen worden sind: den Menschen das Leben zu erleichtern. Wenn man nur ein Buch zum Thema 'Wie tot ist eigentlich der Fortschritt?' lesen möchte, so nehme man sich dieses Bändchen.
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