Dath setzt sich in dieser Schrift mit der kapitalistischen Gesellschaft auseinander. Kriterium ihrer Beurteilung soll jedoch nicht die zufällige Moral, sondern die notwendige Vernunft sein. Es geht Dath um eine vernünftige und funktionierende Gesellschaft. Was das für eine Gesellschaft ist, wird von ihm darauffolgend ausbuchstabiert.
Die Abhandlung ist in mit kurzen Stichworten gekennzeichnete Abschnitte unterteilt, die jeweils die Gedanken der Autors zu einem jeweiligen Problembereich ausdrücken. Ihr Stil ist dabei eher essayistisch-assoziativ als schulmäßig-deduktiv zu nennen. Die Kapitel enthalten Gegenwartsdiagnosen und -analysen, Forderungen, Zukunftsprophezeihungen und Begriffsdefinitionen und - deutungen. Über die Abhandlung verstreut werden Begriffe definiert wie "Geschichte" (S. 25), "Klasse" (S.27, S.122), "Klassenkampf" (S.27), "Klassenbewusstsein" (S.29), "falsches Bewusstsein" (S.29), "Aufklärung" (S.31), "Menschenwürde" (S.36), "Menschen" (S.70) und "Fortschritt". Den Gedankengängen ist nicht immer leicht zu folgen, die Ausführungen, vor allem mit ökonomischer Thematik, sind zuweilen für den Nachvollzug durch den (Laien-) Leser zu knapp gehalten.
Für Dath ist die Gegenwart dadurch gekennzeichnet, dass die bürgerliche Gesellschaft die Gewährung sozialer Sicherheit einschränkt und allein die Familie als soziales Sicherungssystem zurückbleibt. Viele Menschen werden heute durch so genannte Arbeitslosigkeit aussortiert, die Wirtschaft wächst ohne Arbeitsplatzgewinne, es besteht die Gefahr erneuter Durchsetzung direkter Herrschaft, die gesamtgesellschaftlichen Verhältnisse verlieren ihre Vertragsförmigkeit, der Sozialstaat stirbt, die Schulpflicht bröckelt, das Wahlrecht gerät auf die Abschußliste. Den Reichtum, den abstrakte Arbeit und freie Konkurrenz schaffen, zerstören sie wieder.
Das Charakteristische an der Moderne, die Dath verteidigt, ist, dass sie auf die Mittel reflektiert, mit denen Kunst und Wissenschaft arbeiten. Das Bewusstsein wird reflexiv, und zugleich werden ihm und der menschlichen Gestaltung neue Bereiche, so z.B. die Produktionsverhältnisse, zugänglich. Gegenstand der Bearbeitung werden nicht nur materielle Dinge, sondern auch politische Einheiten, Parteien und Verbände, die Werkzeuge des politschen Handelns. Die gemeinsame Lage, in der die meisten von uns stecken, ist die fehlende Teilhabe an der Entscheidung dessen, was und wie in der Gesellschaft produziert wird. Die gesamtgesellschaftliche Produktion ist noch nicht dem menschlichen Bewusstsein und von ihm bestimmter Planung unterworfen.
Das ist es auch, was Dath fordert. Ihm geht es um die demokratische Planung der Produktion und die Durchsetzung einer wissenschaftlichen Gesellschaftsordnung. Zu dieser Ermächtigung des menschlichen Bewusstseins gehört auch die Wahl der Produktivkräfte bzw. der Technik. Die ungeplante Welt soll in eine geplante verwandelt werden. Die maschinisierte Gesellschaft muß sich zur maschinenbeherrschenden Hochzivilisation fortbilden, den Maschinen soll eine Richtung gegeben werden. Dazu kann es u.U. nötig sein, just diese Maschinen zu zerstören, denn diese sind als Produktionsmittel in Produktionsverhältnisse eingebettet, die die Herrschaft der einen über die anderen beinhalten, die Teilung der Gesellschaft in Herren und Knechte. Auch wenn also Maschinen zerstört werden, so sollen die Bauanleitungen aufbewahrt werden.
In der Wirtschaftspolitik macht Dath also die liberale Scheidung nicht mit, die unterscheidet zwischen Dingen, die man nicht anrühren darf, die also "naturwüchsig" sind, und "unbewusst" gemäß unsichtbarer Hand funktionieren, und zwischen Dingen, die man gleichwohl manipulieren darf und soll und über die die Regulation der naturwüchsigen Dinge gewährleistet werden kann. (z.B. durch das Setzen von wirtschaftlichen Anreizen oder moralische Appelle). Die Wirtschaft ist nicht nur (liberal) zu regulieren, sondern (marxistisch) zu instruieren, Dath würde sagen: zu planen.
Es geht um nichts geringeres als die Bewusstseinswerdung der Menschheit. Auch der soziale Gebrauchswert ist bewusst zu setzen. Die Erzeugungskraft der Menschheit ist bewusst zu steuern, zu entwickeln und zu potenzieren durch die geschichtsbildende Macht der Arbeit. Der Reichtum soll bewusst gemehrt und gerecht verteilt werden, fixe Bedürfnisse befriedigt werden, die Menschheit vom Mangel erlöst werden. Die Menschen sollen ihre Gemeinsamkeiten erkennen, praktisch erfahren und konkret handeln. Herrschaft von Menschen über Menschen ist zu beseitigen.
Für die Zukunft prophezeit Dath, dass es dereinst eine Zeit geben könnte, in der unsere Nachfahren heutige Menschen gar nicht mehr als Angehörige derselben Gattung erkennen werden. Der Mensch wird vielleicht so genannte Evidenzspender sozialer Kategorien, wie Intelligenz, Phänotyp oder Geschlecht abstreifen. Allerdings besteht die Gefahr, dass eine hochtechnisierte Zivilisation, die nicht als freier Verein freier Produzenten nach wissenschaftlichen Einsichten plant, dann in das Grauen einer nachwissenschaftlichen Technik mündet, die von Magie nicht mehr zu unterscheiden wäre. Zur Bedienung der Technik benötigt man nach Dath kein Bewusstsein, nur zu ihrer Erfindung und Entdeckung.
Zuweilen scheint es so, als ob der essayistisch-assoziative Stil Daths allzu sprunghaft ist. Es gelingt dem Leser nicht immer, den Gedanken Daths zu folgen. Besonders bei der Beleuchtung ökonomischer Zusammenhänge wäre eine detailiertere und kleinschrittigere Auseinandersetzung in der Begründung seiner Thesen zu wünschen. So behauptet Dath, dass das Existenzgeld entweder eine Inflation oder eine Reallohnsenkung erzeugen würde. Oder, dass die Liberalen schummeln und die "unsichtbare Hand" gar nicht so unsichtbar ist. Und, was meint Dath, wenn er von der Beziehung zwischen Gebrauchs- und Tauschwert redet. Wieso erneuert die Konkurrenz ihre Voraussetzungen nicht unbegrenzt? Die Rechtfertigung dieser Thesen wird dem Leser durch Daths Ausführungen nicht klar.
Nicht zuletzt erheben sich Einwände gegen Daths Forderungen. So gegen die Umsetzbarkeit einer bewussten demokratischen Planung der Produktion. Es streitet sicher kein Liberaler ab, dass auch die Unternehmer ihre Produktion planen. Nur erfolgt diese Planung dezentral und "subsidär". Das Problem einer zentralen Planung ist wohl die Schwierigkeit der Erhebung der notwendigen Informationen über Quantität und Qualität der Produktion. Die Idee der unsichtbaren Hand ist es ja, dass die Unternehmer betriebswirtschaftlich ihre Produktion planen und die dafür benötigten Informationen erheben, während "hinter ihren Köpfen" durch ihr quasi unbewusstes Handeln ein optimales gesamtwirtschaftliches Ergebnis und gesamtgesellschaftliche Wohlfahrt erzielt wird. Nicht zuletzt stellen sich skeptische Fragen im Hinblick auf das Ausmaß der Innovations- und Risikofreudigkeit der unternehmerischen Entscheidungen bei einer bewusst und zentral geplanten Produktion. Und wie steht es mit der Effizienz der Produktion?