Gegenüber einer früheren Aufnahme beider Opern mit einem jugendlichen Mario del Monaco ist nunmehr dieser Sänger als Figur des Turiddu zu erleben, die etwas in reifere Jahre gekommen ist, es aber weder am eindrucksvollen Temperament im Sinne des Verismo noch an stimmlicher Potenz mit expressiv geprägter Gestaltung fehlen lässt. Der Sänger war hierbei im Zenit seiner Laufbahn. Die Aufnahme ist in der Geburtsstunde der Stereotechnik gemacht worden. An ihr haben neben Mario del Monaco weitere großartige Solisten mitgewirkt, und zwar insbesondere Giulietta Simionato und Cornell MacNeil.
Was die zierliche, nur 1,50 m große Giulietta Simionato als Santuzza leistet, ist allein schon überwältigend. Ihre Stimme kann temperamentvoll wie Feuer brennen, aber auch wie die Sonne über alle Mitwirkenden hinweg strahlend leuchten. Aus einsichtigen Gründen war sie die Lieblingspartnerin von Maria Callas, die mit Kolleginnen und Kollegen gnadenlos umgegangen ist, wenn diese nicht ebenfalls ihr Bestes zeigen konnten. Der junge Cornell MacNeil ist mit seiner blendenden Stimme von einem solchen Temperament, dass man sich überhaupt nicht vorstellen kann, er sei kein heißblütiger Südländer. Chor und Orchester der Accademia sind ebenso glänzend aufgelegt. Vor allem die Kirchenszene der Oper Cavalleria rusticana (Regina coeli) ist klangtechnisch besonders effektvoll.
Die Aufnahme ist 1959 entstanden, als gerade das Stereoverfahren eingeführt wurde. Ich kann mich daran erinnern, dass bei einer damaligen Rundfunkmesse die vorgenannte Aufnahme zu Demonstrationszwecken vorgespielt wurde. Die Firma Decca, bei der die Aufnahme gemacht wurde, hatte in den fünfziger Jahren das Stereoverfahren erfunden, wie Jahrzehnte zuvor das Radar und die Funknavigation. Die stereophone Klangwirkung ist auch noch heute für den technisch verwöhnten Hörer von ausgezeichneter Qualität. Man erlebt große Oper in jeder Hinsicht. Der vorliegenden Auflage liegt eine klangtechnische Optimierung zugrunde.