Mitreißende Unterhaltung ' das ist es, was "Mary Lou" bietet. Die vierteilige israelische TV-Serie mit einer Gesamtlaufzeit von rund zweieinhalb Stunden lässt sich in mehrere Kategorien einordnen: Ob man sie nun als charmantes Gay-Musical, Liebesfilm, Milieustudie einer Twentysomething-Generation oder als Coming Out-Streifen sehen mag ' "Mary Lou" fetzt!
Die Serie erzählt auf trotz aller Musicaleinlagen authentisch wirkende Weise die Geschichte eines jungen Mannes, der in der Großstadt nach seiner Mutter sucht und stattdessen sich selbst findet: eine hoffnungsfrohe und Mut machende, manchmal aber auch tragische und traurige Serie, die natürlich auch ein paar Klischees bedient, diese aber so in der Handlung integriert, dass sie nicht stören. Es schadet freilich auch nicht, dass man für den Mehrteiler eine Riege durchaus hübsch anzusehender junger Männer und Frauen verpflichtet hat, die nicht nur äußerlich, sondern auch schauspielerisch und stimmlich überzeugen.
Regie für die TV-Serie führte der israelische Regisseur Eytan Fox, der sich mit diversen schwulen Filmen bereits einen Namen gemacht hat. Das Drehbuch stammt von Shira Artzi. Es verwebt Dutzende Popsongs von Svika Pick, die überraschend eingängig sind und Ohrwurm-Qualität haben, organisch in die Handlung. Pick ist in seinem Heimatland eine Größe: Er galt in den 70er Jahren als einer der erfolgreichsten Popsänger und -komponisten Israels und feierte 1998 mit dem von ihm geschriebenen Song "Diva", mit dem die transsexuelle Sängerin Dana International seinerzeit den Eurovision Song Contest für sich gewinnen konnte, einen großen Erfolg. Pro-Fun Media bezeichnet ihn, der auch selbst einen Cameo-Auftritt in der Serie hat, als "Israels Lady Gaga der 70er".
Einziger Wermutstropfen mag für manchen sein, dass die Serie nur in Originalsprache und deutschen Untertiteln vorliegt. Es dauert zunächst eine Weile, bis man sich an diese Erzählweise gewöhnt hat, doch dank zahlreicher flotter Lieder geht das schnell. Wer also auf den Streifen neugierig geworden ist, sollte sich davon keinesfalls abschrecken lassen. "Mary Lou" erzählt eine bezaubernde, launige Geschichte im "Glee"-Stil und ist das schönste Gay-Musical seit "Wäre die Welt mein".