Eine Bemerkung vorweg: Kein Marxist, der bei Verstand ist, erwartet von einer deutschen Version der genialen Marx-Brothers-Radio-Show die Brillianz des Originals. Das hat schon bei den Filmen nicht funktioniert, das musste bei der Hörspielfassung zwangsläufig scheitern. Es liegt nicht an der Übersetzung, dass der Funke nicht so fliegt, wie er sollte. Die Sprach-Capriolen Grouchos und Chicos sind adäquat und spritzig übersetzt, wie von Harry Rowohlt und Sven Böttcher auch nicht anders zu erwarten.
Das Vorhaben scheitert an den Sprechern. Harald Leipnitz spricht den Flywheel/Groucho vielleicht eine Spur zu bedächtig, doch ist das noch zu verzeihen. Völlig am Original vorbei aber geht Stefan Behrens Verkörperung von Ravelli/Chico, der in den Komödien der Brüder stets den radebrechenden italienischen Einwanderer gab, aus dessen - zufälliger oder gewollter - Sprachunsicherheit sich die legendären verbalen Missverständnisse zwischen Groucho und Chico entwickelten. Stefan Behrens stellt dagegen Ravelli langsam, dumm und obendrein mit einem Sprachfehler versehen dar. Wie ein lispelnder Ravelli solche Wortverdrehungen provozieren sollte, erschloss sich mir nicht. Vielleicht wollte man in der deutschen Version auch poltisch etwas korrekter vorgehen. Wenn man solche Absichten hat, sollte man allerdings die Finger von den Anarcho-Brüdern lassen...
Die Nebenrollen sind dagegen allesamt brilliant besetzt. Die "ewige Sekretärin" Corinna Genest hat man sofort vor Augen, ebenso die wunderbare Brigitte Mira und, und, und. Doch vielleicht liegt auch da das Hauptproblem der Inszenierung: Die Bilder der Marxens erscheinen einem nicht im Geiste, wenn man die Sprecher hört. Man hätte möglicherweise gut daran getan, nach Stimmen zu suchen, die mehr Ähnlichkeit mit denen der deutschen Filmfassungen aufweisen.
Der Spaß am Text allerdings bleibt. Und der Versuch, die "Radio Show" dem deutschen Publikum zu bewahren, ist absolut lobenswert.