Schlägt man einen typischen, monatlich erscheinenden Comic auf, dann folgt oft eine Enttäuschung. Die Zeichnung auf dem Cover sieht gigantisch aus, die Zeichnungen der eigentlichen Comic-Story hingegen sieht weit weniger beeindruckend aus. Bei diesem luxuriösen Comic-Album ist es anders. Jede einzelne Seite ist so schön, daß ich sie am liebsten gerahmt an die Wand hängen möchte. „Marvels" wirft ein ganz neues Licht auf die Marvel-Comics und bietet eine neue, erfrischende Sichtweise der Welt von Spider-Man, Hulk und den vielen anderen. Erzählt wird die Geschichte des Marvel-Universums von ihren Anfängen bis heute, und zwar aus der Sicht eines Fotografen. In den typischen Superheldencomics ist der Leser immer ein Eingeweihter. Er weiß, daß Spider-Man ein Teenager namens Peter Parker ist. Ihm ist bekannt, daß der Hulk die zweite Persönlichkeit von Dr. Bruce Banner ist. Der Fotograf hingegen hat dieses Zusatzwissen nicht. Er ist ein außenstehender Beobachter. Genau so wie der Großteil der New Yorker, die nicht wissen, ob diese Mutanten gut oder böse sind.
„Marvels" ist eine Hommage an den Zeichner Jack Kirby, der gemeinsam mit Autor Stan Lee für den weltweiten Durchbruch der Marvel-Comics gesorgt hat. Es ist eine schöne Idee, daß in dieser Geschichte Abenteuer, die in den alten Heften passiert sind, aus einer anderen Perspektive gezeigt werden. Der Kobold tötet Spider-Mans Freundin, Galactus sucht die Erde heim u.v.m.
Sehr melancholisch ist diese Geschichte! Der aufstrebende Fotograf wird trotz spektakulärer Fotos, die er von den Superhelden schießt, selbst nicht zu einem Helden. Bei einem Arbeitsunfall verliert er auch noch ein Auge. Das alltägliche Leben der New Yorker wirkt immer ein wenig traurig und farblos. Aber immer dann, wenn einer der Helden auftaucht wird es gigantisch, farbenfroh und erhebend.
Schöne Arbeit, Alex Ross!