Auf dem platten Land herrschen noch Anstand und Sitte? -- Beim Menschenvolk vielleicht, aber auf Weide und Misthaufen und drumherum gibt's keine Viecherei, die's nicht gibt. Oder andersrum formuliert: Es menschelt im Stall...
Da kommentiert die Hasenfamilie fachmännisch das veritable Missgeschick des Jagdpächters; ein predigender Rabe tröstet künftige Martinsgänse mit der Aussicht aufs Einssein mit dem Kosmos; und das Hunderudel plant akribisch den Generalangriff auf den arglos daherradelnden Briefträger. Nicht jedes Tier findet die große Liebe innerhalb der eigenen Art, was auch seine Konsequenzen nach sich zieht -- und vor allem die Kommentare des tierischen Landvolks. Marunde gewährt Einblicke in den Immobilienmarkt für kinderreiche Rattenfamilien; künstlerisch ambitionierte Osterhasen finden kein Verständnis beim Chef, und wenn zwei Gockel angesichts der Mikrowelle den Verfall der Sitten kommentieren, dann hat des Lesers Zwerchfell allerheftigste Schwerarbeit zu leisten.
Aber die Viecher kommen auch rum auf der Welt: Der Storch im Winterurlaub plaudert mit dem Nilkrokodil über das verlockende Nahrungsangebot hoch im Norden ("Da, wo ich herkomme [...], da würde es Ihnen gefallen! Direkt am Fluß weiden leckere Schafe zu Tausenden und Herden saftigster Rinder. Gelegentlich fährt ein Paddelboot vorbei, und raten Sie mal, was drin sitzt!") -- man sieht, Schleswig-Holsteins Tourismusbehörde hat noch nicht alle potentiellen Feriengäste angesprochen... Und der tüchtige Wachhund Zorro hält natürlich auch, was sein Name verspricht.
Der zweite Band von "Marundes Landleben" präsentiert im Taschenbuch-Format auf über 70 wunderschönen Ölbildern, Feder- und Tuschzeichnungen die etwas andere Seite des Landlebens. Jedes Bild ist ein kleines Kunstwerk, das die Eigenheiten des Lebens auf dem Lande widerspiegelt, in vielen, vielen witzigen Details -- und vor allem mit Getier, das so wunderbar artgerecht menschelnde Konversation führt.
Marunde braucht nicht übertreiben; gerade weil seine Zeichnungen so nah an ihrer Vorlage bleiben, wirkt ihre nur ein klein wenig andere Sicht der Dinge so, mit Verlaub, saukomisch.