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Martin Walser: Eine Biographie
 
 

Martin Walser: Eine Biographie [Kindle Edition]

Jörg Magenau
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)

Kindle-Preis: EUR 9,49 Inkl. MwSt. und kostenloser drahtloser Lieferung über Amazon Whispernet
Der Verkaufspreis wurde vom Verlag festgesetzt.

  • Länge: 656 Seiten
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Ein deutsches Leben: alles über Martin WalserDie erste umfassende Biographie des großen Schriftstellers untersucht sein spannungsvolles Verhältnis zur deutschen Geschichte und zur Öffentlichkeit. Sie erzählt von Wandlungen, Werk und Wirken, zeigt ihn als Gläubigen und Skeptiker, als heimatverbundenen Familienvater und als ewigen Reisenden, als Machtkritiker und als Freund der Mächtigen, als Lesenden und als Lobenden. Mit dem Porträt des widersprüchlichen Intellektuellen entsteht zugleich eine Kulturgeschichte der Bundesrepublik.Erweiterte, aktualisierte Ausgabe.«Magenau präsentiert Walser als sensiblen Seismographen, der auf sich wandelnde Verhältnisse schon reagierte, wenn andere noch nichts bemerkten. Ein höchst subjektives Walser-Porträt, das zum Widerspruch reizt und, was nicht das Schlechteste ist, zum Wiederlesen. Eine stimmige Biographie.» (taz)«Jörg Magenaus detailreiche Darstellung ist von wohltuender Objektivität.» (Die Welt)«Jörg Magenaus großartige Biographie ist ein Denkmal, für das Walser sich nicht schämen muss.» (Hannoversche Allgemeine Zeitung)

Über den Autor

wurde 1961 in Ludwigsburg geboren. Er studierte an der FU Berlin Philosophie und Geschichte und arbeitete als Kulturredakteur und Literaturkritiker u.a. für die «FAZ», die «taz» und «Freitag». 1995 wurde er mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik ausgezeichnet. 2002 erschien seine viel beachtete Christa-Wolf-Biographie. Jörg Magenau lebt und arbeitet in Berlin, als Autor und Redakteur von «Das Magazin».

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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Dr. M.
Format:Taschenbuch
Im Oktober 2008 erschien die Taschenbuchausgabe von Jörg Magenaus
verdienstvoller Martin-Walser-Biografie. Magenau, der zuvor bereits der
populärsten ostdeutschen Autorin Christa Wolf eine Biografie gewidmet
hatte, schildert den populären westdeutschen Autor als Mann des
Widerspruchs: als Januskopf mit dem Gesicht des boden(see)ständigen
Nationalisten und dem des in die Ferne schweifenden Linksintellektuellen.
Diese Persönlichkeitsspaltung ist das eine Leitmotiv, das Magenau in seiner
akribischen Datensammlung (der leider im Anhang eine Zeittafel fehlt)
anlegt, das andere ist Martin Walser als "versierter Verbergungsentblößungsspieler, der seine Schwächen verdeckt, indem er sie öffentlich macht" (S. 301).
Damit stellt er sich bewusst in die Tradition derer, die in Walsers
Werken Spiegelungen seiner selbst, seiner sozialen und politischen
Anschauungen, mehr noch aber seiner geistigen, emotionalen und nicht
zuletzt auch erotischen Befindlichkeiten sehen. In vortrefflicher Manier weist
Magenau diese Zusammenhänge auch immer wieder nach. Im Fokus steht
dabei dem Ansatz gemäß das Werk des berühmten deutschen Dichters. Es
wird einer gründlichen Befragung unterzogen und macht Zusammenhänge
mit dem realen Wirken und Erleben des Schriftstellers einsichtig.
Bemerkenswert ist die Fülle an Daten, die Magenau zusammengetragen hat.
Und auch wenn Walser auf Magenaus Rückfrage behauptete: "Ihr Buch ist
interessant zu lesen, aber ich bin das nicht!", so ändert das an der
Schlüssigkeit des Dargestellten doch wenig. Denn Magenau kann sich bei
seinen Interpretationen zur Person Martin Walsers immer auf Fakten stützen,
auf Aussagen, die Walser in seinen zahllosen Interviews und Reden selbst
geäußert hat, auf Briefe, Essays, Zeitungsartikel des Autors selbst oder seiner
Kollegen und Bekannten. Allzu Privates, pikante amouröse Details, die es
den Andeutungen zufolge ja auch gegeben haben muss, interessieren den
Biografen wenig. Überhaupt bleibt die Familie auffallend im Hintergrund. In
Abwandlung des lateinischen Sprichwortes dürfte hier das ungeschriebene
Gesetz gelten: Über die Lebenden nichts Kompromittierendes. Nicht den
Skandal sucht Magenau, sondern das für Walser Symptomatische.
Nebenbei entsteht, und der Klappen- bzw. Buchrückentext verspricht hier
nichts, was nicht gehalten werden kann, zumindest in Ausschnitten eine
Kulturgeschichte der Bundesrepublik. Skandale kommen dabei auch zum
Vorschein. Zumindest erscheint manches im Rückblick skandalös, wenn man
weiß, was Walser damals nicht wissen konnte: wie sich Deutschland bis in
die Gegenwart weiterentwickelt hat.

Kaum noch nachvollziehbar ist heute beispielsweise, wie sich die
vermeintlich klügsten Köpfe der Republik dermaßen dezidiert in den Dienst
von Verbrecherregimen wie der "DDR" oder auch des kommunistischen
Vietnam stellen konnten. Befremdlich mutet es an, dass ein paar umstrittene
Gesetzesvorlagen und die SPIEGEL-Affäre umfassend gebildete Leute wie
die Mitglieder der Gruppe 47 allen Ernstes zu der Annahme verleiten konnte, der Demokratieversuch der Bundesrepublik sei gescheitert und habe in eine
autoritäre Oligarchie gemündet, eine "Privilegien-Demokratie", die es
abzulösen gelte (S. 251), wie es Walser formulierte. Die Irrtümer der linken
Intellektuellen könnten ganze Bücher füllen. Magenau nennt die wichtigsten:
1. Westintegration als Verrat an der Einheit
2. Kommunismus und Anti-Amerikanismus
3. Paranoides Misstrauen gegenüber der jungen Bundesrepublik
Ein Beispiel aus Magenaus Buch: Drohte in den Sechzigern im Wahlkampf erneut ein Erfolg der CDU, verstieg sich ein renommierter Autor wie Rolf Hochhuth zu der Formulierung von der "totalen Machtergreifung" (S. 220) - charakteristisch für den Glauben vieler aus dem Dunstkreis der Gruppe 47, die Wiederkehr des Faschismus in Deutschland stehe unmittelbar bevor. Derlei kann man heute nur noch als paranoid bezeichnen. Unnötig darauf hinzuweisen, dass diese Paranoia genau der Nährboden war, auf dem später die RAF gedieh. Walser selbst forderte sogar ausdrücklich den Umsturz (S. 251). Auch ohne RAF, das zeigt Magenaus präzise Rekonstruktion, war das Putsch-Potenzial der APO und ihrer vermeintlich klugen Köpfe beträchtlich. Heute kann man darüber nur noch mit Kopf schütteln. Walser selbst tut das vermutlich auch, auch wenn sich seine Eitelkeit oft sträubt, Fehler zuzugeben.

Dennoch wandelte Walser sich und wurde so etwas wie der Dichter der Deutschen. Die Eklats um Walsers Rede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels am 11.10.1998 in Frankfurt und die Reich-Ranicki-Satire "Tod eines Kritikers" 2002 brachten ihm zwar später die Vorwürfe des Chauvinismus und Antisemitismus ein. Die Attacken, die Magenau als nicht gerecht einschätzt, repräsentierten jedoch schon damals offensichtlich keine konsensfähige Mehrheitsmeinung. Die Fähigkeit zur Kurskorrektur, zum Eingeständnis von Fehlern ist vielleicht der größte Unterschied zwischen Martin Walser und Günter Grass, dem anderen noch aktiven Großkaliber der deutschen Literatur. Ein Unterschied, der dazu beitragen könnte, dass ersterem, Nobelpreis hin oder her, im Gedächtnis der Deutschen der vornehmere Platz eingeräumt wird. Jörg Magenaus skrupulös faktenorientierte und daher faire Biografie dürfte daran dann zumindest einen kleinen Anteil haben.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Stilsicher, kompetent, gerecht 19. November 2010
Format:Gebundene Ausgabe
Das Buch läßt eine Fülle von Walser-Sekundärtexten über Nacht zu Makulatur werden. Es ist nicht nur so spannend geschriebend wie ein Abenteuerroman im besten Sinne, sondern auch durchweg solide recherchiert, dabei von souveräner Beherrschung der Stilmittel. Herrlich Magenaus feiner Spott, etwa über Reemtsmas unsäglich unredliche Rezension zu "Tod eines Kritikers". Lesen!!!
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Martin Walser verstehen 10. November 2005
Format:Gebundene Ausgabe
Selten habe ich in den letzten Jahren eine so lesbare, faktenreiche und sachliche Biografie gelesen wie die von Jörg Magenau. Er macht es dem Leser leicht, das Werk Martin Walsers zu verstehen, weil er es auch anschauliche Weise darzustellen vermag. Bei aller Kritik an Walser, die meist ja in den letzten Jahren eher unsachlich bis perfide war, wird einem seine Verhaltensweise deutlich, seine Ansichten werden nachvollziehbar. Walser ist nicht der böse Bube, als den man in den letzten Jahren immer wieder hinstellen wollte, er ist unser produktivster Schriftsteller - und ich wage zu prophezeien, er wird derjenige sein, bei dem man auch noch in hundert Jahren erkennen werden kann, wie die Menschen Ende des zwanzigsten Jahrhunderts lebten, liebten und dachten (dies sage ich trotz eines Grass, trotz eines Siegfried Lenz u.a.m., die sicher auch mit ihrem Werk "überleben" werden).
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