In langjährigen Studien hat Dieter Forte die Reformationszeit akribisch aufgearbeitet und in einem Theaterstück, das Grundlage für dieses Hörspiel ist, verabeitet. Dabei war ihm Luthers Verhältnis zur Macht und Revolution wichtiger als der eigentliche Theologiestreit. Große dokumentarische Genauigkeit zeignet dieses Hörspiel aus.
Anfang des 16. Jahrhunderts zum Beginn der Neuzeit befand sich die Welt - wie auch heute im 21. Jahrhundert - im Umbruch und die alte Werteordnung löste sich auf.
Der Schwerpunkt des Hörspiels ist am Untertitel "oder die Einführung der Buchhaltung" zu erkennen. Jakob Fugger II. war der reichste Mann Europas. Fugger zieht die Fäden und hält sie fest in seinen Händen. Kaiser und Fürsten waren bei ihm verschuldet und von ihm abhängig. Um des Profits willen finanzierte er die Konflikte zwischen den verfeindeten Parteien und Martin Luther wurde zum Spielball der Mächtigen.
Wir werden auch Zeuge der ersten Globalisierung und lernen Kapitalismus pur mit seinen negativen Auswirkungen kennen.
Michael Thomas spricht den Martin Luther so, wie man sich ihn vorstellt. Fromm und einfühlsam, aber polternd und hart. Eine wirklich herausragende Leistung von Thomas.
Auch die anderen Sprecher, u.a. Tilo Prückner (Melanchthon), Tommie Pieper (Dr. Karlstadt), Rüdiger Kirschstein (Münzer), Hans Helmut Dickow (Friedrich von Sachsen), Christian Brückner (Spalatin), Peter Lück (Cajetan) und Günter Mack als Jakob Fugger der Reiche, sind großartig.
Die Musikuntermalung ist ist ebenfalls sehr gut. Nur die durchgehende Trommel- oder Paukenbegleitung, auf CD 3 als Stilelement zur Unterstützung der Handlung eingesetzt, nervt auf Dauer doch sehr. Auch kann man dadurch die Dialoge schlechter verstehen.
Alles in allem aber ein großartiges Hörspiel, das aktueller denn je ist. Der Hörer wird überrascht darüber sein, wie sich einige Vorgänge im 21. Jahrhundert wiederholen können.