fahren, weil sie keinen Passierschein erhalten. Was für Parallelen! Denn diese Episode spielt nicht etwa 1965 nach dem Bau der Mauer sondern nach dem ersten Weltkrieg. Es sind die im Elsass Lebenden, die keine Möglichkeit haben, in das verfeindete Deutschland zu reisen. Pascale Hugues schildert das Leben ihrer Großmütter: Marthe der Französsin und ihrer besten Freundin Mathilde, die einen deutschen Vater und eine belgische Mutter hat. Es ist zugleich die wechselvolle und zum Teil verschwiegene Geschichte eines Grenzlandes, das bis 1918 deutsch, danach französisch, im zweiten Weltkrieg wieder deutsch und seit 1945 wieder französisch war. Sie berichtet von Vertreibungen und Annäherungen, vom Vergessen und sich Erinnern. Diese Wechsel haben tiefe Spuren im Leben der Menschen hinterlassen: 1918, als die Deutschen vertrieben werden, kann Mathildes Familie nur mit Not im Elsass bleiben. Zu Mathilde, die die Schule nicht mehr besuchen darf, von der sich alle Freundinnen abwenden, hält allein Marthe. Diese Erfahrungen und Verunsicherungen haben Mathilde für ihr ganzes weiteres Leben geprägt.
"Mathilde machte sich nicht die Mühe, diese einzelnen Erinnerungs-splitter zu ordnen. sie gab mir ihr Leben in losen Folgen. Sie passte ein Fragment ans andere, ohne sich um die chronologische Reihenfolge zu kümmern. An mir lag es, diese einzelnen Episoden zusammenzusetzen" formuliert Pascale Hugues an einer Stelle und so hat sie auch ihr Buch geschrieben: Sie springt von Zeit zu Zeit, von Ort zu Ort. Manchmal fällt es schwer, ihr zu folgen. Wie die Autorin bei einer Lesung erklärte, hatte sie auch lange Zeit vor, das Leben von Mathildes älterer Schwester zu schreiben, die in den 20ger Jahren als engagierte Sozialistin Lehrerin an einer Berliner Reformschule war. Diesen Wechsel im Focus merkt man dem Buch mitunter an. Trotz dieser Einschränkungen hat mich dieses Buch über eine lebenslange Freundschaft fasziniert und gerührt.