Ein ebenso schrecklicher wie großartiger Film. Sicherlich: die Hintergrundästhetik der 60er wirkt in den ersten Einstellungen befremdlich und heute vielleicht weiter entfernt als einige Hollywoodstreifen aus den 40ern und 50ern. Wunderbar aber, wie dieses Setting die Enge der Moralvorstellungen rahmt, durch die hier die Tragödie ihren Lauf nimmt. Und auch nachdem ich den Film jetzt einige Male gesehen habe, bin ich immer wieder begeistert von der schauspielerischen Leistung der beiden Hauptdarsteller. Der junge Karlheinz Böhm brilliert hier in denkbar scharfem Kontrast zum süßen Sissi-Kaiser-Image als hinterhältig böser Biedermann. Und Margit Carstensen spielt so wunderbar glaubwürdig das Opfer, die Frau, die zunächst naiv infantil sich aus dem autoritären Elternhaus in die Ehe flüchtet und die nie mehr als eine vage Ahnung davon bekommt, dass ihr Gatte sie nach allen Regeln der psychologischen Kunst zu Grunde richtet.
Wunderbar nicht nur als ruhiger aber harter Blick auf die Abgründe des Justemilieu der frühen 60er, sondern immer wieder sehenswert vor allem auch als Studie über die kleinen hässlichen Formen der Gewalt in Ehe und Haus, die sich schwer benennen lassen und gerade darum das arglose Opfer hilflos in der Angst versinken lassen. Eine Radikalisierung des "Effi Briest"-Themas (die "Angst aus Kalkül") und in einiger Hinsicht ein filmisches Pendant zu Bachmanns "Das Buch Franza". Wenig Tempo und wenig Action, aber viel Regie-Sinn für die Entfaltung eines psychologisch raffinierten Verbrechens, das vor aller Augen seinen Lauf nimmt und für das es keine Gesetze gibt.