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Martha Freud: Die Frau des Genies Taschenbuch – 1. November 2002


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Über den Autor und weitere Mitwirkende

Katja Behling, geb. 1963, Studium der Medizin und Promotion, Ausbildung zur Psychotherapeutin, daneben als Medizinjournalistin tätig. Lebt in Hamburg. Veröffentlichung: Zu Tisch bei Sigmund Freud. Wien 2000.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

In der Berggasse
Im Sühnhaus gründete das junge Paar seinen gemeinsamen Hausstand, hier schufen sie das häusliche Idyll, das sie sich vor der Hochzeit in rosigen Farben ausgemalt hatten: zwei oder drei Zimmer, Tische und Stühle, Betten, Spiegel und eine Uhr, ein Lehnstuhl, Wäsche mit zierlichen Bändern gebunden. Anfang September 1891, drei Kinder waren schon auf der Welt, zogen sie in die Berggasse um. Martha soll von der neuen Adresse unweit des Universitätsviertels nicht gerade hellauf begeistert gewesen sein. Zu spät - ihr Mann hatte den Vertrag für die leerstehende Etagenwohnung in dem Haus Nummer 19 schon unterschrieben. Die Wohnung war leider nicht allzu groß, die Stiegen im Treppenhaus zu steil, das ganze Haus zu dunkel. Die kleine Straße, die wenig hermachte, obwohl sie im oberen Bereich an ein vornehmes Wohnviertel grenzte, gefiel ihr nicht sonderlich. Die kleinbürgerliche Nachbarschaft war ihr zu ärmlich: der untere Teil der Gasse mündete in den Tandelmarkt, einen volkreichen Platz, auf dem auch allerlei Trödel feilgeboten wurde. Viel lieber hätte sich die junge Arztgattin in einer grünen Villengegend niedergelassen. Vielleicht schwebte ihr so etwas wie Wandsbek vor, ein Haus mit Garten und Platz für die Kinder zum Spielen, ähnlich den Häusern, in denen sie später die langen Sommerferien verbrachten. Der Vielarbeiter Sigmund Freud aber war auf die Nähe zur Universität und kurze innerstädtische Wege angewiesen.
Die Freuds wohnten schließlich mehr als vierzig Jahre in der Berggasse. Hier befand sich auch die Praxis mitsamt der berühmten Couch, dem Geschenk einer dankbaren Patientin. In seinem Zimmer, von dem aus er auf einen Wiener Hinterhof mit einer großen Kastanie blickte, gelangte Freud zu den Einsichten, mit denen er Geschichte schrieb. Nebenan tobte das Leben der Familie. Beruf und Privates lagen eng beieinander. Daran änderte sich in all der Zeit nur wenig. Der Einrichtungsstil der Wohnung mit hohen Decken, Parkettfußboden, damastbespannten Wänden und behaglichen Kachelöfen war aus damaliger Sicht weder modern noch avangardistisch, sondern gutbürgerlich-gediegen, mit repräsentativer Note und solidem Komfort. Martha brachte einiges aus ihrem Elternhaus mit, das andere schafften sie an, um aus den Räumen ein Zuhause zu machen: feine Möbel aus dunklem Edelholz, bequeme Plüschsessel, prächtige Orienteppiche, üppige Samtportieren, bestickte Seidenkissen, gehäkelte blütenweiße Deckchen, schimmerndes Kristall, zartes Porzellan, immer mehr Bücher, Kunstgegenstände, Andenken, Sammelstücke und gerahmte Fotos - ein bildungsbürgerliches Refugium.
Der Alltag in der Berggasse war streng reglementiert und arbeitsteilig organisiert. Dies bekam Freud schon bald zu spüren: Wenige Monate nach der Hochzeit rügte ihn Martha, er bringe mit seiner Schlamperei ihre ganze Ordnung durcheinander, worauf er ironisch meinte, er müsse sich wohl als Pantoffelhelden betrachten. Als vorzügliche Hausfrau, die sie war, duldete sie in ihrem Bereich weder Nachlässigkeit noch Schlendrian. Doch ihre Systematik kam ihm entgegen, denn Struktur, Planmäßigkeit und unbedingte Pünktlichkeit waren im Wertesystem der beiden weit oben angesiedelt. Ohne ausgefeilte Abläufe hätte keiner aus der Familie seinen Aufgaben gerecht werden können, Freud schon gar nicht. Alles hatte reibungslos zu funktionieren, damit der Blick auf die wirklich wichtigen Dinge nicht verstellt wurde. Kleinkram mußte Kleinkram bleiben. Er war von den "Miseren des Alltags", wie Martha es ausdrückte, freigestellt und konnte sich auf ein belastbares häusliches Team verlassen. "Eine gute Frau muß alles können", pflegte er zu sagen und illustrierte auf diese Weise die hohen Standards im Hause Freud. Zu ihnen gehörte nicht nur, daß jeder auf seinem Gebiet das Beste leistete, sondern auch die Schaffung der besonderen Atmosphäre, die sie sich für ihr Heim wünschten. Oskar Pfister, ein Freund des Hauses, sprach Martha einmal seine Anerkennung für das Familienleben aus, das sie hervorgebracht und aufrechterhalten hatte, und erinnerte sich dabei an seinen ersten Besuch im April 1909: "Man fühlte sich in Ihrem Hause wie in einem sonnigen Frühlingsgarten, hörte lebensfrohe Lerchen und Amseln singen, sah leuchtende Beete und ahnte reichen Sommersegen."

Die letzten Jahre
Im ersten Nachkriegswinter war Martha, nun Mitte Achtzig, eine immer noch rüstige Dame. Sie wies den Gärtner an, machte täglich Einkäufe und versuchte in jeder Beziehung, ihre Oberhoheit über die häuslichen Angelegenheiten aufrechtzuerhalten. Wie gewohnt, las sie viel, korrespondierte mit Freunden, frönte ihrer Handarbeitsleidenschaft, und anläßlich von Festtagen schrieb sie kleine Gedichte. Mehr und mehr richteten sich alle wieder im normalen Alltag ein. Den Kindern ging es gut, alte Freunde, von denen man lange nichts gehört hatte, meldeten sich. Jeder erzählte, was er vom Schicksal und Verbleib gemeinsamer Bekannter wußte. Martha bemühte sich, das Haus in Maresfield Gardens auch für die Töchter der Schwestern ihres Mannes zu einer Heimat zu machen. Es war ihr ein Trost, den Nichten auf diese Weise vielleicht helfen zu können, mit dem schrecklichen Schicksal ihrer Mütter fertig zu werden. Ein Brief vom Roten Kreuz hatte die Familie über das entsetzliche Ende der vier betagten Frauen informiert. Soweit man in Erfahrung hatte bringen können - die Angaben bezüglich der genauen Daten und Todesumstände sind widersprüchlich -, waren sie 1942 umgebracht worden: Marie in Theresienstadt, Dolfi, Rosa und Pauline in Lagern, in die sie von Theresienstadt aus deportiert worden waren. Später stellte sich heraus, daß man Rosa in Auschwitz und ihre beiden Schwestern in Treblinka ermordet hatte.
Doch nicht nur familiäre Kontakte wurden wieder intensiver, war doch der Name Freud mittlerweile zu einem Mythos geworden. Zahlreiche Besucher wollten der "Frau Professor" ihre Aufwartung machen, und Martha ließ die glorreiche Vergangenheit wieder aufleben. Sie genoß die Tatsache, daß ihr Mann eine solche Bedeutung erlangt hatte, ebenso wie den Nimbus, die Witwe Sigmund Freuds zu sein. Erst jetzt war deutlich geworden, daß die Psychoanalyse eine umfassende wissenschaftliche Bewegung und keine Modeerscheinung war, und der damit verbundene Ruhm gehörte auch ihr. Sie, die Selbstbeherrschte, wirkte in den Jahren ihrer Witwenschaft auf viele Menschen wesentlich aufgeschlossener und zugänglicher als während der Ehe. Sie nahm an dem Geschehen um sie herum intensiv Anteil, manchmal zu intensiv, wie Anna zu ihrem Leidwesen feststellte. Aus ihrer Sicht war die Mutter nicht nur im Haus zu dominant, sondern auch viel zu interessiert an den Patienten, die nach oben in das Sprechzimmer kamen. Dabei bot das Kommen und Gehen der oftmals prominenten Erwachsenen, die Anna aufsuchten, reichlich Stoff, während die Kinder leider viel weniger Anlaß zu Vermutungen und etwas Klatsch im Hause gaben. Doch darin verstand Anna absolut keinen Spaß. So ernst wie Mann und Tochter scheint Martha die psychoanalytischen Segnungen jedenfalls nicht genommen zu haben, auch die Kinderanalyse war für sie keineswegs sakrosankt. Schon in Wien hatte Martha festgestellt, welche Unmengen von Wollknäueln bei der Behandlung verbraucht und wie viele Teller Kekse den kleinen Analysanden serviert wurden, an denen sie sich offenbar schadlos hielten. Dieser nicht eben knapp bemessene Aufwand veranlaßte Martha zu der lakonischen Bemerkung: "Sie läßt sich's was kosten, die Kinderanalyse!"
Nicht nur die Zeiten, auch Martha selbst hatte sich verändert. Noch immer betrauerte sie ihren Mann und ihre Schwester, aber es tröstete sie, daß sie nicht allein war, sondern viele Menschen ihr Aufmerksamkeit schenkten. Sie empfing jeden Besucher mit gleichbleibender Höflichkeit, charmant und liebenswürdig, auch wenn sie spürte, daß das Interesse vor allem dem letzten Wohnsitz ihres Mannes und seinem Gedenken galt. Anna unterstützte diese Tendenz und stellte ihren Vater, wie es schon dessen Mutter getan hatte, auf...

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