Inhalt:
Kinder können grausam sein, wie wir in Marterpfahl" erschreckend feststellen können. In den 80er Jahren verbringen die vier Jugendlichen- Roland, Thomas, David und Sonja, die Indianer", den Sommer mit Indianerspielen, Schwimmbadbesuchen, Radfahren und so allerlei mehr oder weniger harmlosen Unfug, wie man ihn von Jugendlichen erwarten kann, die in einer Zeit aufwachsen, in der Gameboy, Ipod und sonstige elektronische Spiele noch unbekannt sind. Als Marc, ein Junge, den sie im Schwimmbad kennengelernt haben und der Spott und Hänseleien ertragen muss, bei Ihnen Anschluss sucht, sind sie nicht gerade begeistert. Dennoch laden sie ihn zu einem gemeinsamen Nachmittag und schließlich zu einer Mutprobe ein. Marc ist zu allem entschlossen, Hauptsache, er kann seinen neuen Freunden" beweisen, dass er es verdient, einer von ihnen zu werden. Doch die Mutprobe ist alles andere als einfach und verlangt eisernen Mut, aber Roland, Häuptling und somit Anführer der Indianer, hat seine eigenen Vorstellungen dieser besonderen Aufgabe. Das Schicksal nimmt seinen Lauf bzw. alles läuft ganz anders als erwartet und am Ende steht eine Schuld, die für alle kaum zu ertragen ist... Zwanzig Jahre später fordert der Unfall-Tod von Sonja die übrigen drei Indianer heraus, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen und es zu Ende zu bringen". Ein weiterer Aufschub scheint unmöglich. Und so beginnt ein Wettlauf, der die seinerzeit verschworene Gemeinschaft dazu bringt, ihre Grenzen erneut zu überdenken und vielleicht sogar zu überschreiten...?
Meine Meinung:
Ein spannender, phantastischer und mystischer Roman, der mich gleichermaßen schockiert wie gefesselt hat. Schockierend war es, mitzuerleben, wie grausam und unbedarft Kinder sein können und fesselnd, weil es dem Autor gelungen ist, mich von der ersten bis zur letzten Seite von der Geschichte zu faszinieren.
Die Gefühle und Eindrücke drei Männer, die sich durch den Tod ihrer ehemaligen Indianerfreundin Sonja dazu gezwungen sehen, etwas zu Ende zu bringen", was sie seit 20 Jahren nicht loslässt, werden eindrucksvoll geschildert, ihre Ängste, ihre Hoffnungen.
Der Leser erfährt dabei überraschend wenig über ihre persönliche Situation, gerade soviel, wie nötig erscheint, um deutlich zu machen, wie sehr die dramatischen Ereignisse von damals die Zukunft von jedem Einzelnen geprägt haben. Während der Häuptling" eine Laufbahn als Polizist eingeschlagen hat, ist David zum erfolgreichen Schriftsteller geworden und Thomas zum erfolglosen, trinksüchtigen Fotografen. Doch eines haben alle gemeinsam: ihre Schuldgefühle lassen sie bis heute nicht los, sie werden von Albträumen und geheimnisvollen Erscheinungen heimgesucht.
Der Schreibstil ist flüssig, dabei jedoch geheimnisvoll, steckt voller mysteriöser Andeutungen, sodass man sich während des Lesens bald fragt, welche Erscheinungen nun real oder Einbildung sind. Überhaupt: die Übergänge zwischen Mystik und Realität sind fließend und der Autor scheint den Leser gerade dadurch oft in die Irre führen zu wollen - was ihm durchaus gelingt! Man kann den Visionen, Träumen oder den Augen der Protagonisten nie trauen und weiß daher nie, woran man ist.
Die Schuldgefühle scheinen die Indianer von einst schier zu erdrücken und so hat jeder seinen eigenen Marterpfahl, an dem er steht".
Die Rückblicke in die Vergangenheit, d.h. in die Zeit des Geschehens, werden deutlich durch ein anderes Schriftbild abgesetzt, sodass man sich jederzeit ganz auf die Ereignisse konzentrieren kann.
Die Schilderungen der Jugendlichen, die auf dem Weg zum Erwachsenwerden sind, der heiße Sommer 1985 und die Erinnerungen an alte Spiele, Bonanza-Fahrräder und Musikhits versetzten mich zurück in die 80er Jahre.
Fazit:
Mich hat dieser Roman, der gleichzeitig ein Erstlingswerk des Autoren ist, begeistert, mitgerissen und mir Gänsehaut verursacht und ich empfehle ihn gerne weiter an alle, die Thriller mögen mit einem gehörigen Touch Mysterie.