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Mars
 
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Mars [Taschenbuch]

Fritz Zorn
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (11 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

"Ich bin jung und reich und gebildet; und ich bin unglücklich, neurotisch und allein. Ich stamme aus einer der allerbesten Familien des rechten Zürichseeufers, das man auch die Goldküste nennt. Ich bin bürgerlich erzogen worden und mein ganzes Leben lang brav gewesen. Meine Familie ist ziemlich degeneriert, und ich bin vermutlich auch ziemlich erblich belastet und milieugeschädigt. Natürlich habe ich auch Krebs, was aus dem vorher Gesagten eigentlich selbstverständlich hervorgeht." Mit diesen Sätzen beginnt der junge Schweizer Autor, der sich selbst den Na-men Fritz Zorn gibt, seine Aufzeichnungen, in denen er über sich, seine Herkunft und seine Krebserkrankung berichtet.
Schwere Depressionen und tiefe Traurigkeit hatten den dreißigjährigen Millionärssohn und Gymnasiallehrer veranlasst, psychotherapeuti-sche Hilfe zu suchen. Während seiner Behandlung erfuhr er, dass er an Krebs litt. Die Krankheit wird zum auslösenden Moment der Selbsterfahrung, einer rücksichtslosen Betrachtung des eigenen ungelebten Lebens. In seinem Krebs sieht Zorn nur die somatische Form seiner Neurose, die ihren Ursprung im Elternhaus am Zürichsee hat; in dieser gespenstigen Familie, in der man Berührungen vermeidet, jede Herausforderung von Realität unter der Magie des Rituals versteckt, jeden Anflug von Sexualität mit dem Begriff der Anständigkeit vertreibt. "Man kann eine Kindheit haben, ohne Kind zu sein; eine Jugend, ohne jung zu sein; erwachsen werden ohne Gegenwart", schreibt Adolf Muschg in seinem Vorwort zu diesem Buch. Erst die physischen Qualen der Krebserkrankung durchbrechen den Schutzschild der "Unempfindlichkeit der Seele", erst der drohende Tod erweckt den Widerstand - gegen die Krankheit, gegen die familiäre und soziale Herkunft, gegen das Nichtlebendürfen. Zorn hat die Veröffentlichung seiner Aufzeichnungen nicht mehr erlebt, er starb 1976 - 32 Jahre alt - an Krebs.
Mars - das Zeugnis eines Todkranken - übt erbitterte Kritik am falschen Ideal und Lebensstil einer Klasse und erregte weltweites Aufsehen.
Der Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg, der das Manuskript entdeckte und dem Verleger anbot, schreibt in seinem Vorwort in sehr persönlicher Weise über die Entstehung des Buches und seinen Autor.

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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Perfektes Milieuporträt, 15. April 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Mars (Taschenbuch)
Ein beeindruckendes Buch eines Sterbenden, der mit messerscharfer Intelligenz die perfekte bürgerliche Fassadenwelt, in der er aufwuchs, analysiert. Es grenzt an ein Wunder, dass der Mensch, der sich hinter "Fritz Zorn" verbirgt, nach seiner Erziehung überhaupt in der Lage war, seine Lage zu erkennen und derart treffend zu beschreiben. Wer Menschen aus dem Milieu kennt, das "Fritz Zorn" beschreibt, weiss, dass seine Kritik auch heute noch aktuell ist.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Messerstich, 7. April 2008
Rezension bezieht sich auf: Mars (Taschenbuch)
Dies ist weder Literatur noch Autobiographie - es ist ein Messerstich (oder wie der Autor gesagt hätte, "der Stich der zertretenen Biene in den Fuß des Zerstampfers").

Hier beschreibt einer sein Sterben, der erst mit dem Sterben zu leben begann - und dies dokumentierte. Und er weiß, "woran er gestorben sein wird": An einer Erziehung, die das Lebendige, Kreative, "das Kreisen" im Kind zerstört und durch Anpassung, Verbiegung, Fassade - ersetzt.

Liest man dazu parallel bspweise Alice Millers "Das Drama des begabten Kindes" wird schnell klar, dass hier nicht von einem Einzelschicksal die Rede ist, sondern von einem System, einem gesellschaftlichen System, das uns alle tangiert: Die Zerstörung des lebendigen "Selbst" eines jeden - mehr oder weniger, denn: Nicht alle sterben daran wie der Autor, der wie er sagt, "zu viel Zerstörung abbekam". Ein Prozess, der sich wie ein Computervirus von Generation zu Generation selbst zu reproduzieren vermag.

Sollten wir tatsächlich, wie Bukowski sagt, "als Genies geboren werden" - wäre es ein schönes Ziel, nicht wenigstens "als Idioten zu sterben".

Ein wichtiger Text für heute - gerade heute, wo im Namen von Globalisierung und Wettbewerb die Menschen noch mehr dazu aufgefordert sind, ihre eigentlichen Bedürfnisse dem maschinenhaften Funktionieren unterzuordnen - egal, wie lebensfeindlich das sein mag: vom Menschen zur "human ressource". Nur vier Punkte, weil der Autor am Ende de facto redundant schreibt und daher die letzten beiden Kapitel nichts zum Vorigen hinzufügen - aber bis dahin: lesen und berühren lassen!
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42 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Anklage eines Sterbenden, 20. Mai 2001
Von 
E. Hahn (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Mars (Taschenbuch)
Ein Buch über einen neurotisch, unglücklichen Millionärssohn welcher in gutbürgerlichen Verhältnisssen in der Schweiz aufwächst. 30 Jahre lebt er völlig beziehungslos vor sich hin ist in jeder Hinsicht überangepaßt, nie in der Lage eine eigene Meinung zu vertreten. Vom fünfzehnten Lebensjahr an ist er depressiv ohne es zu merken. Es geht ihm ja gut. Er promoviert ohne große Mühen in Romanistik und wird Lehrer für Latein und Spanisch. In seinem ganzen Leben hat er nie eine Frau berührt was er auf seine sexualfeindliche Erziehung zurückführt. Zwei Psychotherapien bricht er ohne Erfolg ab. Schließlich erkrankt er an einem malignen Lymphom - Krebs. Das Buch ist der Versuch seiner Verarbeitung und das herausschreiben des Hasses auf die Gesellschaft die ihn zu dem gemacht hat, was er jetzt ist. Für ihn ist der Krebs nur das Symptom seiner inneren Neurose. Eine dritte Psychoanalyse begleitet ihn 2 1/2 Jahre bis zu seinem Tode. Dem Buch merkt man sehr stark die psychoanalytischen Denkmodelle als auch die Lektüre der entsprechenden peripheren Literatur an. So zitiert er u.a. Reich, Freud, Mitscherlich, Satre. Auch von seinen Haßtyraden und Klagecharakter kann sich das Buch nicht so recht lösen. Es ist ein ständiges Leiden und sich selbst erniedrigen. (Wie Nietzsche schon sagte. Wer klagt, klagt an). Es ist in psychoanalytischer Hinsicht sehr ehrlich, aber auch besonders in den beiden letzten, kurzen Teilen sehr einseitig und redundant. Der Ich Charakter steht für meinen Geschmack etwas zu sehr im Vordergrund. So hat man ständig das Gefühl das der Autor sich von jeder Schuld freizumachen versucht und die ganze Gesellschaft besonders aber seine Eltern als Symbol schuldig spricht. Es scheint als ob er bis zum Schluß bezeihungslos geblieben ist.
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