Marmorera war ein Dorf in Graubünden, das 1954 durch den Bau eines Staudammes geflutet worden ist, um die Stadt Zürich mit Strom zu versorgen. Der historische Stoff wäre ein ausgezeichneter Ausgangspunkt für einen Roman, allerdings verschenkte Dominik Bernet das Thema.
Bernet schrieb nicht nur einen Roman, sondern gleichzeitig ein Filmdrehbuch. Die Idee stammte übrigens vom Filmregisseur Markus Fischer. Das Buch hat denn auch eine filmische Struktur: eine Aneinanderreihung von kleinen Szenen und Perspektivwechsel. Stilistisch ist das Buch gut geschrieben, hat interessante Details und ist auch genau recherchiert, namentlich in Bezug auf medizinische Details. Ich fand das Buch jedoch nicht gut, da ich mich über weite Strecken langweilte. Es kommt keine richtige Spannung auf und es zog mich auch nicht ins Buch hinein. Vielleicht ist die Umsetzung als Film besser. Dort standen jedenfalls sehr gute Schauspieler (Anatole Taubmann, Mavie Hörbiger, Stefan Gubser, Mathias Gnädinger) zur Verfügung. Und Markus Fischer sorgte für die Umsetzung. Statt das Buch zu lesen, sollte man besser gerade den Film schauen.
"Marmorera" ist eine Art Mystery-Thriller. Im Marmorera-Stausee wird eine tote junge Frau gefunden. Eine Frau ohne Identität. Diese geheimnisvolle Wassernixe erwacht jedoch wieder zu Leben und wird so zu einem weiblichen Kaspar Hauser. In der Folge müssen viele Menschen relativ unmotiviert und auf seltsame Weise sterben. Der Psychiater Dr. Simon Cavegn aus Zürich, dessen Familie aus Marmorera stammt, kommt die Aufgabe zu, das Geheimnis der Unbekannten zu ergründen. Dabei verliert er selbst den eigenen Verstand, weshalb sich Wahrheit und Wahn vermischen. So ist nicht immer klar, was real und was irreal ist. Insgesamt fand ich die Story etwas konfus, oberflächlich und unklar. Auch sind die Figuren ziemlich blass. Die ganze Pseudo-Mythologie wirkt aufgesetzt. Für einen Mystery-Thriller ist das Ganze zu wenig gruselig und zu wenig spannend, um als Mystery-Thriller überzeugen zu können.