Aus der Amazon.de-Redaktion
Auch Marlene, Vilsmaiers Filmbiographie der umstrittenen Diva Marlene Dietrich, ist dieser doppelten Strategie verpflichtet. Eine deutsche Wunde soll geschlossen, ein Land soll mit seinem größten Star versöhnt werden, der ihm 1933 den Rücken gekehrt und ein Zeichen gesetzt hatte. Deshalb nimmt Vilsmaier sich Freiheiten, erfindet einen guten deutschen Offizier (Heino Ferch), der nun Marlenes große Liebe ist. Die Zuneigung des Stars -- der sonst nur an seine Karriere gedacht hat -- zu dem Soldaten symbolisiert in Vilsmaiers Vorstellung die Liebe der Dietrich zu einem anderen, besseren Deutschland; ein Kniff Hollywoods, der hier aber auf fatale Weise ins Leere läuft. Denn Marlene ertränkt diese schicksalhafte tragische Liebe in hohlen Bildern, die weder Emotionen heraufbeschwören noch den Zwiespalt der Diva zwischen ihren Überzeugungen und ihren Gefühlen ausdrücken.
Vilsmaier scheitert hier an seinen großen Ambitionen, denen das Drehbuch mit seinen Seifenopern-Dialogen nie gerecht werden kann. Selbst im Hinblick auf den Stil hat er sich hier scheinbar übernommen. Wenig ist in Marlene zu spüren von Vilsmaiers Erfahrung als Kameramann, von seinem Auge für Landschaften und Räume. Aber trotz all seiner Schwächen besitzt diese Annäherung an die unnahbare Dietrich doch einen gewissen Charme. Alleine der Wille, unserer (Film-)Geschichte in Form eines bunten und schnellen Szenenreigens beizukommen, setzt Marlene von den meist schulmeisterlichen deutschen Versuchen auf dem Terrain des Historienfilms ab. --Sascha Westphal
Video Jakob Kurzinhalt
Movieman.de
Moviemans Kommentar zur DVD: Leider im Bild beschnitten und im Ton nur Surround. Hier wäre durchaus ein PERFEKT im Bereich des Möglichen gewesen. Das Cover und die helle Amaraybox wirken unangemessen für diesen Titel. Ein richtiges Inlay sollte man diesem Film auch zugestehen. Das Bonusmaterial ist von ausreichendem Umfang, die Schrift der Filmografien viel zu klein und bei einem 82ér TV schon kaum zu entziffern. Der Szenenvergleich ist von der Idee her gut, aber lediglich eine Szene, naja. Das Menü ist mit Vorspännen animiert und mit einem deutlichen Projektorenrattern im Hintergrund klasse umgesetzt worden. Das Manöverieren im Kapitelmenü ist allerdings grausam gelöst. Von der zweiten zur dritten Seite benötigt man sage und schreibe 4! Tastendrücke. Warum nicht bei nur 12 Kapiteln eine Kapitelreihe auf einer Seite zur Direktanwahl? Letztlich ist die Werbung zum Parfum genauso passend, wie eine Werbeunterbrechung im Film.
Bild: Leider wurde die Scope-Fassung nicht benutzt, oder in den Film hineingezoomt. So bleiben auf der zwar immer noch 1,78:1 breiten Fassung schon einige Details des Filmes verborgen. Ob Vilsmaier das so gewollt hätte? Nun gut, Comedian Harmonists aus seiner Feder ging es ja einst genauso. Des bildes Stärken sind die leuchtenden Farben und die hohe 16:9-basierende Schärfe. An manchen Stellen deutliches Grieseln und damit in Zusammenhang stehender Mattscheibeneffekt fällt in (00.20.10, 00.35.35, 00.40.10, 01.41.37) schon störend auf. Ein, wie bei anderen Anbietern durchaus übliches, gezieltes Entrauschen oder auch Anheben der Kompression dieser Szenen, hätte sicher Besserung gebracht. Der Kontrastumfang läßt auch in dunklen Szenen gute Grauabstufungen zu und hat nur bei Gegenlicht leichte Probleme mit Gesichtern.
Ton: Guter Surroundklang, der hauptsächlich von der klassischen Musik getragen wird. Eigentliches Filmgeschehen bleibt akustisch nur Durchschnitt, was aber bei Vilsmaier-Filmen "üblich" scheint. Die Sprachverständlichkeit ist gut und scharf umrissen. Unterhalb von rund 180hz ist die Akustik praktisch unhörbar geworden, was schon etwas die Möglichkeiten eines besseren Urteils schmälert. Warum der Ton "nur" in DD 2.0 Surround gespeichert wurde, bleibt rätselhaft, da der Ton sicherlich in 5.1 aufgezeichnet wurde. Somit bleibt das GUT. --movieman.de