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Marlen Haushofer: Die Biographie
 
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Marlen Haushofer: Die Biographie [Gebundene Ausgabe]

Daniela Strigl
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 397 Seiten
  • Verlag: Claassen Verlag (1. März 2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3546001877
  • ISBN-13: 978-3546001878
  • Größe und/oder Gewicht: 22,2 x 14,7 x 4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 79.828 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Daniela Strigl
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Hinter Wänden

Marlen Haushofer zwischen Dämonie und Idylle

Von Günther Stocker

Mit ihren düsteren Innenansichten zur Lebenswelt von Frauen in den fünfziger und sechziger Jahren ist die österreichische Schriftstellerin Marlen Haushofer (1920–1970) nach ihrem Tod zu einer Kultautorin des Feminismus avanciert. In ihrem Erzählwerk, dessen Lektüre auch heute noch lohnt, durchdringt sich die Katastrophe des weiblichen Alltags mit jener der Geschichte.

«Es stimmt nicht», schreibt Marlen Haushofer im Jahr 1952 an ihren Freund und Förderer Hans Weigel, «dass ich nicht idyllisch sein will. Ich möchte sehr gern, aber das wäre gelogen.» Und lügen wollte die am 11. April 1920 in einem kleinen oberösterreichischen Dorf als Maria Helena Frauendorfer geborene Autorin auf keinen Fall. Im Gegenteil. Illusionslos und exakt beschreibt sie in ihren Romanen und Erzählungen die bürgerliche Welt der Nachkriegszeit, und da gab es wahrlich wenig Anlass zu Idyllen. Die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs war noch ganz nahe, aber in Österreich machte man sich schon eifrig ans Vergessen. Die Männer, die den Krieg überlebt hatten, drängten wieder auf ihre Arbeitsplätze und trieben ihre Frauen zurück an den Herd. Deren Entfaltungsmöglichkeiten waren in den Zeiten des «Weiblichkeitswahns» (B. Friedan) der fünfziger Jahre durch enge Rollenmuster festgelegt: Hausfrau und Mutter oder «Sexbombe», am besten beides in einer Person.

Wohl bei keiner anderen Autorin wird so oft Staub gewischt, Boden geschrubbt und Geschirr abgewaschen wie bei Marlen Haushofer. Und wohl bei keiner anderen Autorin sind die Protagonistinnen so endgültig in ihrer tristen Alltagswelt eingesperrt. Mit grosser Sensibilität spürt Haushofer den dadurch zerstörten Träumen, den erlittenen Verletzungen und Erniedrigungen nach und denkt sie bis zur unvermeidlichen Katastrophe zu Ende.

DOPPELLEBEN

Von vielen damaligen Rezensenten wurden die Leiden ihrer Frauenfiguren als Überempfindlichkeit oder gar als psychische Störungen gelesen, dabei verkannten sie die Tatsache, dass hier eine Autorin nicht von der Ausnahme, sondern von der alltäglichen Wirklichkeit zwischen den Geschlechtern schrieb. Die konsequent weibliche Perspektive, die heute noch einen wesentlichen Reiz von Haushofers Literatur ausmacht, konnten oder wollten sie nicht sehen. In der späteren Rezeption ihrer Werke gibt es dann die Tendenz, in den geschilderten Schicksalen die Abrechnung der Autorin mit dem eigenen Hausfrauendasein zu sehen. Sie war seit 1941 mit dem Zahnarzt Manfred Haushofer verheiratet, hatte zwei Kinder und musste fallweise auch noch in der Praxis des Mannes aushelfen. In den Briefen und Tagebuchaufzeichnungen ist immer wieder davon die Rede, wie sehr sie die Hausarbeit belastete, vor allem weil sie ihre schriftstellerische Tätigkeit behinderte. Marlen Haushofer musste ein Doppelleben führen und fand neben der Versorgung des kränkelnden Ehemannes und dem Grossziehen der Söhne selten die Ruhe fürs Schreiben. Und nur hin und wieder konnte sie aus der Provinzstadt Steyr bei Linz, in der sich die Haushofers 1947 niedergelassen hatten, nach Wien fahren, um dort wenigstens sporadisch am intellektuellen Leben teilzunehmen.

Aber weit mehr als autobiographische Bewältigungsliteratur liefern die Bücher Haushofers eine präzise Innenansicht der Lebenswelt von Frauen in den fünfziger und sechziger Jahren, deren Lektüre auch heute noch äusserst lohnend ist. In diesem Jahr jährte sich ihr Todestag zum dreissigsten und ihr Geburtstag zum achtzigsten Mal, und eine Reihe neuerer Publikationen bietet die Gelegenheit, Leben und Werk der Autorin kennen zu lernen. So sind vor kurzem eine Biographie (von Daniela Strigl) und ein Band mit Texten und Briefen aus dem Nachlass (herausgegeben von Liliane Studer) erschienen, und Haushofers zweiter Roman, «Die Tapetentür», aus dem Jahr 1957 wurde bei Zsolnay neu aufgelegt.

Die Beschränkungen, auf die weibliche Lebensentwürfe in der Nachkriegszeit stiessen, verkörpern sich bei Haushofer in allgegenwärtigen Wänden. Die Protagonistinnen schliessen sich in abgelegene Zimmer ein («Die Mansarde», 1969), verbringen Stunden vor dem geschlossenen Fenster («Wir töten Stella», 1958) oder ersinnen imaginäre Fluchtwege («Die Tapetentür»). Die Wände haben dabei eine ambivalente Funktion. Einerseits sind sie Zeichen für die Einsamkeit und die Ausgrenzung der Frauen in einer ihnen fremden Welt. So heisst es bereits im ersten Roman Haushofers («Eine Handvoll Leben», 1955) über die Heldin: «Eine unsichtbare Wand hatte sich zwischen sie und alle Dinge geschoben und liess ihre Sinne ertauben.»

Andererseits bieten diese Wände auch Schutz. Wie in einen Kokon ziehen sich die Protagonistinnen vor der Aussenwelt zurück: «Eine Tür hinter sich zusperren, was konnte es schon Besseres geben?» «Ein Zimmer für sich allein», nannte das Virginia Woolf seinerzeit. Entfremdung und Rückzug sind bei Haushofer jedenfalls keine Folge privater Empfindlichkeiten, sondern Reaktionen auf eine feindliche Gesellschaft, in der die Gerichte Unrecht produzieren, Kinder in grauen Betonstädten aufwachsen, wo der Lärm der Technisierung und die atomare Bedrohung des Kalten Krieges allgegenwärtig sind. «Es ist nicht auszudenken, wie eng und armselig wir die Welt gemacht haben», schreibt sie in «Die Mansarde», ihrem letzten Roman, den sie, schon schwer an Knochenkrebs erkrankt, kurz vor ihrem Tod fertigstellte. Im Vergleich zur engagierten Literatur der sechziger Jahre bleiben Gesellschaftsanalyse und Zivilisationskritik hier freilich sehr allgemein, die Formulierung traditionell. Doch Marlen Haushofer konnte auch wesentlich radikaler sein.

In ihrem erfolgreichsten und von ihr selbst als am gelungensten empfundenen Roman, «Die Wand» (1963), nimmt Marlen Haushofer die metaphorischen Trennwände wörtlich. Eine Frau in mittleren Jahren möchte mit ihrer Cousine und deren Mann ein paar Ferientage in einer abgelegenen Jagdhütte verbringen. Nachdem das Ehepaar von einem Ausflug ins nächste Dorf nicht mehr zurückgekehrt ist, macht sich die Ich-Erzählerin auf die Suche und stösst plötzlich gegen eine unsichtbare Wand, die sie in dem Talkessel einschliesst. Ausserhalb ist alles Leben tot, innerhalb muss die Protagonistin von nun an als weiblicher Robinson um ihr Überleben kämpfen. Die Wand ist Lebensretterin und Käfig zugleich. Als mutmassliche Folge eines Atomkriegs bzw. eines militärischen Experiments ist sie aber auch die Materialisierung eines zerstörerischen Gesellschaftsprinzips.

Die faszinierende Story und die gesellschaftspolitische Aktualität dieses Romans in den friedensbewegten achtziger Jahren führten bei seiner Neuauflage 1983 zu einer Haushofer-Renaissance. Die Frauenbewegung entdeckte die fast vergessene Autorin für sich und diskutierte sie so interessiert wie kontrovers. In der Folge wurden auch Haushofers andere Texte neu aufgelegt, ihre Leserschaft verbreiterte sich, und mit Erstaunen wurde festgestellt, wie hier eine Provinzschriftstellerin aus Österreich einen ganz und gar eigenständigen Diskurs zur Geschlechterfrage geführt hatte.

Über die Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen machte sich Marlen Haushofer keine Illusionen: «Nur weil die halbe Menschheit mit tierischem Ernst Wache steht vor ihrer Brut, ist es der anderen Hälfte möglich, sich mehr oder weniger überflüssigen, aber sicher höchst anregenden Spielereien hinzugeben.» Dementsprechend beschäftigen sich die Männer in ihren Texten vor allem mit ihrer Arbeit, diskutieren über Fussball oder lesen Bücher über historische Schlachten. Sie bleiben den Erzählerinnen ein Rätsel und erscheinen ihnen als grosse, seltsame Tiere, oft gefährlich und vor allem unfähig zur Liebe. Für Frauen interessieren sie sich nicht wirklich, für deren Körper allerdings schon, wie Annette in «Die Tapetentür» feststellt: «Gregor weiss nichts von mir, weil nichts ihn interessiert, was über mein erotisches Verhalten hinausgeht, nichts, was er nicht im wahren Sinn des Wortes mit Händen greifen kann.»

HELLSICHTIGKEIT

Das Provozierende bei der Lektüre von Haushofers Romanen ist die Hellsichtigkeit, mit der die Protagonistinnen ihre bedrückende Lage erkennen, und die totale Resignation, mit der sie sich darin ergeben. Annette weiss von Anfang an, dass ihre Beziehung mit Gregor scheitern wird, dass er sie betrügen wird, dass sie es bitter bereuen wird, ihre Gefühle einem Mann so schutzlos preisgegeben zu haben, und trotzdem lässt sie sich darauf ein. Männer und Frauen bleiben sich letztlich unüberwindbar fremd, und keine der Protagonistinnen kann sich aus ihrer desperaten Lage befreien. Mit einer Ausnahme: Als in dem abgeschlossenen Gebirgstal, in dem die Erzählerin von «Die Wand» ihr einsames Leben führt, plötzlich ein Mann auftaucht und ihren Stier sowie ihren Hund erschlägt, tötet sie ihn kurzerhand. Die mühsam erarbeitete Autonomie der Frau kann nur in einer Welt ohne Männer funktionieren, so die provokante These des Textes.

Marlen Haushofer selbst hingegen hat sich mit ihrer gespaltenen Existenz als Hausfrau und Schriftstellerin abgefunden. Obwohl ihre Ehe in die Brüche geht, verlässt sie ihren Mann selbst nach der Scheidung im Jahr 1950 nicht. In Steyr treten die beiden weiterhin als Ehepaar auf, und sie führt nach wie vor den Haushalt. Acht Jahre später heiraten sie erneut. Haushofer leidet, aber bricht nicht aus. In dem bereits erwähnten Brief an Weigel schreibt sie: «Ich steh auf einem Platz, auf den ich nicht gehöre, lebe unter Menschen, die nichts von mir wissen. (. . .) Je älter ich werde, desto klarer sehe ich, wie hoffnungs- und ausweglos wir alle verstrickt sind, und ich bin froh für jeden, der nie zu Bewusstsein kommt.»

Diese Düsterkeit schlägt sich auch in einer kalten und leidenschaftslosen Sprache nieder. Mit derselben Unbarmherzigkeit, mit der die Welt die Erzählerinnen behandelt, sprechen diese über sich und ihr gescheitertes Leben. Dabei gelingen oft Bilder von eindringlicher poetischer Kraft. Hin und wieder allerdings wird die obsessive Selbstanalyse der Figuren geschwätzig und sprachlich ungenau. Marlen Haushofer schrieb ihre Texte fast in einem Zug und überarbeitete sie nur ungern. Für sie war der Akt des Schreibens wichtiger als das fertige Produkt. Nur hier tat sich eine Gegenwelt zu ihrer ungeliebten Hausfrauenexistenz auf: «Eigentlich kann ich nur leben, wenn ich schreibe», vertraut sie 1967 ihrem Tagebuch an.

Die von Feministinnen angemerkte Frage, inwieweit das stille Dulden von Haushofers Heldinnen nicht auch Mittäterinnenschaft bedeutet, hat sie in ihrer Novelle «Wir töten Stella» – neben «Die Wand» sicher der literarisch ausgefeilteste Text der Autorin – eindeutig beantwortet. Die Ich-Erzählerin verfolgt Schritt für Schritt, wie ihr Mann die naive achtzehnjährige Stella, die sie vorübergehend in ihrer Familie aufgenommen haben, verführt und dann im Stich lässt. Die junge Frau kommt darüber nicht hinweg und begeht Selbstmord. Die Novelle beginnt, als alles schon vorbei ist, und für die Ich-Erzählerin ist klar, dass nicht nur die sexuelle Gier und emotionale Kälte ihres Mannes das Mädchen in den Tod getrieben haben, sondern auch ihr eigenes tatenloses Zusehen. Darin liegt die makabre Pointe des Titels.

In diesen lebensgeschichtlichen Dramen lässt sich auch eine spezifische Geschichtserfahrung ablesen. Wie bei Ingeborg Bachmann scheinen in den individuellen Traumata die historischen durch. Nicht so deutlich wie bei ihrer grossen Zeitgenossin, aber doch klar erkennbar ist bei Marlen Haushofer die Erfahrung des Zweiten Weltkriegs in allen Texten präsent. Die Erzählerin der Mansarde verortet die Ursache der «Verrücktheit, die meine ganze Generation befallen hat», in «Ereignissen, denen wir nicht gewachsen waren. (. . .) Zeiten, die ich im Luftschutzkeller verbrachte und er im Schützengraben.» Die Spannung zwischen Erinnern und Vergessen, die fast alle Romane und Erzählungen Haushofers bestimmt, ist eben nicht nur eine Frage der individuellen Befindlichkeit, sondern eines der entscheidenden Themen der europäischen Nachkriegsgeschichte. Ihre Protagonistinnen können nichts verdrängen, weder die gesellschaftlichen Katastrophen noch das verlorene Glück der frühen Kindheit.

Marlen Haushofer schaffte es nicht, aus der engen Welt ihres bürgerlichen Lebens auszubrechen, sie konnte aber auch nicht vergessen, was geschehen war. Im zitierten Brief an Hans Weigel sagte sie, dass es eine Lüge wäre, in Zeiten wie diesen Idyllen zu schreiben, und fügt dann hinzu: «Gerade diese Mischung von Dämonie u. Idylle, auf die ich unentwegt stosse, bereitet mir das grösste Unbehagen u. fasziniert mich zugleich. Vielleicht wäre es meine Aufgabe, gerade das glaubwürdig zu gestalten.» Dass sie diese Aufgabe gelöst hat, davon legt ihr Werk eindrucksvoll Zeugnis ab.

Perlentaucher.de

Pressenotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 19.08.2000
Weitgehend positiv bespricht Carmel Finnan diese Biografie, auch wenn sie vorweg anmerkt, dass der Autorin kein uneingeschränkter Einblick in den Nachlass gewährt wurde. Das wiegt umso schwerer, wie der Leser erfährt, weil Haushofer selbst vor ihrem Tod noch zahlreiche erhaltene Briefe vernichtet hat. Dass es Strigl dennoch gelungen ist, Quellen aufzutun, die neue Einblicke in das Leben Haushofers ermöglichen, hebt die Rezensentin ausdrücklich hervor. Insgesamt sagt Finnan jedoch wenig über die Stärken und Schwächen dieser Biografie, sondern lässt vielmehr das Leben Hausdorfers und einige ihrer Bücher in der Rezension Revue passieren. Sie lobt lediglich am Schluss der Rezension noch einmal die Recherche Strigls, bevor sie abschließend dann einen Aspekt kritisiert: So hat Strigl nach Finnans Ansicht den Fehler gemacht, Haushofers Texte als direkte Widerspiegelung ihrer Erlebnisse zu interpretieren. Haushofer selbst habe jedoch darauf hingewiesen, dass nur "im weiteren Sinne" sich eigene Erlebnisse in ihren Texten wiederfinden, also kein direkter Bezug herzustellen sei.

© Perlentaucher Medien GmbH

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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Zurechtgerücktes Bild einer unterschätzten Autorin !, 25. August 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Marlen Haushofer: Die Biographie (Gebundene Ausgabe)
Daniela Strigl ahnte bereits im Vorfeld dieser Arbeit, worauf sie sich mit de Erstellen einer Biographie von Marlen Haushofer einläßt, wenn sie im Vorwort derselben erklärt, dass das Schreiben von Biographien nur dann ein legitimes Vorgehen ist, "[W]enn sich der Biograph dessen bewußt ist, daß er das Leben der beschriebenen Person nicht rekonstruieren kann, sondern er konstruieren muß."(STRIGL 2000:10).Es war ein längst notwendiges Unterfangen, das Leben jener österreichischen Autorin zu beleuchten, die selbst zeitlebens dafür gesorgt hat, als Person im Schatten zu bleiben.

Marlen Haushofer (1920-1970), die im verstrickten "Mäzenatentum" der österreichischen Nachkriegsliteratur trotz oder gerade wegen ihres stillen Wesens ihren Weg gegangen ist, ist dem durchschnittlichen Rezipienten von Literatur - wenn überhaupt - zumeist in Zusammenhang mit ihrem Roman "Die Wand" ein Begriff, der vor allem von der Frauenbewegung in den 80er Jahren als prototypisches Beispiel einer weiblich-autonomen Individuations-Schilderung strapaziert worden ist. Und es sind Bücher wie jenes von Daniela Strigl, die eben diesen unzutreffenden Ruf Marlen Haushofers als "feministische" Autorin wieder zurechtrücken, wieder hinführen zum Kontext des Gesamtwerkes einerseits und erstmals auch ein organisches Bild der historischen Person Haushofers entwerfen, das hinausgeht über klischeehafte Szenarien.

"Marlen Haushofer.Die Biographie" verbindet souverän und sinnvoll die bewegte Lebensgeschichte der Autorin mit pointierten und stimmigen Interpretationen der zentralen Werke, einfühlsam und doch ohne Sentimentalität wird eine chronologische Entwicklung dargestellt, in der sich logisch und nachvollziehbar Erlebtes und Geschriebenes wie in Spiegeln wiederfindet und weiterspinnt, wobei die historischen Informationen auf der lebendigen Basis von Zeitzeugen (Familie,FreundInnen, KollegInnen von Marlen HAushofer) ruhen und so ein plastisches und facettenreiches, glaubwürdiges Bild liefern. Darüberhinaus kommen Dokumente aus dem Nachlaß (Tagebücher, Briefe,...)zum Einatz, das Buch ist außerdem durch Fotografien aus den verschiedenen Lebensstadien der Autorin illustriert. Der Zugang zu den Texten Haushofers ruht im engeren Sinne auf einer psychoanalytischen Basis, das eigene Gespür von Daniela Strigl wird auch hier gestützt von einschlägiger Literatur, die informativ und unspektakulär zitiert und eingesetzt wurde. Auch die mittlerweile in einem brauchbaren Umfang vorhandene Sekundärliteratur über Marlen Haushofer wurde gekonnt eingebaut und auch im Literaturverzeichnis aufgelistet, was für weitere philologische Arbeiten zum Thema eine nützliche Auswahlbibliographie darstellt. Insgesamt ist dieses Buch ein äußerst wertvoller Beitrag sowohl für interessierte und neugierige Leser als auch für die langsam sich entwickelnde Haushofer-Forschung der internationalen Germanistik, eine Biographie, die gerade durch das Bewußtsein der Autorin um den hohen Risikogehalt des biographischen Arbeitens zu einem besonders gelungenen Exemplar dieses Genres geworden ist.

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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Diese Biographie ist durchaus empfehlenswert!, 6. Oktober 2001
Rezension bezieht sich auf: Marlen Haushofer: Die Biographie (Gebundene Ausgabe)
Der Titel "...die Biographie" ist sicher richtig. Daniela Strigl hat bestimmt die definitive Biographie Marlen Haushofers geschrieben. Sie kennt das Thema Marlen Haushofer auswendig, hat es vollkommen recherchiert, hatte offenbar Zutritt zu allen wichtigen Verwandten und Freundinnen Marlen Haushofers, die noch am Leben sind. Daraus resultiert nicht nur eine wunderschöne autoritative Biographie und Zusammenfassung des Gesamtwerkes der Autorin, sondern auch eine psychologische Erklärung ihrer Motivation, ihrer Schreibweise, ihres ganzen Lebens. Dr. Strigl hat mir sogar die Bedeutung des Existentialismus erklärt! Obwohl akademisch genau, das Buch ist spannend und sehr lesbar.
Es ist für jede Person, die für Marlen Haushofer Interesse hat, empfehlenswert.
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5 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen gut lesbar geschrieben und informativ, 16. Juni 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Marlen Haushofer: Die Biographie (Gebundene Ausgabe)
Da Marlen Haushofer zu meinen liebsten Autorinnen gehört und ihr Buch "Die Wand" mein Lieblingsbuch überhaupt ist, war ich ausserordentlich erfreut, dass es endlich eine Biographie über sie gibt.

Daniela Stigl hat sicher gut recherchiert und vor allem ein sehr lesbares Buch geschrieben, obwohl man bei ihren psychologischen Interpretationen (Ödipus-Komplex etc.) natürlich auch anderer Meinung sein kann. Betrachtet man Marlen Haushofers Leben zum Beispiel mit einer astrologischen Interpretation (Marlen Haushofer hatte die Sonne im Sternzeichen Widder), so könnte man ganz andere Schlüsse ziehen.

Der Grund, weshalb ich dem Buch nur drei Sterne gebe, ist folgender: Ich finde es sehr schade, dass Marlen Haushofer als Mensch recht negativ dargestellt wird. Da sie eine meiner Lieblingsautorinnen ist, hegte ich natürlich eine grosse Zuneigung und Bewunderung für sie, doch nachdem ich Daniela Stigls Biographie gelesen hatte, verspürte ich auf einmal eine Abneigung gegen Marlen Haushofer. Da es noch viel Material über Marlen Haushofer gibt, dass Daniela Stigl nicht zugänglich war, wird es hoffentlich noch eine oder mehrere weitere Biographien über die geheimnisvolle Marlen Haushofer geben. Hoffentlich eine, die ein mitfühlenderes, sympathischeres Bild von ihr schafft.

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