Aus der Amazon.de-Redaktion
Wie reichhaltig und originell Lüpertz aber jenseits aller ästhetischen Manifeste mit diesen tradierten Themen umging, zeigt nun die schon lange überfällige Monografie des Kunsthistorikers Siegfried Gohr. Von den ironischen, bereits völlig eigenständigen Pop-Art-Anleihen der ersten Schaffensperiode wie "Donald Ducks Heimkehr" (1963) über die teils militärisch ausgedeuteten Landschafts- und Naturdarstellungen sowie die "Schwarz-Rot-Gold"-Motive und die Auseinandersetzung mit den Klassikern der Malerei und Dichtung (Heine -- Hölderlin, Corot -- Poussin) bis hin zu den abstrakt-verästelten Nesselarbeiten der Jahrtausendwende breitet sie ein Panorama aus, das die vielfältigen Brüche und Wandlungen im Schaffensprozess bei Lüpertz offenbar werden lässt.
Vor allem auf dem Gebiet der Plastik und Skulptur wirkte Lüpertz überaus innovativ. Ein kleiner Wermutstropfen des überaus opulenten, reich bebilderten und gut gedruckten Bandes ist deshalb, dass er die Werkgruppen des Bildhauers Lüpertz fast gänzlich ausspart. Dennoch ist Gohr eine sehr empfehlenswerte Monografie gelungen, die die vielen Fassetten eines Werkes zeigt, das hinter dem öffentlichen Interesse an seinem zur Selbstdarstellung neigenden Schöpfer oftmals im Schatten stand. --Stefan Kellerer -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
Kurzbeschreibung
Siegfried Gohr untersucht ein Werkpanorama, das seit den ersten Bildern der Jahre 1962/63 und seit den berühmt gewordenen Dithyramben mit großer Subtilität die Klaviatur der Stilmodi aus Tradition und Moderne zu nutzen verstanden hat. Den Stil- und Motivgenesen folgend, liefert Gohr geradezu ein Modellbeispiel dafür, wie man in intelligenter und doch zugleich spannend nachvollziehbarer Form die Lesbarkeit von Bildern aus ihrer Chronologie und mit ihren vielschichtigen Kontexten betreiben kann. Die bisher häufig unverständli ch gebliebenen Mutationen, die Lüpertz in zeitlich auseinander liegenden Bildfindungen an bestimmten Motiven vornimmt, lassen sich auf diese Weise in ihrer jeweils gewandelten Malhaltung nachvollziehen.
So erschließt Gohr dem Leser das Stil-Phänomen bei Lüpertz als "Modus einer Wahrnehmung", in der das Künstler-Ich mit der Komplexität der zeittypischen Wirklichkeit kommuniziert, zugleich aber die Distanz der Reflexion einnimmt. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .