- Plattform: Linux
- Medium: CD-ROM
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Auf meinem Selbstbau Rechner hatten alle 2.4 er Kernel Probleme (mit angeblichem SCSI Subsystem, ist aber gar nicht vorhanden) ausser Gento* und RED HAT 8.0. Weil mir persönlich das Bluecurve - Desktop Design sehr gut gefällt und ich Gnome besser als KDE finde, blieb ich beim Red Hat 8 und habe noch 2 weitere Rechner damit im Heim-Netz bespielt.
Das neue 9.0 wollte ich nur mal testen. Vor allem war ich an K3B interessiert (KDE - Brenner); der ist aber nicht dabei :-(
Ich habe auf dem Hauptrechner einfach mal das Update einer Red Hat 8 Vollinstallation auf Red Hat 9 gemacht. Ergebnis: Postgresql ziemlich gecrasht, von Hand neu installiert, Probleme mit allen "Ximian-Programmen" (z.B. Evolution, wenn *ximian.rpm), AvMailgate (Download- Software, nicht Distri- Bestandteil) ging nicht mehr, da Berechtigung des Users verändert und Apache blieb stehen wegen des Auth-MySQl-Moduls.
Empfehlung: Postgresql- Datenbanken gut sichern. Alle evtl. vorhandenen Ximian Programme rpm -e -nodeps, mod_auth_mysql für Apache weglassen, AvMailgate unter neuem User laufen lassen. Das ist alles bei Update einer Vollinstallation RH8 auf RH9!
Was hat man davon?
Super schöner Dektop! Brenner wird jetzt in Nautilus als Verzeichnis geführt. Dateien hineinkopieren, Brennen-Icon und los gehts. Hardware - Erkennung bei Red Hat sowieso am besten. Mit "Red Hat Linux 8 Bible" von Christ. Nexus bestes mir bekanntes Distributions-spezifisches Buch (in Englisch besser verständlich als der Kofler oder Eßer in Deutsch), dass weitgehend auch auf RH9 zu passen scheint. Umfangreiche Desktopprogramme, unter Gnome wie KDE gleiche Menue-Struktur. Meine Einstellungen wurden beibehalten. Lokale Programmme wie Moneyplex und Kylix laufen weiter.
Und das Aussehen ist wirklich top. Habe gestern noch für meine Frau einen Rechner mit W**2000 Prof. bespielt. Das ist von den ganzen Gates-Fensterln noch am besten, aber designmäßig dagegen uralt.
Ansonsten tolle Stabilität (wie auch schon bei RH8). Update Dauer bei 3 CD's "Green Shoe" etwa 1 Stunde mit Athlon XP.
In meinen Augen klare Empfehlung: So stabil wie Debian, inzwischen schicker als Mandrake und zusammen mit Download-Software (die es fast immer für Red Hat mit als erstes gibt) so universell und umfangreich wie SuSE. Sehr schnell auf Athlon- Prozessor, gute und einfach zu überblickende, graphische Einstellungstools (einzeln, nicht als Yast- Monster o.ä).
Echt gute Distribution und Version!
Was sind die Vorteile von Red Hat 9? Denkt man an den Einsatz kommerzieller Software (VMware, XiGraphics Summit, o. ä.) sicherlich DIE Distribution der Wahl schlechthin. Die Installationen der Programme gehen (mittlerweile) schnell und unkompliziert von der Hand, die Einbindung in etwaige Menüs ist gut und durchdacht. Auch die Oberfläche basierend auf Gnome 2, welche von Red Hat liebevoll 'Bluecurve' genannt wird, hat ihren Reiz. Alles in allem, well done.
Aber, wie so oft, lauert das Üble unter der Oberfläche. Betrachtet man die Innereien von Red Hat 9 und vor allem die aus den vorherigen Versionen liebgewonnen Features, stellt man fest, dass viele davon zu Bugs wurden. Wer z. B. auf der Suche nach automatisierten Installationen ist, landet sehr häufig bei Red Hat, weil Kickstart - zumindest bei Red Hat 8.0 - konkurrenzlos war und ist. Aber warum funktionieren zum Beispiel die Notebookinstallationen über PCMCIA-Netz, die unter 8.0 klaglos ihr Soll verrichteten, unter RH 9 nicht mehr? Warum mußte ich fdisk einbüßen, dass im Vergleich zum 'Disk Druid' schlicht und ergreifend schneller war. Es ist gut und schön, wenn Red Hat anfängerfreundlicher wird, aber ob es sinnvoll ist, diesen Weg auf Kosten der Profis zu bestreiten, mag bezweifelt werden.
Auch die Auswahl der Softwarepakete ist mir persönlich etwas zu einseitig. Ich persönliche mag weder den Desktop von KDE noch den von Gnome, weil sie mir einfach zu langsam und träge sind. Viele Features, die ich einfach nicht brauche, belasten mein System. Bislang war dies nie eine Schwierigkeit, weil WindowMaker bei jedem Red Hat dabei war. Aber unter Red Hat 9 beschränken sich die mitgelieferten Windowmanager tatsächlich auf KDE und Gnome (und natürlich ctwm ...). Kein großer Beinbruch, aber wieder Handarbeit für mich. Schade, dass sich die Auswahl der Pakete bei Red Hat so einengt. Auf der anderen Seite hat dies natürlich auch den Vorteil, dass die Installation (relativ) schlank bleibt.
Und in vielen Red Hats ist irgendwo ein Hammer versteckt. So freuten wir uns unter Red Hat 7.x über den abstrusen Alleingang von Red Hat beim gcc. Hier ist es Gott sei dank eben nicht der gcc, aber warum müssen die 'Hacker' von Red Hat am Kernel rumbasteln? Und warum ausgerechnet am Scheduler, der für viele Kernelmodule etwas exotischerer Hardware sehr wichtig ist? Das erschwert unnötig das Kompilieren von Modulen und bringt bei bestimmten Programmen unnötige Scherereien (z. B. Uplink).
Zusammenfassend kann man über die Distribution sagen, dass zum ersten Mal Red Hat uneingeschränkt für Anfänger empfohlen werden kann. Der Desktop ist komplett und schnell eingerichtet, alle Programme für die tägliche Arbeit (OpenOffice, Evolution, Mozilla) sind da, sämtliche Peripherie wird gut eingebunden. Aber für den Profis ist Arbeit zu leisten bevor sein System so tickt, wie er es haben möchte. Wenn diese Arbeit geleistet ist, erhält man aber ein stabiles und auch schnell wartbares System.
Abschließend bleibt nur noch die Begründung für die Bewertung. Ich würde keiner alten oder aktuellen Linux-Distribution 5 Sterne geben, weil überall noch (sehr) viel Arbeit zu leisten ist. Auch fehlt das schlüssige Konzept bei Red Hat, viele alte Baustellen, die eigentlich abgeschlossen waren, sind mit RH 9 wieder aufgerissen worden und es gibt wieder einen Hammer (Kernel). Aus diesem Grund 3 Sterne, weil Red Hat trotzdem eine solide Distribution auf die Beine gestellt hat.
PS: Der Text wurde auf RH 9 mit Firebird 0.6 geschrieben... :-)
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