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Aufmerksam geworden bin ich auf das erste Buch von Susanne Schmidt durch ihre Diskussion bzw. ihr Gespräch mit Peer Steinbrück bei "Beckmann", woraufhin ich mir das Buch am kommende Morgen bei meiner Buchhandlung gekauft habe.

Susanne Schmidt bietet hier als Insiderin und Kennerin des Bankenwesens mit all seinen Gepflogenheiten einen tollen Rundumblick des Jobs eines Bankers in der Londonder City, in der sie zwei Jahrzehnte gearbeitet hat. Das knapp 200 Seiten umfassende Buch ist so gestaltet, dass Frau Schmidt damit beginnt die Umgebung der Londonder City zu beschreiben, um anschließend die Tätigkeitsbereiche der einzelnen Banker-Spezien (Investmentbanker, Hedgefonds, etc.) zu beleuchten. Dadurch erhalten Leser, die sich mit der Materie der Bankenlandschaft noch nicht so eingehend befasst haben einen Einblick, aber auch bereits Interessierte oder Beteiligte (wie ich es als gelernter Bankkaufmann bin) sehen, wie in London gearbeitet wird - ohne das es für mich langweilig wurde.
Susanne Schmidt verwendet viele Seiten darauf zu erläutern, wie es zu der Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2008 kommen konnte, macht aber nicht nur die "geldgierigen und gewissenlosen" Banker, wie sie in der Presse häufig tituliert wurden, dafür verantwortlich, sondern sucht auch in anderen Bereichen Fehler. So zum Beispiel bei Politikern oder den Aufsichtsbehörden, die eigentlich dafür verantwortlich sein sollten, die Finanzinnvoationen und Banken zu kontrollieren. Die letzten drei Kapitel, der insgesamt zehn, betrachtet sie mögliche, kommende Gefahren, die auftauchen könnten, wenn die Banker nicht anfangen sollten, aus den gemachten Fehlern zu lernen. Sie diskutiert des Weiteren Möglichkeiten wie eine zukünftige neue Krise verhindert werden kann.

Natürlich kann ein Buch, welches die Banken und deren Produktvielfalt zum Thema hat, nicht ohne Fremdwörter auskommen. Das sollte aber keineswegs abschrecken, denn die sind von Susanne Schmidt entweder so gut erklärt, dass es auch ein Laie versteht oder aber befinden sich im knapp 10 seitigen, angehängten Glossar und sind dort erläutert. Was mir ebenfalls gut gefallen hat, war, dass sich die Verfasserin nicht als allwissend darstellt, sondern selbst formuliert, dass sie einige Dinge in dem Ausmaß nicht hat kommen sehen. Viele vermeintliche Kenner der Branche klingen in ihren Ausführungen hochnäsig bzw. selbstverliebt und betonen jedes Mal wieder, dass sie es bereits mehrere Jahre vorher erahnt haben, was da auf uns zurollt. So aber nicht in diesem Buch.
Außerdem untermauert Susanne Schmidt ihre Thesen mit adäquaten Beispielen, so dass ihre Meinung gut dargestellt wird, aber auch die Arroganz mancher ihrer ehemaligen Arbeitskollegen entlarvt wird.

Im Großen und Ganzen bleiben 200 sehr interessante, schnell gelesene und gut verständliche Seiten, die in einem gut leserlichen "Plauderton" geschrieben sind, wodurch es zu keinem Zeitpunkt langweilig wurde. Absolut zu empfehlen.
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am 30. Dezember 2010
Ich bin seit Jahren ein großer Anhänger der Familie Schmidt, darüber hinaus seit einigen Jahren in einer größeren Bank tätig. Demzufolge war diese Lektüre ein Muss für zwei freie Abende meiner weihnachtlichen Ferienzeit.

Susanne Schmidt versteht es, den Leser sowohl inhaltlich als auch sprachlich abzuholen und die verschiedenen Gründe und Einflussfaktoren, die zu der Krise geführt haben, darzulegen. Dabei wird das ganze Buch hindurch deutlich, dass sie 30 Jahre in der Finanzwelt der Londoner City tätig war und eine Vielzahl an Beobachtungen und Erfahrungen ihrer langjährigen Laufbahn verarbeitet. Außerdem ist über die Banktätigkeit hinaus ein großes Interesse an volkswirtschaftlichen Fragestellungen und Zusammenhängen zu erkennen.

Besonders beeindruckend finde ich die Vielschichtigkeit dieses Buches über die Finanzkrise. Denn es wird nicht nur auf den altbekannten Problemen Subprime, Verbriefungen und Profitgier umher gehackt und oppulent in die Länge gezogen, sondern auch kleinere, noch nicht plakativ thematisierte Probleme beschrieben. Z.B. die Tatsache, das eine Vielzahl an Bänkern in bestimmten Bereichen einen finanzmathematischen Hintergrund mitbringen, auf ihren selbst kalibrierten Modellen reiten und dabei den Sinn für eine qualitativ ökonomische Beurteilung verlieren.

Als einzigen Kritikpunkt habe ich anzumerken, dass es sich bei der Lektüre trotz sozialem Einfühlungsvermögen von Susanne Schmidt um finanzwirtschaftlich sehr anspruchsvolle Lektüre handelt. Für den Laien könnte es sich als sehr schwierig erweisen, sämtliche Inhalte in der Tiefe zu verstehen und nachzuvollziehen. Kurzum: Spannend wie ein Kriminalroman, rund um gelungen, jedoch ausgesprochen anspruchsvoll und schwer verdaulich.
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am 13. April 2010
Sie ist die Tochter eines der berühmtesten ehemaligen Politiker der Welt und eines Mannes, der mit weit über neunzig Jahren noch als Herausgeber der ZEIT sich einmischt in aktuelle Debatten und Diskurse und auf dessen Stimme man nicht nur in Deutschland nach wie hört, vielleicht sogar mehr als je zuvor. Die Rede ist von Helmut und Loki Schmidts Tochter Susanne, geboren 1947 und mehr als dreißig Jahre lang in der Londoner City tätig , von denen sie zwanzig Jahre lang in leitender Funktion für internationale Bankhäuser gearbeitet hat. Auch nach ihrem Ruhestand hat sie die Banken- und Börsenwelt nicht losgelassen und sie war Moderatorin und Kommentatorin des Börsensenders bloomberg.

Mit dem Buch "Markt ohne Moral" legt sie ein überaus verständliches Werk vor, in dem sie "das Versagen der internationalen Finanzelite" nicht erst seit 2008, als die Pleite von Lehman Brothers die ganze Welt in den Abgrund zu stürzen drohte, beschreibt.

Viele haben das vor ihr getan, und der Markt der Bücher von tatsächlichen oder selbsternannten Fachleuten über die Finanzkrise und ihre Ursachen ist mittlerweile nicht mehr zu übersehen. Ihr Buch allerdings zeichnet sich neben seiner großen für den Nichtfachmann wichtigen Verständlichkeit und Transparenz vor allem dadurch aus, das hier ein Insider berichtet, ohne gleich das ganze System in Frage zu stellen. Was sie allerdings stark bezweifelt, ist der Sinn all jener schnellen staatlichen Rettungsversuche, mit der das völlige Kollabieren des Systems verhindert wurde. Susanne Schmidt meint mit einiger Plausibilität, dass damit lediglich die Grundlage für eine nächste, dann aber weitaus schlimmere Krise gelegt wurde.

An den Börsen dieser Welt machen die, die die Krise 2008 ff. verursacht haben, weiter mit ihren Spekulationen ohne jede Moral und sie verdienen soviel Geld wie nie zuvor, Geld, das anderen fehlt. Der FAZ-Journalist Rainer Hank, der in seinem Buch "Der amerikanische Virus" Anfang 2009 als einer der ersten die Finanzkrise beschrieben und eingeschätzt hatte, kam damals schon zu dieser Prognose. Sie sollte sich bewahrheiten.

Susanne Schmidt fordert einschneidende und klare Regeln für die internationalen Finanzplätze, doch man kann mit Fug und Recht bezweifeln, dass es gelingen wird, sie durchzusetzen. Es liegt in der tief im Menschen verwurzelten Gier, die ihn alle Moral vergessen lässt, meint ein nicht zuletzt durch das vorliegende Buch noch skeptischer gewordener Rezensent.
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am 15. August 2011
Dieses Buch fällt angesichts der Flut an Krisenliteratur besonders positiv auf. Es erklärt sachlich und ohne Polemik auch komplizierte Zusammenhänge sehr verständlich. Besonders gut gefiel mir die Darstellung der Gefahren durch die Finanzialisierung". Die destruktiven Folgen durch fehlgeleitete Banken, deren Manager an kurzfristigen Boni ausgerichtet sind, werden ausführlich beschrieben. Die Gesellschaft hat die Folgen des Moral Hazard zu übernehmen. Den steuerzahlenden Bürgern wird keine Wahl gelassen. So wird richtigerweise darauf hingewiesen, dass krisenverhindernde Reformen bislang weitestgehend ausblieben. Solange dies der Fall ist, und dies wird auch im Nachtrag zur Taschenbuchausgabe erläutert, besteht die Gefahr einer neuen Finanzkrise mit noch unangenehmeren Folgen für die Bürger und Steuerzahler. Sehr lesenswert.
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Fassungslos stand der Normalbürger Ende 2008 vor dem Schutthaufen, den die Finanzkrise hinterlassen hatte: giftige Papiere, Bankpleiten, Rettungspakete, Verstaatlichungen. Selbst Experten kamen angesichts der sich überschlagenden Ereignisse kaum noch nach. Susanne Schmidt bringt Ordnung in das Durcheinander: Auch für Laien verständlich, locker und dennoch durchdacht erklärt die erfahrene Finanzjournalistin, was alles schiefgelaufen ist und mit welchen Maßnahmen eine neue Krise verhindert werden kann. Unverhohlen Partei ergreifend und mit persönlicher Note, aber stets sachlich und niemals polemisch plädiert sie dafür, die Macht der Banken, ja des gesamten Finanzsektors zu beschneiden. Schade nur, dass die Ereignisse kurz nach der Buchveröffentlichung, wie der Fall Griechenland und der Euro-Rettungsschirm, nicht mehr berücksichtigt werden konnten. Die Abhilfe, die die Tochter von Altbundeskanzler Helmut Schmidt empfiehlt, dürfte trotzdem für Diskussionen sorgen, glaubt getAbstract und empfiehlt das Buch allen, die daran teilnehmen wollen.
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Susanne Schmidt ist schon lange nicht mehr nur die Tochter des Altbundeskanzlers Helmut Schmidt, sie ist auch eine Frau die seit über 30 Jahren in der Finanzwelt tätig war.

In ihrem Buch ist sie in zehn Kapiteln der Frage nachgegangen: Wie konnte es zu so einer gewaltigen Finanz - und Wirtschaftskrise kommen und was muss jetzt getan werden, damit wir in der Zukunft besser vor solchen Ausschlägen der Finanzwelt gewappnet sind.

Im folgenden zähle ich die zehn Kapitel auf, weil daran sehr deutlich wird, wie übersichtlich sie das Thema angeht und vor allem, dass sie nicht in Schwarzmalerei versinkt:

Der Schauplatz: Die Londoner City
Was machen Banker eigentlich?
Andere Akteure
Die Wurzel allen Übeld: Moral Hazard
Globalisierung, Wettbewerb
Sorglosigkeit und Bequemlichkeit
Hochdramatische Tage
War die Krise zu schnell vorbei?
Was kann, was muss sich ändern?
Gefahren

Wie der Vater so die Tochter. Susanne Schmidt macht Bestandsaufnahme und zieht eine messerscharfe Analyse. Dabei schreibt sie so, dass ich als Laie ihr gut folgen kann.

Christian Döring
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am 19. Oktober 2010
Sie ist die Tochter eines der berühmtesten ehemaligen Politiker der Welt und eines Mannes, der mit weit über neunzig Jahren noch als Herausgeber der ZEIT sich einmischt in aktuelle Debatten und Diskurse und auf dessen Stimme man nicht nur in Deutschland nach wie hört, vielleicht sogar mehr als je zuvor.

S. Schmidt bietet hier als Insiderin und Kennerin des Bankenwesens mit all seinen Gepflogenheiten einen tollen Rundumblick des Jobs eines Bankers in der Londonder City. Eine Jury wählte es sogar aus zehn Titeln das Wirtschaftsbuch des Jahres aus. Die promovierte Volkswirtin, die mehr als 30 Jahre in London beschäftigt war, kam zwei Jahre nach dem Höhepunkt der Krise zu dem Fazit: "Ich bin enttäuscht. Ansätze zu Neuregulierungen werden diskutiert, es wird viel geredet, aber nicht viel getan."

Zum Buch: Viele haben das vor ihr getan, und der Markt der Bücher von tatsächlichen oder selbsternannten Fachleuten über die Finanzkrise und ihre Ursachen ist mittlerweile nicht mehr zu übersehen. Ihr Buch allerdings zeichnet sich neben seiner großen für den Nichtfachmann wichtigen Verständlichkeit und Transparenz vor allem dadurch aus, das hier ein Insider berichtet, ohne gleich das ganze System in Frage zu stellen. Susanne Schmidt verwendet viele Seiten darauf zu erläutern, wie es zu der Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2008 kommen konnte, macht aber nicht nur die "geldgierigen und gewissenlosen" Banker, wie sie in der Presse häufig tituliert wurden, dafür verantwortlich, sondern sucht auch in anderen Bereichen Fehler. So zum Beispiel bei Politikern oder den Aufsichtsbehörden, die eigentlich dafür verantwortlich sein sollten, die Finanzinnvoationen und Banken zu kontrollieren.

S. Schmidt gibt einen tiefen Einblick in das Funktionieren des Weltfinanzwesens. Ihre Analyse der Gründe, die letztlich zur jüngsten Wirtschafts- und Finanzkrise geführt haben, ist beeindruckend. Es ist einfach unfassbar, dass hemmungslose Profitgier, sich gottähnlich gebärdender Banker, viele andere Akteure mit ihren Einflüssen und Unterlassungen sowie ahnungslose Politiker diesen Crash regelrecht heraufbeschworen haben. Und dafür bezahlen leider die Steuerzahler und nicht die Verursacher. Hektischer Aktionismus und vollmundige Absichtserklärungen der Politiker haben bisher nicht viel bewirken können - auch weil London und Washington nicht so wollen wie die Deutsche Bundesregierung.

Wie gesagt, Susanne Schmidt wird für ihr Buch "Markt ohne Moral - Das Versagen der internationalen Finanzelite" mit dem Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2010 ausgezeichnet. Die Jury lobte, Susanne Schmidt erkläre leicht verständlich, wie es zu dem Beinahe-Kollaps des internationalen Banken- und Finanzsystems kommen konnte. Damit wird zum ersten Mal in der Geschichte des Preises eine Frau prämiert! Die Zeitung vergibt die Auszeichnung gemeinsam mit Booz Company und der Frankfurter Buchmesse seit 2007, um die deutschsprachige Wirtschaftsliteratur zu fördern. Die Initiatoren wollen mit dieser Auszeichnung für dieses Buch die Bedeutung des Wirtschaftsbuches bei der Vermittlung ökonomischer Zusammenhänge unterstreichen und einen Beitrag zur ökonomischen Bildung in der Gesellschaft liefern, daher schließ ich mich mit meinen Fazit der Jury an: Wie der Vater so die Tochter. Susanne Schmidt macht Bestandsaufnahme und zieht eine messerscharfe Analyse. Super Buch!
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am 12. Dezember 2012
Susanne Schmidt liefert eine Beschreibung vieler Praktiken, Produkte, Gewohnheiten und Verstrickungen des Banken- und Finanzsektors. Sie tut dies in einer verständlichen Sprache. Um bestimmte Fachbegriffe kommt auch sie nicht herum. Deshalb ist das Buch nicht leicht verständlich für jemanden, der sich mit Volkswirtschaftslehre noch gar nicht beschäftigt hat.

Aber als "mittelschwere Einführungslektüre" ist es sehr gut geeignet. Mir persönlich gefällt auch, dass sie meistens auf einer sachlichen, beschreibenden Ebene bleibt. Das heißt, das "Versagen der internationalen Finanzelite" wird erläutert und nicht nur permanent verurteilt. Es ist an sich nicht verkehrt, besagtes Versagen zu verurteilen, aber das kann man auch ohne Bücher.

Also: Kaufempehlung für Leser, die besser verstehen wollen, was an den Finanzmärkten und in den Metropolen des Investmentbankings in den letzten dreißig Jahren passiert ist.

Die Rezensenten, die bemängeln, es werde nichts neues gesagt und es passe in einen längeren Zeitungsartikel, übersehen, dass in den längeren Zeitungsartikeln die Zusammenhänge nicht immer in dieser verständlichen und nüchterenen Form dargelegt werden.

Ferner ist jede Publikation hilfreich, - Zeitgeist bezüglich und hinsichtlich der politischen Praxis - die die Perversion und Abgeschmackheit dieser Parallelwelt der Banken beschreibt.
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"... Es ist noch zu früh, um mit einiger Sicherheit zu prognostizieren, welche (...) Auswirkungen die Krise und die Rettungsmaßnahmen haben werden. Aber einige Klippen, die wir versuchen müssen zu umschiffen, zeichnen sich schon im Nebel ab. Sie reichen von der Politik über Volkswirtschaften bis hin zum Finanzwesen und den Finanzmärkten selbst. Die Gefahr liegt darin, dass ein Zug in Bewegung gesetzt wurde, beziehungsweise durch neue Regulierungen in Bewegung gesetzt wird, der nicht dort ankommt, wo er ankommen soll, sondern durch unbeabsichtigte Weichenstellungen auf eine Strecke gerät, an deren Ende die Schienen noch nicht verlegt sind..."

Der Mangel an Absolutheit in den Formulierungen und das Bekennen von Unabwägbarkeiten bei Prognosen, der hier, im Zitat aus den einleitenden Sätzen des letzten Kapitels des Buches, klar erkennbar ist, markiert den großen Wert dieses Aufsatzes von Susanne Schmidt. Im Gegensatz zu vielen Fachbüchern, zumal Finanz- und Wirtschaftsfragen betreffend, meidet sie tunlichst den Imperativ und skizziert anhand von realen Schieflagen, erkennbaren Fehlentwicklungen und oft auch allzu menschlichen Schwierigkeiten, mögliche Gefährdungen, die daraus resultieren können.
Dass sie dazu befähigt ist, steht außer Zweifel. Etwas mehr als drei Jahrzehnte arbeitet Schmidt in verschiedensten hohen Positionen in der City of London, Europas größtem Finanzplatz, und konnte Entwicklungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beobachten.

Mit "Markt ohne Moral" gelang ihr ein Buch, was allen Nicht-Experten - und das sind nahezu ausnahmslos alle, die nicht im hohen Finanzwesen tätig sind und leider auch allzu viele, die qua Amt einen wesentlich höheren Durchblick haben sollten (Stichwort: Aufsichtsbehörden, Politik) - ein wenig hilft diese hochkomplexen Strukturen der Finanzmärkte zu begreifen. Sie sucht der Verständlichkeit wegen Fachbegriffe so weit wie irgend möglich zu vermeiden, ohne dabei in platte Stammtisch-Erklärungen zu entgleiten. Ohne grundsätzliches Verständnis ist dieses Buch aber sicherlich nicht lesbar.

Auch wenn man am Ende der knapp 200 Seiten füllenden Ausführungen die Akteure an den Finanzmärkten nicht unbedingt wesentlich sympathischer einstuft als vor der Lektüre - Schmidt hatte auch nicht die Absicht als Apologetin der Investmentbanker aufzutreten - so erkennt man doch recht klar, dass die Ursachen für die Finanzkrise, die 2008 in der Lehman-Pleite und deren Folgewirkungen (zunächst) kulminierte, nicht ausschließlich bei jenen sich zum Teil mit ekelhafter Hybris gebärdenden Gestalten der Finanzmarkt-Elite zu suchen ist. Das greift zu kurz. Die Kritik an diesen selbst ernannten Über-Menschen ist moralisch gerechtfertigt, das Versagen ausschließlich an dieser Stelle zu suchen wäre aber fahrlässig.

Zu viele system-immanente Fallstricke werden bei der Aufarbeitung der Krise nach wie vor übersehen oder vorsätzlich missachtet, nötige Schlüsse nicht gezogen, Gefahren nicht umfangreich genug (oder überhaupt) abgemildert, was die nächste Katastrophe vorprogrammiert. Lediglich der Zeitpunkt ist Spekulation.
Mit geradezu plastisch greifbarer Klarheit legt Susanne Schmidt die allzumenschlichen Wirkungen des >Moral hazard< (ein Eigenbegriff, der übersetzt missverständlich wird) dar. Das Bankwesen kann sich, insbesondere jene Häuser die >to big to fail< sind, darauf verlassen, dass im Ernstfall die Staaten eingreifen (müssen) und somit entfällt jedes tief greifende Risikobewusstsein. Und man sollte vorsichtig sein, da allzu vorschnell mit dem moralischen Zeigefinger herumzufuchteln. Jeder Autobesitzer, der eine Vollkasko-Versicherung abgeschlossen hat, stellt seinen Wagen achtloser ab, als jemand der weiß, wenn der Wagen gestohlen wird, erstattet mir niemand auch nur einen Cent. Letzterer wird eher auf Sicherheit bedacht sein, nicht weil er ein moralisch besserer Mensch ist, sondern weil er den direkten Schaden fürchtet.

Moralische Anklage einiger weniger Akteure allein hilft zur Reduzierung der Gefahren auf den Weltfinanzmärkten wenig weiter, so streitbar diese Figuren sicherlich auch sind. Schmidt zeigt in ihrem Buch realistische Möglichkeiten zur Risikoeindämmung auf, gleichwohl aber auch, dass so manches, was aus Laien-Perspektive (einige Politiker-Forderungen inklusive) zunächst als geboten erscheint, schlicht nicht umsetzbar ist. Weil es entweder andere Risiken heraufbeschwöre und somit nichts gewonnen wäre, oder aber, weil es die Freiheitlichkeit unserer Gesellschaftsform de facto abschaffte.

Wenn Susanne Schmidt es auch nicht klar ausformuliert, bleibt am Ende die Gewissheit:
Letztlich kommen wir nicht um ein moralisches Wertefundament und den einfachen Satz >Das tut man nicht!< herum. Dieses Vertrauen wiederherzustellen, liegt bei den Akteuren. Doch auch an diesem Punkt sollte nur der mit dem Zeigefinger auf andere zielen, der selbst nicht ein paar Kröten Rendite optimiert in irgendwelchen Fonds angelegt hat. Je höher die (mögliche) Rendite, je höher das (sichere) Risiko!
Letztlich ist alles nur ein Geldspiel. Aber jeder der mitspielt, sei es auch in noch so kleinen Dimensionen, muss sich verdammt noch mal der Verantwortung bewusst sein, die er auch für die trägt, die nicht mitspielen - und ihr gerecht werden!

Dass die Autorin für "Markt ohne Moral" den Wirtschaftsbuchpreis 2010 erhielt, kommt nicht von ungefähr und unterstreicht den hohen Kompetenzgehalt des Buches. Hinzu tritt ein subtiler staubtrockner und intelligenter Humor, der bei aller Ernsthaftigkeit und Schwere der Thematik das Lesen angenehm auflockert, und irgendwie an einen anderen Träger dieses exotischen Namens erinnert.
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am 14. September 2010
Susanne Schmidt, Tochter des Altbundeskanzlers Helmut Schmidt, gibt einen tiefen Einblick in das Funktionieren des Weltfinanzwesens. Ihre Analyse der Gründe, die letztlich zur jüngsten Wirtschafts- und Finanzkrise geführt haben, ist beeindruckend. Es ist einfach unfassbar, daß hemmungslose Profitgier, sich gottähnlich gebärdender Banker, viele andere Akteure mit ihren Einflüssen und Unterlassungen sowie ahnungslose Politiker diesen Crash regelrecht heraufbeschworen haben. Und dafür bezahlen werden die Steuerzahler und nicht die Verursacher.
Hektischer Aktionismus und vollmundige Absichtserklärungen der Politiker haben bisher nicht viel bewirken können - auch weil London und Washington nicht so wollen wie die Deutsche Bundesregierung.
Die immer wieder geforderte Heraufsetzung des Grundkapitals der Banken ist nun mit Basel III endlich beschlossen worden. Aber auch deren Folgen werden letztlich die Verbraucher bezahlen.
Beunruhigend ist aber, daß aktuell niedrige Kapitalmarktzinsen viele Banker zum business as usual reizen und so eine neue Blase entstehen kann, die zum nächsten Crash führt.
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