Dieses Buch ist ein must read für alle, die sich für Ökonomie interessieren, also Studierende der BWL und VWL genauso wie Hochschullehrer (diese vor allem) und natürlich auch interessierte Laien mit Hang zur (Wirtschafts-)Politik. Der Autor hat ein absolut überzeugendes populärwissenschaftliches Werk geschrieben, das gleichzeitig gut lesbar ist und dennoch wissenschaftlich exakt ist.
Inhaltlich geht es um verschiedene Aspekte von Macht und darum, warum diese in der klassischen Ökonomie, genauer in der Neoklassik, keine Rolle spielen, wohingegen sie in der Realität äußerst prägende Einflüsse darstellen. Teilweise geht es um Dinge, die man immer schon ahnte, wie etwa Bereicherungsstrategien von Managern auf Kosten der Aktionäre. Teilweise aber werden geradezu verschwörungstheoretisch anmutende Zusammenhänge offen gelegt, wie etwa die Strukturen, mit denen akademische Ökonomen dazu gebracht werden, die den Mächtigen genehme Variante der Ökonomie zu lehren und durch Forschung weiter zu bestätigen. Wie bereits angedeutet liegt das Verdienst des Autors hauptsächlich darin, diese Ergebnisse zusammenzufassen. Dies stellt aber eine enorme Leistung dar: Er hat, vermutlich in mühsamer detektivischer Kleinarbeit, all diese meist empirischen Ergebnisse in der Fachliteratur gefunden und bringt diese in seinem Buch allgemein verständlich rüber. Vereinzelt werden auch immer wieder Empfehlungen gegeben, wie durch kluge Regulierung, die beschriebenen Effekte, die einen teilweise erschauern lassen, vermieden werden können. Es wäre allerdings zu viel verlangt, vom Autor auch noch den Entwurf einer kompletten neuen Volkswirtschaftslehre zu fordern.
Auch wenn der Autor themenbedingt teilweise sehr kritisch mit realen Phänomenen umgeht, die man im westlichen Kapitalismus beobachten kann, so wird dennoch auch klar, dass er keineswegs tief in die sozialistische Mottenkiste greifen will. Der Autor ist eben auch promovierter Volkswirt und Autor für das Handelsblatt und die Börsenzeitung. Zudem beruft er sich fast durchwegs auf Publikationen, die in den weltbesten wirtschaftswissenschaftlichen Fachzeitschriften (American Economic Review, Journal of Finance etc.) erschienen sind. Letztere Tatsache gibt einem auch ein wenig Hoffnung, da sie ja zeigt, dass die beschriebenen Machteffekte durchaus in Mainstream-Organen veröffentlicht werden können.
Fazit: Ein Buch über Wirtschaft, das man so noch nicht in der Hand gehabt hat. Es hat mir die Augen geöffnet. Gratulation an den Autor, Gratulation auch an den Verlag, der sich getraut hat so etwas herauszubringen! Eines der wichtigsten Bücher über Wirtschaft des Jahrzehnts.