... es ist nicht unbedingt ein sympathisches Bild, das Anna Schiener dem Leser von Markgräfin Amalie von Baden (1754-1832) präsentiert. Aus dem Hause Hessen-Darmstadt stammend, heiratet Amalie 1774 den badischen Erbprinzen Karl Ludwig. Sechs Töchter, zwei Söhne, von denen nur einer das erste Jahr überlebt. Ihr Mann stirbt 1801 bei einem Unfall, so dass ihr Sohn Karl im Jahre 1811 die Nachfolge seines Großvaters antritt.
Die Markgräfin ist sicher nur eine Randfigur in der europäischen Geschichte. Eine Beschäftigung mit ihr ist dennoch aus mehreren Gründen interessant:
-- Die Neuordnung der Jahre 1800 bis 1810, von der Baden profitierte. Dennoch war Amalie eine standhafte Gegnerin Napoleons, lehnte die Hochzeit ihres Sohnes mit dessen Adoptivtochter
Stephanie ab.
-- Fünf von sechs Töchtern konnte die Markgräfin erfolgreich verheiraten: der später abgesetzte König Gustav IV. von Schweden, Zar Alexander I. und der bayrische König Max zählten zu ihren Schwiegersöhnen.
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Der Fall Kaspar Hauser und die schwierige Nachfolgesituation, da ihr Sohn ohne männlichen Erben verstarb.
Die teilweise sehr ausführliche Darstellung der familiären Beziehungen, sowohl hinsichtlich der Abstammung Amalies als auch in Bezug auf ihre Nachkommen, empfand ich persönlich als unnötig. Wozu hat man einen Stammbaum? Ebenso langatmig war die Darstellung der Ehe-Anbahnungen der Töchter. Muss man jeden Kandidaten aufzählen? Diese Schwerpunktsetzung empfand ich als unglücklich. Persönlich hätte ich es bevorzugt, mehr vom Alltag bei Hofe oder über das musische, kulturelle Leben zu erfahren.
Des Weiteren erfährt der Leser nichts über die politischen Rahmenbedingungen nach 1815. Die letzten Lebensjahre der Markgräfin werden leider nur oberflächlich beschrieben. Die im Jahre 1817 veröffentlichte badische Verfassung, die Wahlen zum ersten Landtag im Jahre 1819, aber auch die religiösen Konflikte, die durch die napoleonischen Flurbereinigungen (Baden übernahm eine große Anzahl Katholiken) hervorgerufen wurden, sind nicht Gegenstand dieses Buches. Sehr gut herausgearbeitet sind hingegen die Umstände, die dazu führten, dass Baden seine territorialen Zugewinne bei der Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress nicht verloren hat. Dies war keinesfalls selbstverständlich, wechselte Baden doch erst relativ spät die Seiten.
Ebenso positiv: Frau Dr. Schiener hatte bei der Recherche die Unterstützung des Hauses Baden und Zugriff auf das Großherzogliche Familienarchiv. Das Geleitwort von Prinz Bernhard von Baden ist gleich zu Beginn des Buches abgedruckt. Des Weiteren sind natürlich auch mehrere Familienportraits in dieser Biografie enthalten. Im Anhang finden sich eine Zeittafel, Bildnachweise, Quellenverweise, die sehr umfangreiche Auswahlbibliografie, das Orts- und Personenregister sowie die Stammtafel. Diese Dokumentation ist in der Tat vorbildlich!
Alles in allem füllt dieses Buch eine Lücke und ist bezüglich der gewählten Schwerpunkte faktenreich geschrieben.