Das Buch „Marketing für Autoren" ist nur etwas für die, die es ernst meinen. Wer seine Werke nur für sich, den Fotokopierer und ein paar Freunde schreibt, kann sich das Geld ruhigen Gewissens sparen. Wer aber verlegt werden will und mit dem Gedanken spielt, mit seiner Schreibe Geld zu verdienen oder gar davon zu leben, der wird nicht an ihm vorbeikommen. Björn Jagnow räumt effektiv und unterhaltsam, manchmal auch schmerzhaft, mit den falschen Vorstellungen vieler Autoren auf. Er greift dabei auf Insiderwissen zurück, dass er in seiner Tätigkeit als Verlagskaufmann, Buchhändler und Verlagsfachwirt gesammelt hat. Ein Buch ist - was den Verlag angeht - erst einmal ein Produkt. Wenn es darüber hinaus noch Pulitzerpreis verdächtig, weltverbessernd und literarisch vollendet ist, um so besser. Vor allem anderen aber soll es verkauft werden können, damit es gedruckt wird. Björn Jagnow zeigt in seinem Buch nachvollziehbar, was der Autor selber dazu beitragen kann, seine Werke verlegt und bezahlt zu sehen. Wie man sich selbst realistisch einschätzt, wie man an einen Verlag herantritt und wie man im Falle eines Vertrages möglichst viel daraus macht - all das bekommt der Leser fast schon auf einem silbernen Tablett serviert. Aber er zahlt dafür mit der gutgläubigen Vorstellung, ein Buch wäre über die schnöden Regeln der Marktwirtschaft erhaben und der Autor gottnahes Genie. Wer den Markt erobern will, muss ihm liefern, was er haben will. Und das genau das möglich ist, auch ohne seine schriftstellerischen Ideale verraten zu müssen, zeigt Björn Jagnows Buch. Aus dem Schimpfwort Marketing macht er die Tugend Marketing. Wer nach der Lektüre dieses Buches nicht zumindest eine Idee hat, was er an sich und damit an seiner Karriere verbessern kann, ist entweder selber schuld oder bereits perfekt - und hätte die Zeit besser genutzt, den nächsten Bestseller zu schreiben.
André Wiesler
Fernsehautor und Schriftsteller