Meffert (und der Gabler-Verlag) hat sein neues Buch an alle Hochschulprofessoren in Deutschland verschickt. Mögen diese seine Lehre unter ihren Schülern verbreiten. Vielleicht auch besser nicht...
Meffert erklärt den Ansatz der Verhaltenwissenschaftlichen Marketingforschung kurzerhand zu einem Paradigma des „Modernen Markenmanagements", das Mitte der 70er bis Ende der 80er Jahre Bedeutung gehabt hätte. In den 90er Jahren dagegen seien „fraktales Markenmanagement" (!!!) und das „integrierte identitätsorientierte Markenmanagement" bestimmend.
Bereits an dieser Stelle, auf Seite 19 des Buches, sträuben sich dem Marketing-kundigen Leser die Haare. Und es geht in ähnlicher Form weiter.
Dass Meffert einem - erwiesenermaßen - Scharlatan der Branche, dem selbsternannten „Guru" Gerd Gerken mehrere Seiten in seinem neuen Werk widmet ist nicht nachvollziehbar. Fraktale Markenführung widerspricht in jeder Hinsicht den Prinzipien erfolgreicher Markenführung. Die fraktale Zeit der Zigarettenmarke West, für die Gerken als Berater fungierte, belegt dies eindrucksvoll.
Die beiden seit langem im Strategischen Management bekannten Konzepte des „resource based view" und „market based view" als Fundament für das Selbst- bzw. Fremdbild einer Marke heranzuziehen ist abenteuerlich. Überhaupt ist die Frage zu stellen, inwieweit das Selbstbild einer Marke den Erfolg derselben wirklich beeinflusst.
Dass die Unverwechselbarkeit und Einzigartigkeit einer Marke eine Voraussetzung für den Erfolg einer Marke bzw. die Voraussetzung für den Aufbau einer starken Marke darstellt ist nicht neu. An dieser Stelle ist das Konzept der Markenidentität alter Wein in neuen Schläuchen.
Einfach nur peinlich ist die Tatsache dass die wissenschaftlichen Mitarbeiter der „Marke Meffert" nicht in der Lage sind, etablierte und bekannte Markennamen richtig zu schreiben!
So wird aus Benetton „Bennetton", aus der Beratungsgesellschaft Ernst &Young „Ernest & Young", aus Merrill Lynch „Meril Lynch" und Bang & Olufsen wird in Bang & Olufsson (isländische Schreibweise!?) abgewandelt.
Diese falschen Schreibweisen werden auch konsequent durchgehalten, sind demnach also keine Flüchtigkeitsfehler. Unverständlich, dass dieser Fauxpas niemandem beim Redigieren des Manuskripts aufgefallen ist.
„Die Marke ist das Megathema schlechthin - zurecht" (Esch). Meffert konnte eben nicht umhin ebenfalls ein Werk zu diesem Thema zu publizieren.
Dass der Reader „Moderne Markenführung" von Esch derzeit die deutschsprachige Referenzquelle zur Thematik darstellt, ist daran erkennbar wie häufig er von den Autoren zitiert wird. Da viele Kapitel im „Markenmanagement" fast identische Inhalte haben, stellt sich hier wirklich die Frage warum man zu diesem Buch greifen soll, wenn es doch bereits Besseres gibt.